FORMEL 1 Michael Schumacher ist Weltmeister


Mit einem ungefährdeten Sieg beim Großen Preis von Ungarn sicherte sich Michael Schumacher vorzeitig den Weltmeistertitel der Formel 1 - seinen vierten.

Michael Schumacher hat sich in der Gluthitze von Budapest zum vierten Mal zum Formel-1-»König« gekrönt und den Ferraristi eine rührende Liebeserklärung gemacht. »Ich liebe euch alle, ihr seid ein Superteam«, funkte der alte und neue Weltmeister bei der Fahrt zum Rekord-Sieg beim Großen Preis von Ungarn in die Box. Souverän sicherte sich der Ferrari-Star nicht nur den schnellsten Weltmeister-Titel seiner Karriere und den zweiten mit der »Scuderia« in Folge. Ferrari bejubelte dank Rubens Barrichello auch einen Doppel-Erfolg und den Gewinn der Konstrukteurs-WM. Vor rund 120.000 Zuschauern, davon weit mehr als die Hälfte aus Deutschland, vergrößerte Schumacher seinen Vorsprung am Sonntag auf nicht mehr einholbare 43 Punkte vor David Coulthard, der Dritter wurde.

»Man kann sich nicht vorstellen, wie toll die Jungs sind!«

Auf dem Auto stehend breitete der Champion die Arme aus, als wolle er die ganze Welt umarmen, und die Fans eroberten die Strecke. Immer wieder bedankte er sich bei den Mitarbeitern, in der Pressekonferenz kämpfte er vor Rührung mit den Tränen. »In solchen Momenten ist es schwer, die richtigen Worte zu finden«, so der 32-Jährige: »Man kann sich nicht vorstellen, wie toll die Jungs sind. Wie sie hinter mir stehen. Ich habe so etwas noch nie in einem Team erlebt. Da ist so viel Menschlichkeit. Dafür möchte ich allen danken.«

Glückwünsche vom Kanzler

Italien feierte den WM-Triumph mit der längsten Strandparty aller Zeiten. Millionen Italiener bejubelten auf unzähligen improvisierten Siegesfeiern in den Strandbädern Italiens »Grande Schumi«. Die Ferrari-Heimatstadt Maranello verwandelten tausende Tifosi, darunter auch viele Deutsche, in ein riesiger rotes Fahnenmeer. Schumachers Heimatstadt Kerpen stand förmlich Kopf. Mit Tränen in den Augen fielen sich die Fans um den Hals. Bundeskanzler Gerhard Schröder schickte Glückwünsche.

Mit dem vierten Titel nach 1994, 1995 und 2000 holte Schumacher Alain Prost in der »ewigen« Rangliste der Weltmeister sowie als Rekordhalter bei den Siegen mit seinem 51. Grand-Prix-Triumph ein. Niemand hat mehr Siege in der Formel 1, nur einer hat mehr WM-Titel: Der fünfmalige Champion Juan Manuel Fangio. Michael Schumacher hat in der Gesamtwertung vor den vier noch ausstehenden Rennen 94 Punkte, Coulthard 51. Barrichello schob sich mit 46 Zählern auf Rang drei vor Ralf Schumacher (44). Der Silberpfeil-Pilot beglückwünschte Schumacher als einer der Ersten: »Es ist Michaels Tag, und ich gratuliere ihm.«

Ralf Schumacher wurde Vierter

Michael Schumacher holte auf dem Hungaroring nach 77 Runden und 306,075 km bei Außentemperaturen von über 30 Grad seinen siebten Saisonsieg vor Barrichello und Coulthard. Ralf Schumacher wurde im Williams-BMW Vierter, der Mönchengladbacher Sauber-Pilot Nick Heidfeld sicherte sich als Sechster einen Punkt, Heinz-Harald Frentzen schied beim Prost-Debüt aus.

Für den Rest der Saison droht Langeweile

Der Weltmeister 2001 stand nach 13 von 17 Saisonrennen fest. So früh war die Titel-Entscheidung zuletzt 1992 gefallen, als der Brite Nigel Mansell ebenfalls in Budapest vorzeitig alles klar machte. Dem geschäftstüchtigen Formel-1-»Boss« Bernie Ecclestone dürfte dies nicht gefallen. Für den Rest der Saison droht Langeweile.

Noch nie war Schumacher in seinen elf Formel-1-Jahren so schnell Weltmeister geworden. Seine anderen Titel waren zu einem späteren Zeitpunkt der Saison entschieden. »Die Siege, die WM, sind etwas ganz Besonderes. Aber nichts im Vergleich zur Art und Weise, wie wir es in diesem Jahr geschafft haben. Das war prima Teamarbeit«, sagte der Rheinländer. Barrichello erklärte: »Ich bin stolz, sein Kollege zu sein«» Lob für den von Saisonbeginn an führenden Schumacher kam sogar von der Konkurrenz. «Er hat den Titel verdient», sagte sein früherer WM-Rivale Mika Häkkinen, der Fünfter wurde.

Auch Mercedes gratuliert

»Glückwunsch an Michael Schumacher und Ferrari zum Gewinn der WM«, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug und hoffte bei den restlichen Rennen auf »umgekehrte Zielankünfte«. Ralf Schumacher meinte: »Es ist nicht so schlimm, dass es für mich heute nicht zu einem Podiumsplatz gereicht hat. Ich kann mich dafür freuen, heute mit meinem Bruder den vierten WM-Titel zu feiern.«

Unspektakuläres Rennen

Das Rennen war unspektakulär verlaufen. Nur auf dem Weg zur Startaufstellung war dem Titelverteidiger ein Missgeschick passiert. Schumacher setzte seinen Ferrari ins Kiesbett, die Mechaniker mussten den Dienstwagen noch schnell säubern. Doch beim Start ging alles glatt: Schumacher, der nach der 41. Pole Position seiner Karriere in Reihe eins neben Coulthard stand, kam gut weg. Kollege Barrichello überholte den Schotten und hielt dem Deutschen den Rücken frei.

Bis zum ersten Boxenstopp zog das Führungs-Quartett mit Ralf Schumacher als Viertem in unveränderter Reihenfolge seine Kreise. Der Spitzenreiter erzielte einen Rundenrekord nach dem anderen. Der Vorsprung wuchs. Der Ferrari war mit einem neuen Aerodynamik-Paket für den Hungaroring ausgestattet worden, der ähnlich wie der Kurs in Monaco viel Anpressdruck erfordert. Der Ungarn-Grand-Prix ist extrem anstrengend, im Cockpit fühlen sich die Piloten wie in der Sauna, auf Grund der vielen Kurven gibt es keine »Verschnaufpausen«.

Bei Coulthard klemmte der Einfüll-Stutzen

Michael Schumacher kam in der 29. Runde zum ersten Mal zum Tanken und kehrte danach als Dritter vor Bruder Ralf auf die Strecke zurück. Coulthard stoppte vier Runden später, machte aber einen Platz gut. Der zunächst fast 14 Sekunden betragende Vorsprung schmolz etwas. Beim zweiten Boxenstopp war Coulthard der Verlierer: Schumacher kam nach 52 Runden zum Halt, dann Barrichello (53), anschließend der Schotte. Bei seiner Tankanlage klemmte der Einfüll-Stutzen und verzögerte den Stopp auf 9,9 Sekunden. So zog Barrichello noch vorbei. Die Reihenfolge blieb bis zum Schluss.

Andrea Wimmer und Volker Gundrum, dpa


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