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Lewis Hamilton: "Härter kann es einfach nicht kommen"

Eine Woche nach seinem Triumph in São Paulo hat der neue Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton in Stuttgart mit den Fans den Saisonabschluss gefeiert. Im Interview mit stern.de spricht er über den härtesten Moment in seinem Leben, seinen Erzrivalen Fernando Alonso und Barrack Obama.

Lewis Hamilton hat seine erste öffentliche Runde gedreht, seit er letzten Sonntag das Formel-1-Drama von Brasilien gewonnen hat: "Guten Morgen, Stuttgart - alles klar?" 60.000 Fans vor dem Mercedes-Werkstor in Stuttgart-Untertürkheim feierten bei der Abschlussparty "Stars & Cars" bis zum Nachmittag den jüngsten Weltmeister der Formel 1-Geschichte, der wie alle Mercedes-Motorsportler aus allen Klassen Demonstrationsrunden drehte.

Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche steckte dem Briten einen mit Brillanten besetzten Mercedes-Stern aus Weißgold an: "Lewis, ich schulde Dir eine ganze Menge, diesmal hast Du den Silberpfeil eindeutig vergoldet." Zur Feier des Tages begann der Morgen mit der Wiederholung des Kurz-Krimis der Woche, den letzten drei Runden von São Paulo. Anschließend begann die Titelverteidigung des 23-Jährigen mit der ersten Interviewrunde...

Lewis Hamilton:

Ich habe diese Bilder noch nicht gesehen. Ich habe eigentlich sogar Angst davor gehabt, diese Momente noch einmal zu erleben. Denn sie waren so intensiv, es war schrecklich, mir ist fast das Herz im Cockpit explodiert. Es hat mich so viel Energie gekostet wie den Fernsehzuschauern auch. Nur, dass ich zusätzlich auch noch fahren musste.

Fernando Alonso kam nach Ihrem Triumph in Brasilien in die McLaren-Garage und hat Sie umarmt. War das die Versöhnung?

Ich für meinen Teil habe nie Streit mit Fernando gehabt. Aber seit dieser Aktion in São Paulo ist mein Respekt für ihn noch größer.

Finden Sie es schade, dass Sie in Brasilien nicht mit einem Pokal auf dem Podest feiern konnten?

Wäre schön gewesen. Aber am Ende des Tages habe ich einen viel größeren Preis gewonnen...

Traditionell behält McLaren-Chef Ron Dennis alle Trophäen ein. Wie wird das mit dem WM-Pokal sein, den Sie im Dezember verliehen bekommen?

Ich habe ein Abkommen mit Ron: Die Pokale für den ersten Podiumsplatz, den ersten Sieg, den ersten Sieg in Monte Carlo und die erste Weltmeisterschaft darf ich behalten.

Ungewöhnlich, Sie mal ohne Ihre Lebensgefährtin Nicole Scherzinger zu erleben...

Sie sitzt gerade im Flugzeug zurück nach Los Angeles. Sie spielt eine große Rolle in meinem Leben, sie hat seit Brasilien die ganze Woche mit mir verbracht. Sie gibt mir alles, was ich brauche.

Welche Rolle spielt Ihr Vater?

Die größte, die man sich denken kann, das lässt sich gar nicht in Worte fassen. Er ist der, der mir an der Strecke immer sagt, dass ich spät bremsen soll. Er zeigt mir den besten Bremspunkt, und sagt dann: Von hier aus, fünf Meter später. Und er bringt mich dazu, das dann auch zu machen.

Sie waren für einen Tag wieder zuhause in England. Was haben Sie beim Heimatbesuch gemacht?

Ich bin mit dem Auto durch mein altes Viertel gefahren. Meinen ersten Kindergarten angucken, die Schule, das Haus meines besten Freundes, den Spielplatz, auf dem ich meinen ersten Rennfahrerhelm bekam. Solche Orte, um die Erinnerung aufzufrischen.

Als großer James-Bond-Fan waren Sie auch im Kino. Wie war es?

Vor allem hat uns niemand erkannt...

Eigentlich können Sie ohne Security nirgendwo mehr hin...

Ich sehe die gestiegene Aufmerksamkeit als etwas sehr Positives. Ich werde mich nicht abschotten, ich brauche nur etwas mehr Sicherheit. Ich habe keine Pläne, mich als Mensch irgendwie zu verändern.

Sie sind nicht nur der jüngste Weltmeister, sondern auch der erste farbige. Was bedeutet Ihnen das?

Das ist etwas, über das ich eigentlich nie nachdenke. Aber ich bin stolz auf meine Herkunft.

Sie haben sich zu Barrack Obama bekannt.

Es ist ein erstaunliches Jahr für die Welt. Wenn sich die Dinge ändern, hat das einen Grund. Ich bin stolz darauf, dass er es geschafft hat. Ich habe es in Brasilien verfolgt, so gut es ging. Ich hoffe, dass er jetzt tut, was er versprochen hat. Aber ich zweifle auch nicht daran.

Erwarten Sie, dass die nächste Saison härter wird?

Härter als in diesem letzten Rennen kann es einfach nicht kommen. Aber es ist immer hart in der Formel 1, und ich erwarte deshalb, dass es 2009 noch härter wird. Wenn es leichter wird, auch gut, aber darauf setze ich nicht.

Was bleibt an Gefühlen übrig?

Ich versuche immer noch, diesen Titel zu umarmen. Aber das Gefühl, Champion zu sein, hat sich immer noch nicht gesetzt. Aber es ist eine ungeheure Befriedigung, dass sich alles ausgezahlt hat. Ich brauche jetzt definitiv mal Zeit für mich selbst.

Urlaubspläne?

Da muss ich erstmal meinen Chef Norbert Haug fragen: Norbert, wann kann ich in Urlaub?"

Haug:

"Als Weltmeister muss man erstmal feiern...

Hamilton

: Sie haben es gehört - aber ehrlich gesagt, denke ich noch nicht so weit. Ich freue mich erstmal auf Sonntag, und will nichts anderes als mal richtig auszuschlafen...

Fühlen Sie sich ausgelaugt?

Nach jeder Saison hat man einen Burn-out, das war auch so, als ich letztes Jahr Zweiter wurde. Ich bin noch nicht sicher, ob ich in diesem Jahr überhaupt noch Testfahrten bestreite, ich habe eigentlich häufig genug im Auto gesessen.

Interview: Elmar Brümmer

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