Manipulations-Verdacht Schumi siegt - Briatore kocht


Nach Michael Schumachers Erfolg in Monza ist die WM plötzlich wieder offen. Im Renault-Team von Weltmeister Alonso liegen deshalb die Nerven blank. Die "Abteilung Attacke", Flavio Briatore, sorgte für einen handfesten Eklat.
Von Klaus Bellstedt

Michael Schumacher hat in Italien seinen 90. Grand-Prix-Sieg unter Dach und Fach gebracht. Der Rekordweltmeister ist damit wieder mittendrin im Rennen um den WM-Titel. Das beherrschende Thema am frühen Sonntagabend in Monza war allerdings ein anderes: Schumachers angekündigter Rücktritt aus der Formel 1. Beim Weltmeister-Team von Fernando Alonso mochte allerdings so gar keine Wehmut ob des bevorstehenden Abschieds des schärfsten Widersachers aufkommen.

Renault drohen drakonische Strafen

Im Gegenteil: Bei Renault kochte man vor Wut, die Giftpfeile flogen in Richtung der Scuderia Ferrari und der FIA. Und das lag nicht an Alonsos Motorschaden, der ihn neun Runden vor Schluss zur Aufgabe zwang. Es war vielmehr die Bestrafung des jungen Spaniers durch die Rennkommisare (wurde wegen angeblicher Behinderung von Felippe Massa auf Startplatz zehn zurückgesetzt), die der "Abteilung Attacke" bei Renault übel aufstieß. "Wir haben verstanden, wie die Dinge laufen", polterte hinterher Teamchef Flavio Briatore, der Manipulation durch den Weltverband FIA wittert. "Sie haben entschieden, den Titel an Schumacher zu geben, und so wird es passieren", sagte Briatore im italienischen Fernsehen weiter.

Die FIA kündigte umgehend eine Untersuchung der Manipulationsvorwürfe von Briatore an. "Wir haben die Aussagen zur Kenntnis genommen und werden sie untersuchen", erklärte ein Sprecher in Monza. Dem Renault-Team droht jetzt eine Anhörung vor dem World-Council. Nach den Regularien können drakonische Strafen ausgesprochen werden, wenn man "den Sport oder die FIA in Misskredit bringt". Der Strafenkatalog beinhaltet Sanktionen, die bis zum Ausschluss von der laufenden WM reichen können.

Zündstoff ohne Ende

Aber nicht nur Briatore brannten nach dem GP von Italien die Sicherungen durch. Auch Renaults Technikchef Pat Symonds motze bereits direkt nach dem Qualifying über die angebliche Bevorzugung der Roten: "Es ist schwer, so um eine WM zu kämpfen. Wenn du siehst, wie die Ferrari beim Rennstart in der Türkei machen können, was sie wollen - und wir werden hier für so etwas bestraft."

Alonso selbst, der nach seinem Ausfall nur noch zwei Punkte Vorsprung auf Schumacher hat, war in Monza nach seiner Strafversetzung in der Startaufstellung der Verzweifelung nahe: "Wenn das so weitergeht, wie sollen wir da in Zukunft noch Rennen fahren? Ich halte das nicht mehr für einen Sport", schimpfte der Renault-Pilot. Der Konter von Ferrari-Teamchef Jean Todt ließ indes nicht lange auf sich warten: "Wenn er keine Lust mehr hat, soll er halt aufhören", sagte der Franzose. Drei Rennen sind in dieser Saison noch zu absolvieren. Genug Zündstoff für ein packendes WM-Finale ist bereits jetzt vorhanden.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker