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Formel 1: Formel 1 - Die Erkenntnisse nach dem Großen Preis von Australien

So manch ein Lenkrad stand schief, einige Reifen verschlissen in Windeseile und dem ein oder anderen Fahrer war nicht zum Spaßen zumute. Während Sebastian Vettel und Jenson Button sich amüsierten, ist die Stimmung bei Lewis Hamilton gedrückt, auch Mercedes kann nicht zufrieden sein. Die Erkenntnisse des Saisonauftaktes.

Nach dem Saisonauftakt in Melbourne sammeln wir die Trümmerteile auf und ziehen eine erste Bilanz. Jenson Button ist entspannter als Lewis Hamilton, Mercedes ist nicht gleich Mercedes und nicht jeder Reifen wird in der Formel 1 gleich behandelt. Aber lesen Sie selbst...

Melbourne ist nicht gleich Sepang

Spätestens nach dem dritten Sieg von Jenson Button und dem sechsten Erfolg in sechzehn Melbourne-Rennen seit 1996 ist klar, McLaren fühlt sich im Albert Park richtig wohl. "McLaren war hier schon immer stark. Im Vorjahr saß Lewis Sebastian auch über weite Strecken im Nacken. Es gibt halt Strecken, auf denen unsere Performance nicht ganz so überragend sein wird", erklärt Christian Horner laut motorsport-total.com die Originalität der Strecke.

In Melbourne gibt es viele langsame Kurven, in Sepang am nächsten Wochenende gibt es viele schnelle Kurven. "Dass unterschiedliche Strecken unterschiedlichen Autos unterschiedlich gut liegen, haben wir ja vergangenes Jahr schon gesehen. Das hat teilweise von Wochenende zu Wochenende gedreht", so Horner. Aber nicht nur die Strecke war der Grund für den verpassten Sieg der Red Bull, glaubt man den Verantwortlichen.

Qualifying ist nicht gleich Rennen

Nach dem schwachen Abschneiden der Red Bull im Qualiying dachte man schon, die Red Bull sind in diesem Jahr nicht ganz vorne mit dabei. Im Rennen relativierte sich dieser Eindruck. "Wir hatten das Gefühl, im Qualifying nicht unsere Leistung abgerufen zu haben. Mark hatte ein Problem mit KERS, das drei bis vier Zehntel gekostet hat, und Sebastian fehlte der letzte Run mit weichen Reifen im dritten Training.

"Weil der gefehlt hat, schlugen wir mit dem Setup möglicherweise nicht die beste Richtung ein", so Horner über die enttäuschenden Leistungen von Mark Webber und Sebastian Vettel am Samstag im Qualifying. Der Teamchef glaubt sich aber dennoch auf Augenhöhe mit den McLaren. "Unsere Rennpace war heute ebenbürtig", kommentierte Horner. Es gibt aber dennoch Zweifel an der Ebenbürtigkeit von Red Bull und McLaren.

McLaren ist nicht gleich Red Bull

In der Tat waren die vier Autos, die als erste die Linie überquerten, über weite Strecken gleich schnell, doch McLaren hatte wohl noch Luft nach oben. "Wir haben einen Fehler bei der Berechnung der Spritmenge gemacht“, sagte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh laut auto-motor-sport.de. 

"Ab Runde acht fuhren wir im Spritsparmodus", ergänzte er laut motorsport-total.com weiter. "Wir hätten zweifellos etwas schneller fahren können." Dieser Eindruck bestätigte sich auch im Rennen, nachdem das Safety-Car die Strecke wieder verlassen hatte, war Jenson Button durch Nichts und Niemanden aufzuhalten.

Verbissenheit ist nicht gleich Schnelligkeit

Jenson Button wird oft unterschätzt. Wir taten das nicht und tippten vor dem Rennen auf Button als Sieger. Der 32-Jährige zeigte dann auch ein perfektes Rennen. Sein Start war perfekt. "Es war ein Traumstart. Ich kniff mich während des Rennens sogar einmal, um sicherzugehen, dass es kein Traum war", so Button später auf der Pressekonferenz.

Seine Rennaufteilung, Taktik und Strategie ebenfalls. Er ließ sich nicht durch den verlorenen Vorsprung aufgrund der Safety-Car-Phase verrückt machen, auch das Spritsparen, das Schonen der Reifen und die leichten Vibrationen am Fahrzeug konnten ihn nicht aus der Ruhe bringen. Lewis Hamilton patzte dagegen zu Beginn und hatte später Pech, dass durch Safety-Car-Phase und Boxenstopp an ihm vorbei kommen konnte. 


"Ich weiß gar nicht, was da passierte… Mein Start war erschreckend. Damit fing alles an", zeigte sich Hamilton entgeistert auf der Pressekonferenz. "Ich bin von der Kupplung gegangen und meine Reifen haben durchgedreht. Das hat sich dann durchgezogen, wodurch ich viel Boden verloren habe." Vor der PK hatte Hamilton, während sich Button und Vettel entspannt unterhielten, schon keinen Ton herausgebracht und sich als schlechter Verlierer (Dritter) gezeigt.

Button und Vettel scherzten derweil auf der Pressekonferenz munter weiter. Auf die Frage, welchen Siegesgruß Button gezeigt habe, sagte dieser: "Ich wollte etwas Neues ausprobieren, aber den 'Vettel-Finger' kann ich nicht schlagen. Darüber sprechen wir noch." Button versuchte es mit einem "W" (für Winner). 

"Mit einer Wasserflasche in der Hand formte ich ein 'W'. Das funktionierte aber nicht so toll. Ich bin mir sicher, wir sehen den 'Vettel-Finger' in dieser Saison noch hin und wieder. Hoffentlich wird das nicht gar so oft der Fall sein. Wir werden hart kämpfen, damit das nicht passiert. Ach, ich liebe solche Fragen", gab sich Button total entspannt.

Button zeigte eine Lockerheit, die ihm oft negativ ausgelegt wird. "Jenson will die WM gewinnen und hat heute auf diesem Weg perfekt angefangen. Manche Leute haben den Eindruck, der wolle gar nicht groß kämpfen, weil er immer so entspannt auftritt. Man täuscht sich in ihm vielleicht", sagt sein Teamchef Martin Whitmarsh laut Motorsport-Total.com über den Weltmeister von 2009.

Mercedes ist nicht gleich Mercedes

Während McLaren im diesen Jahr das schnellste, oder zumindest mit Red Bull zusammen das schnellste Auto gebaut hat, ist der Leistungsstand von Mercedes GP schwer einzuordnen. Das Abschneiden in Melbourne war eine Enttäuschung. Nach den hoffnungsvollen Qualifying-Ergebnissen, sah es auch im Rennen zunächst gut aus. Nico Rosberg schob sich von Platz sieben auf den vierten Rang vor. Michael Schumacher ließ Romain Grosjean (Lotus) links liegen und war Dritter.

Doch dann lief es nicht mehr. Schumacher fiel mit Getriebeschaden raus, Rosberg fiel immer mehr ab und wurde am Ende nur Zwölfter. Der Reifenverschleiß scheint das Problem zu sein. "Trotz exzellenter Starts hatten Michael und Nico von Beginn an Schwierigkeiten mit den Reifen. Durch die veränderten Streckenbedingungen sowie Temperaturen fielen wir aus dem Arbeitsfenster heraus und hatten Probleme mit dem Reifenabbau", erklärte Teamchef Ross Brawn laut motorsport-total.com. "Wir müssen jetzt herausfinden, woran das lag."

"Bei den Testfahrten konnten wir bei den Renndistanzen konstante Rundenzeiten fahren. Und die Strecke in Barcelona ist sicher kein schlechter Gradmesser. Wir müssen das jetzt untersuchen. Vielleicht hat es ja nur eine kleine Ursache. Vielleicht sieht es in Malaysia schon wieder ganz anders aus", hofft Brawn.

Auch Nico Rosberg hofft auf Strecken, die der Abstimmung des Autos mehr liegen. "Jetzt liegt viel Arbeit vor uns, um zu verstehen, was schief gelaufen ist und wie wir das volle Potenzial unseres Autos ausschöpfen können, das definitiv vorhanden ist. Ich bin jedoch zuversichtlich, da uns in Malaysia ein gänzlich anderer Streckentyp erwartet, darauf freue ich mich."

Michael Schumacher zeigte sich aber dennoch besorgt. "Wenn man sich die Zeiten aber genau ansieht, dann muss man schon sagen, dass wir im Renntrimm zu langsam sind", so der Rekordweltmeister bei RTL. "Ich weiß nicht wie viel, aber im Qualifying sehen wir besser als im Longrun aus."

Die Probleme sind nicht neu. Auch im letzten Jahr bremste der hohe Verschleiß der Hinterreifen die Ambitionen der Piloten. Auf die gesamte Renndistanz betrachtet, waren sogar die Autos von Ferrari, Sauber und Williams schneller als der Mercedes. Es gibt also noch viel zu tun bei den Silberpfeilen.

Formel 1-Auto ist nicht gleich Formel 1-Auto

Während alle über McLaren, Red Bull und Mercedes reden, hatten die restlichen Teams so ihre eignen Probleme. "Ab der sechsten Runde hatte ich kein DRS mehr. Das KERS hatte sich schon am Start verabschiedet. Außerdem stand mein Lenkrad beim Geradeausfahren schief", so Heikki Kovalainen, der mit seinem Caterham noch dazu während der Safety-Car-Phase überholte und nun in Sepang fünf Plätze weiter hinten starten muss, das bedeutet wohl: Letzte Startreihe!

Michel Massing 

sportal.de / sportal

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