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Formel 1: Nach Ferrari droht auch Renault mit Ausstieg

Zoff in der Königsklasse: Nach Ferrari hat nun auch Renault einen Ausstieg aus der Formel 1 angedroht. Der französische Rennstall will die von der Fia festgelegte Budget-Obergrenze nicht akzeptieren. Ein Machtkampf von immensem Ausmaß zwischen Rennställen und dem Weltverband kündigt sich an.

Das Horrorszenario ist perfekt: Während der mögliche Ausstieg des von den Tifosi verehrten Ferrari-Rennstalls aus der Formel 1 für Entsetzen sorgte, legte nicht mal 24 Stunden später Rivale Renault schriftlich und entschieden nach. "Wenn die vom Weltrat am 29. April 2009 verkündeten Regeln nicht rückgängig gemacht werden, haben wir keine andere Wahl als uns von der Fia-Weltmeisterschaft Ende 2009 zurückzuziehen", sagte Teamchef Flavio Briatore in einem am Mittwoch verbreiteten Renault-Statement.

Renault ist seit 1977 in der Formel 1 engagiert. Die größten Erfolge feierte das Team mit den Titeln in der Konstrukteursmeisterschaft und dem WM-Triumph durch den Spanier Fernando Alonso 2005 und 2006. Der französische Automobilhersteller, der auch mit der weltweiten Wirtschaftskrise zu kämpfen hat, rüstet zudem Red Bull mit der deutschen WM-Hoffnung Sebastian Vettel mit Motoren aus.

Ferrari, Renault, Red Bull, Toro Rosso und Toyota, dazu indirekt auch BMW: die Front gegen das neue Reglement, das einer Zweiklassen- Gesellschaft Tür und Tor öffnet, ist groß - und mächtig. "Wir sind im Krieg", schrieb die "La Gazzetta dello Sport" am Mittwoch mit Blick auf die Auseinandersetzung zwischen Ferrari und dem Präsidenten des Internationalen Automobilverbandes Fia, Max Mosley. "Ein trauriger Tag für den italienischen Sport", befand der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (Coni), Gianni Petrucci.

Eine Formel 1 ohne Ferrari, das italienischen Medienberichten zu Folge eine eigene Serie gründen könnte, ist für fast alle unvorstellbar, außer für Mosley (Der Sport könnte auch ohne Ferrari überleben). "Natürlich arbeiten wir alle daran, hier eine positive Lösung zu finden. Niemand kann Interesse daran haben, in der Formel 1 ohne Ferrari als Wettbewerber zu fahren", sagte Mercedes- Motorsportchef Norbert Haug am Mittwoch der dpa. "Wir jedenfalls wollen Ferrari als sportlichen Rivalen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Team etwas anderes sagt", betonte der Schwabe. Ferrari sei wie alle anderen Teams auch zunächst einmal gegen zwei verschiedene Regularien in der Formel 1, so Haug weiter.

Und darum geht es Ferrari, Renault und den anderen Kritikern: Diejenigen Teams, die sich 2010 an die Budgetobergrenze von veranschlagten rund 45 Millionen Euro halten, sollen einschneidende, vor allem technische Freiheiten erhalten. Sprich: Das Drehzahllimit für die Motoren wird aufgehoben, die Anzahl der verwendeten An- und Getriebe ist frei. Der Frontflügel darf mehr, der Heckflügel frei verstellt werden. Auf der Strecke sollen die Vorteile bis zu zwei Sekunden bringen.

"Es gibt Frust darüber, dass die konstruktiven Vorschläge der FOTA, die auch die hauptsächlichen Maßnahmen zu einer schrittweisen Kostenreduzierung von 2009 bis 2012 beinhalten und von den Fota- Mitgliedern mit Sorgfalt erarbeitet wurden, komplett ignoriert wurden durch die Fia, ohne die Teams zu konsultieren", hieß es in der Mitteilung von Renault. Auch Ferrari, das zudem ein Abkommen zwischen sich und der Fia verletzt sieht, verurteilte die Vorgehensweise. Indes betonte Renault in seiner Mitteilung, dass die Fota dasselbe, wenn nicht sogar niedrigere finanzielle Ziel wie die Fia habe. Dies müsste aber nach Meinung Renaults durch alle Parteien abgesegnet werden.

Nun kommt alles auf das Meeting mit Mosley an, der den Radikalkurs zur Rettung der "Königsklasse" in Zeiten der weltweiten Wirtschaftskrise durchsetzen will. Ein Fia-Sprecher bestätigte, dass das Treffen noch für diese Woche geplant sei. "Ferrari hat seinen ersten Grand Prix schon gewonnen", befand der "Corriere della Sera" angesichts der unverhohlenen Drohung des Zugpferds der PS- Eliteliga vor dem Showdown in London.

In Italien nährte die Ankündigung der Scuderia auch die Spekulationen um eine Piratenserie mit den anderen Herstellern der Formel 1. Fiat-Ferrari, BMW, Mercedes, Renault und Toyota könnten eine eigene WM gründen und jeweils drei Autos ins Rennen schicken, orakelte "La Gazzetta dello Sport". Und "Tuttosport" nannte bereits mögliche Austragungsorte, darunter neben dem Hockenheimring "wahrscheinlich" auch den Lausitzring. "Montezemolo arbeitet an der Alternativ-Weltmeisterschaft", berichtete "La Repubblica".

Jens Marx/DPA / DPA

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