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Wetterprognosen Der Winter geht - was kommt?

Meteorologen machen wenig Hoffnung: Frost noch im April, zu kühl im Sommer. Ein Trost bleibt: Die Wetterfrösche wissen es, wenn sie ehrlich sind, so genau auch nicht.
Von Swantje Dake

Schneeschippen und Streusalz hamstern. In zaghaften Trippelschritten über vereiste Gehwege zur Bushaltestelle tapsen. Mit dem Auto in Schrittgeschwindigkeit fortbewegen oder sich in Spurrillen auf Nebenstraßen festfahren. Das waren die letzten Wochen in Deutschland, in der Nordhälfte stärker als im Süden des Landes. Handschuh und Mütze hat man als unverzichtbaren Begleiter schon fast liebgewonnen, aber dem schmelzenden Schneemann weinen wohl nicht viele eine Träne nach. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) haben 46 Prozent der Bundesbürger den Winter inzwischen richtig satt haben. Nur - wann kommt er denn, der Frühling? Krokusse, die ihre lilafarbenen und gelben Köpfe aus der Erde recken, Erdbeereis, das in der Sonne schmilzt, tausende hellgrüne Knospen, die aufplatzen.

Die Vorboten des Frühlings verteilen sich bereits: Im Rhein-Main-Gebiet und im Saarland fliegen die ersten Pollen von Haselnuss und Erle. Während im Norden und Osten noch gewaltige Schnee- und Eismengen vor den Haustüren liegen, ist der Westen schneefrei. Im Südwesten klettern die Temperaturen in der kommenden Woche auf frühlingshafte zehn Grad. "Dort könnten dann die ersten Schneeglöckchen zu sehen sein", sagt Karsten Brandt, Meteorologe vom Wetterdienst donnerwetter.de. Euphorie erstickt der Meteorologe aber umgehend. "Es wird bis in den April hinein Kälterückfälle geben", so Brandt.

Die Kapriolen gehen weiter

Für konkrete Vorhersagen, wie das Wetter im März und April werden wird, ist es noch zu früh. Die Modelle der Meteorologen zeigen für die kommenden drei Tage verlässliche Daten, für die kommenden zwei Wochen sind die Vorhersagen deutlich vager. Vermutungen, wie das Frühjahr wird, können die Wetterexperten aber auf Grund ihrer Statistiken anstellen. "Nach den harten Wintern 1987, 1996 und 1979 gab es im März und April Frost und Kälteeinbrüche", so Brandt. Aber selbst wenn die derzeitige allgemeine Wetterlage - das Azorenhoch liegt zu weit im Norden, das Islandtief zu weit im Süden, dazu ist der Golfstrom schwächer als üblich - bleiben sollte, so Brandt, wird es automatisch wärmer werden. "Die Sonne bekommt wieder mehr Kraft, auch wenn die Kapriolen weiter gehen."

Franziska Polak vom meteorologischen Dienstleister Q.met GmbH wetter.net bestreitet das nicht, kommt aber für das Aprilwetter zu einem anderen Ergebnis, wenn sie ihre Modelle auswertet. "Es ist wahrscheinlich, dass dieser Frühling zu den zehn wärmsten zählen wird", so Polak. Die Referenzperiode ist dabei der Zeitraum zwischen 1960 und 1990. Allerdings: "Warm" sind nicht zwangsläufig dauerhafte 20 Grad. Die mittlere Temperatur für den April liegt bei 7,5 Grad. Selbst wenn die Tage schon angenehm warm werden, können die Nächte frisch und frostig sein. Ob der Frühling regenreich oder trocken wird, darauf will sich Polak nicht festlegen.

Auf zwei kalte Winter folgt ein heißer Sommer

Uneins sind die Modelle der Meteorologen auch, was den Sommer angeht. "Die Chancen, dass der Sommer sehr heiß wird, liegen unter zehn Prozent", ist sich Brandt sicher. Wird die Bauernregel "Im Februar Schnee und Eis, macht den Sommer lang und heiß" also widerlegt? "Bauern haben ihre Wetterregeln für die Ernte aufgestellt, nicht für das heutige Freizeitverhalten", so Brandt. Er geht davon aus, dass der Sommer 2010 als zu kühl empfunden und eher trüb werden wird. Anders schätzt Meteorologin Polak den Sommer ein. "Nach zwei kalten Wintern müsste ein heißer Sommer folgen." Wobei ein heißer Sommer auch Gewitter und viel Regen mit sich bringe.

Bevor wir uns auf den Sommer freuen können, müssen die nächsten Tage unfallfrei überstanden werden - und das wird im Großteil der Republik schwierig. Im Norden, Osten und Süden liegen die Temperaturen um den Gefrierpunkt. Tagsüber taut es, es fällt Neuschnee oder Schneeregen und nachts friert es. Dieses Wechselspiel gibt es bis in die kommende Woche hinein. Im Westen und Südwesten ist es deutlich milder geworden. Die Höchsttemperaturen steigen auf acht bis neun Grad am Oberrhein. Für das Wochenende vom 26. bis 28. Februar - passend zum meteorologischen Frühlingsanfang am 1. März - gibt es vom Deutschen Wetterdienst eine Trendprognose: Wahrscheinlich setzt sich langsam eine milde Südwest- bis Westlage durch, so dass es auch im Nordosten zögernd milder werden würde.

Eine Hoffnung blitzt am fernen Horizont: Der nächste Winter wird - vertraut man den Statistiken - ein milder werden. "Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass auf zwei harte Winter ein milder folgt", so Polak. Aber was heißt schon mild? In deutschen Breitengraden: Tristesse, Einheitsgrau, nasskalte zwei Grad und Regen. Dann doch lieber 21,6 Milliarden Tonnen Schnee, die sich über Deutschland verteilen, das Land gefühlt in einen Ausnahmezustand versetzen und Gesprächsstoff für zweieinhalb Monate liefern. Aber die Wahl werden wir auch im kommenden Winter nicht haben.


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