Formel 1 Wundenlecken und neu entfachter Ehrgeiz


Die Tifosi trauern, die Spanier spotten: Das bittere Aus beim Großen Preis von Japan hat Schumi hinuntergewürgt. Den Weltmeistertitel hat er abgehakt, nun soll der Team-Titel seine Karriere als Formel 1-Fahrer krönen.

Traurige Tifosi und spottende Spanier - nur Michael Schumacher hat keine Zeit für große Gefühle. Schon am Mittwoch will der Rekordweltmeister seinen beim Großen Preis von Japan mit Motorschaden auf dem Seitenstreifen abgestellten Ferrari wieder in Fahrt bringen. Nach dem bitteren Aus hat Schumacher den Gewinn seines achten Fahrertitels zwar abgehakt, doch er hat noch ein Ziel für das Saisonfinale am 22. Oktober in Sao Paulo: Der 37-Jährige will sich als Mannschafts-Weltmeister aus der Formel 1 verabschieden.

"Ich finde, wir haben diesen Titel verdient, denn wir sind das beste Team. Jetzt wollen wir auch den nächsten Schritt machen und nominell Meister werden", verkündete der Rennfahrer auf seiner Internetseite. Der Kerpener hatte nach dem Ausfall am Sonntag auf die beliebten Karaoke-Einlagen in den Hütten an der Rennstrecke verzichtet. Er war kurz nach dem vorletzten Grand Prix seiner Karriere zurück in die Schweizer Wahlheimat zu Frau und Kindern geflogen.

Unterdessen wird Renault-Pilot Fernando Alonso in seiner spanischen Heimat nach dem "Harakiri von Ferrari" ("El Mundo") schon als alter und neuer Weltmeister gefeiert. Für die Zeitung "As" wäre der zweite WM-Triumph für den 25-Jährigen von noch größerer Bedeutung als im Vorjahr. "Alonso steht einen Punkt vor dem Gewinn einer Weltmeisterschaft, die noch wertvoller sein wird als die vorige. Diesmal hatte er es mit einem Superchampion wie Michael Schumacher zu tun, der ihm den Titel bis zum letzten Moment streitig machte."

Vom Motor verraten

Schumacher erklärte unmittelbar nach dem Rennen gefasst die Hatz auf Alonso für beendet. Auch die Italiener sehen so gut wie keine Chance mehr auf einen krönenden Karriere-Abschluss. "Nach sechs Jahren wurde Schumacher wieder einmal von seinem Motor verraten. Es war einfach Pech. Schumacher hat es nicht verdient, seine außergewöhnliche Karriere auf so grausame Art zu beenden", schrieb die "La Gazzetta dello Sport". Im Jahr 2000 war der Motor an Schumachers Wagen letztmals in einem Rennen kaputt gegangen.

Als "vorbei" betrachtet auch "Il Tirreno" den Kampf um den Fahrer-Titel, der nur noch bei einem Schumacher-Sieg in Sao Paolo und einer gleichzeitigen Nullnummer von Alonso eine erneute, dann aber für den deutschen Piloten triumphale Wendung nehmen könnte. "Schumachers bitteres Addio!", klagte "La Repubblica". Die ranzösische "Libération" "katapultierte Alonso in den Orbit für einen zweiten WM-Titel."

Etwas verwunderlich ist, dass der 37-Jährige, der in Suzuka ausgerechnet in der 37. Runde ausgeschieden war, den Kampf aufgegeben hat. Vor allem im vergangenen Jahr wiederholte er gebetsmühlenartig, dass er so lange kämpfe, wie es auch eine "rechnerische Möglichkeit" gebe. Auch damals konnte er nur auf Ausfälle seines Widersachers hoffen, der ihm den Gefallen aber nicht tat und vom Thron stieß.

Bereit für das wirkliche Leben

Schumachers Gelassenheit ist offenbar ein Teil eines weiteren Reifeprozesses des Champions, der das Verlieren gelernt zu haben scheint. Das war nicht immer so: 1997 waren ihm wegen eines Crashs im WM-Finale gegen den Kanadier Jacques Villeneuve sogar alle Punkte der Saison abgezogen worden. Der "neue Schumacher" kommt an. "Er ist bereit für das wirkliche Leben abseits der Pisten", schrieb die "La Gazzetta dello Sport".

Im großen Finale seiner Formel-1-Karriere hat Schumacher auch auf der Strecke noch etwas zu erledigen und seine Fans, die am Sonntagmorgen um 7.00 Uhr mitbangten - durchschnittlich sahen 4,48 Millionen Fernsehzuschauer das Japan-Rennen - mit dem "kleinen Titel" zu beglücken. "In der Teamwertung haben wir nun zwar jetzt auch neun Punkte Rückstand, aber dennoch einige, wenn auch geringe, Chancen. Diese werden wir nun in Angriff nehmen." Vor dem Grand Prix in Sao Paulo hat Ferrari 186 Punkte, Renault 195.

Jens Marx/DPA DPA

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