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Schumachers Kampfansage: Vollgas in Europa

Michael Schumacher und Ferrari sind nicht gut aus den Startlöchern gekommen. Dennoch gibt sich der Kerpener selbstbewusst und kämpferisch. In San Marino soll die Formel-1-Saison für ihn erst so richtig beginnen.

Für Michael Schumacher beginnt der Titelkampf in der Formel 1 erst in Imola richtig. "Der Europa-Auftakt soll unser WM-Auftakt werden", richtete der Rekordchampion elf Tage vor dem Ferrari-Heimrennen in Imola eine klare Kampfansage an die Konkurrenz. 17 Punkte Rückstand auf den spanischen Weltmeister und WM-Spitzenreiter Fernando Alonso (Renault) bringen den Ferrari-Rennroutinier noch lange nicht in Rage. "Die Formel 1 ist eine verrückte Welt, aber man darf sich davon nicht anstecken und ebenfalls verrückt machen lassen", so Schumacher.

Daher wollte Schumacher auch den in der Schweizer Zeitung "Blick" vermeldeten angeblich perfekten Transfer von Kimi Räikkönen nach dieser Saison zu der Marke aus Maranello nicht weiter kommentieren. Er sage generell nichts zu Gerüchten, denn das ziehe nur weitere nach sich. Laut der Zeitung soll McLaren-Mercedes-Pilot Räikkönen bereits vor einem Jahr bei Ferrari unterschrieben haben. Der Finne selbst betonte indes unzählige Male, noch keine Entscheidung getroffen zu haben.

"Angreifen und etwas riskieren"

Schumacher konzentriert sich nach dem zweiten Platz in Bahrain, dem sechsten Rang in Malaysia und seinem selbst verschuldeten Unfall zuletzt beim Großen Preis von Australien ausschließlich auf sich und das Team. Jenen Kritikern, die ihm nach seinem gefährlichen, aber glimpflich ausgegangenen Abflug in Melbourne zu viel Wagemut vorwarfen, entgegnete er: "Ich betreibe meinen Sport so wie immer, mit vollem Einsatz, großem Kampfgeist und riesigem Spaß. Das ist Sport, da muss man angreifen und etwas riskieren, wenn man gewinnen will." Mutmaßungen von "so genannten Vertrauten" über seinen Gemütszustand bezeichnete Schumacher zudem als "Humbug".

Nicht abbringen lassen will sich der siebenmalige Weltmeister ungeachtet der permanenten Fragen von seinem Karriere-Fahrplan. "Ich ändere meine Meinung dazu doch nicht, weil ich immer wieder gefragt werde." Im Sommer will er eine "fundierte" Entscheidung fällen, ob er seine Karriere fortsetzt oder nicht. Seine Beweggründe werde er aber nicht öffentlich machen: "Das würde nur ständig neue Diskussionen entfachen, die niemandem etwas bringen."

"Wir stehen weit besser da als es den Anschein hat"

Schumacher, der vor der Saison die Konkurrenzfähigkeit seines Wagens als wichtige Voraussetzung für eine Weiterfahrt zu "99,9 Prozent" im Cockpit der "Roten" genannt hatte, betonte noch einmal, dass die bisherigen Resultate nicht das wahre Vermögen der Scuderia widerspiegeln. "Wir stehen weit besser da als es nach außen hin den Anschein hat. Das Potenzial ist vorhanden, nur müssen wir es besser, also konstanter, abrufen", sagte er und bestätigte damit Ferrari-Direktor Jean Todt. "Wir haben ein gutes Potenzial - wir müssen es nur demonstrieren", hatte der Franzose nach dem Australien-Debakel mit dem Ausfall beider Wagen versichert - Felipe Massa (Brasilien) war in Melbourne ebenfalls nach einem Unfall vorzeitig ausgeschieden.

Die "erwartungsgemäß" verlaufenen, kurzfristig anberaumten Tests in der vergangenen Woche in Vallelunga wertete Schumacher als gutes Zeichen. "Intern läuft alles wie gehabt: wir ziehen weiter an einem Strang, wir sind uns über die nächsten Schritte einig und im Klaren und vor allem verspüren wir alle die gleiche kämpferische Grundstimmung." Zudem stacheln die zu erwartenden Fans in Imola den Kampfgeist des vom Thron gestürzten Formel-1-Königs noch einmal an. "Jubelnde Tifosi sind immer Balsam auf unsere Seele! Es gibt doch nichts Schöneres, als ihre Unterstützung und Begeisterung zu spüren. Und es ist für uns absolut selbstverständlich, dass wir ihnen Grund zum Jubeln geben wollen."

Jens Marx/DPA / DPA

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