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Streik im öffentlichen Dienst: Was Flugpassagiere jetzt wissen müssen

Verdi macht im Tarifkonflikt Druck. Warnstreiks an Flughäfen behindern den Luftverkehr: Allein in Frankfurt sind bereits 550 Flüge gestrichen worden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Warnstreiks an sieben deutschen Flughäfen haben den Luftverkehr am Donnerstagmorgen massiv behindert. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich in Frankfurt am Morgen mehr als 90 Prozent der betroffenen Mitarbeiter an dem Streik. "Es läuft besser als erwartet", sagte ein Sprecher. Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen von betroffenen Flugpassagieren.

Wann und wo wird gestreikt?

Seit Beginn des Flugbetriebs um 5 Uhr sind in Frankfurt knapp 550 Starts und Landungen annulliert worden. In München legten die Ausstände den Betrieb am Morgen weitgehend lahm. Allein die Lufthansa strich rund 140 Flüge.

In

Hamburg

wurden zunächst jeweils 16 Anflüge und Abflüge zwischen Frankfurt und Hamburg sowie München und Hamburg annulliert. Am Airport

Köln/Bonn

strichen Airlines nach Angaben eines Flughafensprechers vorsorglich 13 der insgesamt 80 bis zum frühen Nachmittag geplanten Starts und Landungen.

Auch in

Düsseldorf

und

Hannover

fielen Flüge aus. In

Stuttgart

hatte der Warnstreik zunächst keine spürbaren Beeinträchtigungen für die Passagiere zur Folge.

Welche Auswirkungen hat der Streik?

Der Ausstand trifft nur wenige Fluggäste überraschend, denn die Lufthansa hat allein einige Zehntausend SMS verschickt. Vorsorglich hatte die Lufthansa wegen des Streiks am Donnerstag etwa 600 Flüge annulliert, die sie auf einer Sonderseite aufgelistet hat. Auch Langstreckenverbindungen und andere Airlines sind betroffen.

Nach 14 Uhr läuft der normale Flugbetrieb wieder an. Jedoch wird es noch den ganzen Tag über Verspätungen geben.

Von den Beeinträchtigungen ausgenommen sind Flüge der Germanwings sowie Flüge der Lufthansa-Regionaltöchter von und nach München. Normalerweise stehen bei der Lufthansa an einem Wochentag 1800 Flüge auf dem Flugplan.

Anders als bei der Lufthansa sind die Air-Berlin-Drehkreuze Berlin und Düsseldorf nur wenig direkt vom Streik betroffen. Auf den Flughäfen in Berlin gab es zwar keine Arbeitsniederlegungen. Doch wegen der Warnstreiks an anderen Flughäfen wurden nach Angaben eines Flughafensprechers bis zum Nachmittag 33 Flüge von und nach Berlin-Tegel gestrichen.

Wo kann ich mich informieren, ob mein Flug startet?

Am einfachsten auf den Webseiten der betroffenen Flughäfen Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, Köln/Bonn, München, Hannover sowie Stuttgart und der Fluggesellschaften. Lufthansa, Germanwings und Air Berlin haben spezielle Webseiten eingerichet, die über Auswirkungen des Streiks auf den Flugbetrieb informieren.

Welchen Service bietet die Lufthansa-Gruppe?

Passagiere mit Tickets von Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines oder Brussels Airlines für Flüge am 27. März von, nach oder über Frankfurt, München, Köln, Düsseldorf, Hamburg, Hannover und Stuttgart können einmalig kostenlos online unter Meine Buchungen umbuchen.

Habe ich bei Streik Anspruch auf eine Entschädigung?

Zwar haben Passagiere bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden laut EU-Verordnung Nr. 261/2004 Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro, aber nur, wenn keine "außergewöhnlichen Umstände" vorliegen. Der Bundesgerichtshof hat jedoch entschieden, dass Streiks als außergewöhnlicher Umstand gelten. Daher besteht kein Anspruch auf eine Ausgleichszahlung.

Warum wird gestreikt?

Die Gewerkschaft Verdi will mit dem Warnstreik Druck vor der dritten Tarifrunde machen. Die Gewerkschaften fordern, dass die Einkommen der 2,1 Millionen Angestellten im Bund und in den Kommunen um einen Betrag von 100 Euro und dann zusätzlich um weitere 3,5 Prozent steigen. Die Arbeitgeber haben bislang kein Angebot vorgelegt.

Drohen bald weitere Streiks?

Ja, die Piloten der Lufthansa bereiten sich ebenfalls auf einen Streik vor. Der könnte die Kranich-Airline komplett lahmlegen. Allerdings will die Vereinigung Cockpit mögliche Streiks 48 Stunden zuvor ankündigen. Beide Seiten betonen aber, dass der Konflikt auch am Verhandlungstisch beigelegt werden könne.

tib/Reuters/DPA / DPA / Reuters

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