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Risse und Löcher im Boeing-Rumpf: Wie sicher sind die alten 737-Jets?

Nachdem eine Boeing 737 in den USA wegen eines Lochs im Dach notlanden musste, haben Techniker an drei weiteren Maschinen Risse in der Außenhülle entdeckt. Die amerikanische Luftfahrtbehörde ist alarmiert. Auch Lufthansa überprüft ihre Flotte.

Die Boeing 737 gehört mit 6687 ausgelieferten Maschinen zu den Arbeitstieren der Luftfahrt. Nachdem eine knapp 15 Jahre alte Maschine der Southwest Airlines am Wochenende notlanden musste, kündigte die US-amerikanische Luftfahrtbehörde FAA eine weitreichende Untersuchung an. Der beliebte Kurz- und Mittelstreckenjet muss zur Überprüfung. Etwa 175 Maschinen sollen weltweit auf Materialermüdung kontrolliert werden, allein 80 davon in den USA.

"Der Vorfall vom Freitag war sehr ernst", sagte US-Verkehrsminister Ray LaHood in Washington. In mehr als zehn Kilometern Höhe hatte sich ein ungefähr 1,50 Meter langes Loch in der Flugzeughaut aufgetan. Die Piloten mussten mit der Boeing 737 notlanden, die im Juni 1996 in Dienst gestellt wurde. Keiner der 123 Insassen wurde ernsthaft verletzt. Jetzt wurden bei drei weiteren Southwest-Maschinen winzige Risse in der Außenhülle entdeckt.

Nicht die erste Zwischenfall bei Southwest

Es war nicht die erste Panne bei Southwest Airlines. Bereits im Juli 2009 hatte ein etwa 30 Zentimeter langes Loch im Rumpf eine Maschine zur Notlandung gezwungen. Weil weitere Boeing-Maschinen zur Kontrolle bei Southwest am Boden blieben, fielen allein am Montag etwa 70 Flüge bei der Airline aus. Die Billigfluggesellschaft mit Sitz in Dallas betreibt mit über 500 Maschinen die größte Boeing-737-Flotte der Welt. Nach Angaben der FAA in den USA gehören dazu auch viele bis zu 20 Jahre alte Maschinen.

1988 endete ein ähnliches Unglücks in einer 737 der hawaiianischen Aloha Airlines tödlich. In großer Höhe war das Kabinendach auf mehreren Metern aufgerissen. Eine Stewardess wurde aus der Maschine gesogen. Die Aloha-Maschine hatte 19 Jahre auf dem Buckel und soll in dieser Zeit unglaubliche 89.000 Starts und Landungen mitgemacht haben - das wären etwa 13 Flüge am Tag.

Die US-Luftfahrtbehörde will nun jene Boeing-Jets anderer Gesellschaften genauer unter die Lupe nehmen, die eine bestimmte Zahl an Flügen hinter sich haben. Betroffen sind demnach Boeing 737-300, -400 und -500 mit mehr als 30.000 Flugzyklen. Ein Zyklus besteht aus einem Start und einer Landung. Auch Hersteller Boeing selbst empfahl am Montag verstärkte Inspektionen.

Auch Lufthansa und Air Berlin fliegen mit Boeing 737

Die Boeing 737 ist das direkte Konkurrenzmodell zur ebenfalls höchst erfolgreichen A320-Familie des europäischen Flugzeugherstellers Airbus. Die 737 fliegt seit den 60er Jahren und ist der meistverkaufte Flugzeugtyp der Welt. Boeing hat das Modell seit dieser Zeit regelmäßig auf den neuesten technischen Stand gebracht. Viele Maschinen sind aber seit Jahrzehnten im Einsatz, weil sie als robust und zuverlässig gelten. Auch bei der Deutsche Lufthansa und Air Berlin gehört die Boeing 737 zur Flotte.

Der jüngste Vorfall führt auch zu Überprüfungen bei Lufthansa. Jedoch müssen bei der größten europäischen Fluggesellschaft nur drei der insgesamt 63 eingesetzten Boeing 737 kontrolliert werden. Die geringe Zahl ergebe sich aus Vorgaben, die Boeing den 737-Käufern macht. "Die haben wir noch am Sonntag untersuchen lassen - ohne Befund", sagte der Sprecher von Lufthansa. Auf Nachfrage von stern.de hieß es bei Air Berlin, dass betroffene Maschinen vom Typ 737-300 bei der Fluggesellschaft nicht mehr im Einsatz sind. Alle Boeings gehören jüngeren Baumustern an.

Sollten sich die Befürchtungen bewahrheiten und weitere Risse entdeckt werden, drohte US-Verkehrsminister LaHood bereits mit Konsequenzen, ohne dies genauer zu spezifizieren. "Die Sicherheit steht bei uns an erster Stelle."

tib/DPA / DPA

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