FORMEL 1 Pechsträne vorbei: Häkkinen gewinnt Silverstone


Nach elf Monaten hat es wieder geklappt: Mika Häkkinen gewann mit seinem Silberpfeil den Großen Preis von Großbritannien. Michael Schumacher wurde Zweiter.

Silberpfeil-Pilot Mika Häkkinen hat Michael Schumacher und Ferrari das Jubiläum an historischer Stelle mit einem glanzvollen Comeback verdorben. Der bisherige Pechvogel feierte beim Großen Preis von Großbritannien seinen ersten Sieg nach elfmonatiger Durststrecke. Titelverteidiger Schumacher setzte trotz eines zweiten Platzes in Silverstone seinen Alleingang im WM-Rennen fort, da sein Verfolger David Coulthard vor 100.000 Zuschauern bereits in der dritten Runde ausschied. Der dreimalige Champion aus Kerpen führt vor seinem Heim-Rennen in zwei Wochen in Hockenheim nun mit 37 Punkten Vorsprung vor dem Schotten. Allerdings muss Schumacher weiter auf die Einstellung von Alain Prosts Fabelrekord von 51 Grand-Prix-Siegen warten.

Coulthard, der nach zwei Siegen in Silverstone vor heimischem Publikum den Hattrick schaffen wollte, muss die Titelträume sechs Rennen vor Schluss wohl begraben. »Sicher ist es sehr enttäuschend«, meinte er. »Aber es gab schon mehr Enttäuschungen im Laufe dieses Jahres. Ich bin schon froh, wenn wir ein Rennen zu Ende fahren.« Schumacher führt mit 84 Punkten vor Coulthard (47).

Schwarzes Wochenende für Ralf Schumacher

Nach 60 Runden und 308,289 km feierte Häkkinen seinen ersten Sieg in England. Der finnische Doppel-Weltmeister siegte mit 33,6 Sekunden Vorsprung vor Schumacher. Dessen Ferrari-Teamkollege Rubens Barrichello (Brasilien) wurde Dritter vor dem Williams-BMW-Piloten Juan Pablo Montoya. Ralf Schumacher erlebte das befürchtete »schwarze Wochenende«: Der Williams-BMW des Kerpeners rollte in der 37. Runde aus. Damit muss Ralf (31) auch seinen dritten Platz in der WM-Wertung wieder an Barrichello (34) abgeben. Sauber-Pilot Nick Heidfeld (Mönchengladbach) holte als Sechster einen WM-Punkt, Heinz-Harald Frentzen ging im Jordan als Siebter leer aus.

Vor dem elften Rennen dieser Saison hatte Schumacher einen kleinen Ausflug in die glanzvolle Ferrari-Vergangenheit gemacht. Fast auf den Tag genau vor 50 Jahren hatte der Argentinier Jose Froilan Gonzalez ebenfalls in Silverstone den ersten Ferrari-Sieg geholt. Der Kerpener fuhr eine Runde mit dem roten Ferrari 375, in dem Gonzalez am 14. Juli 1951 triumphiert hatte. Schumacher winkte während der eher gemächlich wirkenden Fahrt ins Publikum und ließ sich danach mit den früheren Gonzalez-Mechanikern fotografieren.

Coulthard Opfer einer Startkollision

Die Vorentscheidung in der WM 2001 fiel bereits am Start: In der Aufstellung traf Schumacher, der zum 40. Mal die Pole Position erobert hatte, erstmals seit langem wieder auf seinen früheren WM-Rivalen Häkkinen. Die beiden standen nebeneinander in Reihe eins vor Coulthard. Schumacher setzte sich souverän durch und ging als Führender in die erste Kurve, während Coulthard Opfer einer Startkollision wurde, vom Jordan des Italieners Jarno Trulli touchiert und von der Strecke geschoben wurde. »Er war zwar innen, aber ich lag vorne«, sagte Coulthard über die Auseinandersetzung. »Coulthard hat mir die Tür zugeschlagen«, verteidigte sich Trulli. Der schottische Silberpfeil-Pilot fuhr zunächst neben dem Kurs weiter, fiel aber ans Ende des Feldes zurück.

Es reichte nicht bis in die Box

Offenbar verursachte der Schlag Schäden an Coulthards McLaren-Mercedes. Die Boxen-Crew machte sich bereit zu einem außerplanmäßigen Stopp. Aber Coulthard kam dort gar nicht an. Ende der dritten Runde kam das bittere Aus für den Schotten. Frustriert knallte der 30-Jährige sein Lenkrad auf den Silberpfeil. Statt des erhofften Silverstone-Hattricks und einer Aufholjagd im WM-Kampf muss Coulthard seine Titelhoffnungen begraben.

Dabei hatte McLaren-Mercedes praktisch erstmals Stallorder zu Gunsten des Schotten bekannt gegeben. »Wir sind realistisch genug, um die letzte rein mathematische Häkkinen-Chance abzuhaken. Wir werden uns in den letzten Saisonrennen deshalb auf David konzentrieren«, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug der »Bild am Sonntag«.

Häkkinen setzte sich in der fünften Runde an die Spitze

Aber auch Schumacher schien Probleme zu bekommen. In der fünften Runde überholte Häkkinen den dreimaligen Champion und baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus. In Runde 18 zog auch Montoya mühelos an dem Ferrari-Star vorbei. Die Strategie von McLaren-Mercedes mit zwei Boxenstopps zahlte sich gegenüber der Vorgehensweise von Ferrari mit nur einem Halt aus. Selbst nach Häkkinens erstem Stopp in der 21. Runde kam der Rheinländer nicht an dem Finnen vorbei. Damit war das Rennen bereits nach einem Drittel gelaufen. Der Parallel-Stopp von beiden in 40. Runde änderte nichts mehr an der Spitze: Häkkinen, der in dieser Saison schon sechs Mal ausgefallen war, baute seinen souveränen Vorsprung weiter aus und fuhr den Sieg sicher nach Hause.


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