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Schummel-Schumi: "Der braucht psychologische Hilfe"

Nach dem Skandal-Manöver von Monte Carlo drischt die Formel-1-Welt auf Michael Schumacher ein. Fakt ist, dass sein einstmals so glänzender Ruf wieder ein paar Kratzer mehr abbekommen hat.

Als Rennfahrer gefeiert, als Sünder am Pranger: Nach dem turbulenten Grand-Prix-Wochenende von Monaco gingen die Meinungen über Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher erneut weit auseinander. Für seine "Straßensperre" am Samstag in der Qualifikation musste der Ferrari-Pilot zum Teil herbe Kritik einstecken. Doch mit seiner grandiosen Aufholjagd beim Großen Preis im Fürstentum vom Ende des Starterfeldes auf Platz fünf verschaffte sich der 37-Jährige zugleich großen Respekt und stellte den überlegenen Sieg von Weltmeister und WM-Spitzenreiter Fernando Alonso im Renault beinahe in den Schatten.

Italiens Presse feiert ihren Michael

Vor allem im Ferrari-Land Italien jubelte die Presse über Schumachers Vorstellung auf den Straßen von Monte Carlo. "Alonso ist der König von Monte Carlo, aber Michael ist ein Phänomen. Das wirkliche Meisterwerk hat Schumacher vollbracht", schrieb der "Corriere della Sera". Auch in Alonsos Heimat wurde die Leistung des Kerpeners gewürdigt. "Schumacher bot eine Gala-Vorstellung an Fahrkunst. So funktionieren echte Weltmeister: Wenn man ihnen am meisten zusetzt, fühlen sie sich erst wirklich herausgefordert", befand "El País".

Dagegen ging "Le Figaro" in Frankreich hart mit dem siebenmaligen Champion ins Gericht: "Wenn man nur nach den Ergebnissen geht, dann ist Michael Schumacher der beste Fahrer in mehr als 50 Jahren Formel 1. Doch mit seinem nicht wieder gut zu machenden Verhalten am Samstag hat der deutsche Fahrer sich den Zugang zum Club der Großen verschlossen." Die britische "Times" glaubt, dass Schumacher "der "größte Anti-Held in der Geschichte der Formel 1 ist".

"Schumi braucht offensichtlich psychologische Hilfe."

"Tuttosport" aus Italien empfahl ihm, sich Hilfe zu suchen: "Wenn einer wie er, der sieben Mal die Weltmeisterschaft gewonnen hat, fast 40 Jahre alt ist, viel Geld auf der Bank und eine Frau und zwei Kinder hat, derartige Fehler begeht, dann braucht er offensichtlich psychologische Hilfe."

Schumacher hatte kurz vor Ende der Qualifikation am Samstag seinen Ferrari an einer der engsten Stellen des Straßenkurses abgestellt und seinen WM-Rivalen Alonso auf dem Weg zur Pole Position behindert. Die Rennleitung verbannte den Kerpener von Platz eins an das Ende des Starterfeldes. Schumacher hatte stets betont, dass seine Aktion nicht absichtlich, sondern ein Fahrfehler gewesen sei.

Harte Kritik auch von den Fahrerkollegen

Nach dem Rennen bemühten sich der "Sünder" und sein Team, zur Normalität zurückzukehren. "Das war ein Vorfall, und es gab zwei Meinungen dazu. Die Rennleitung ist nicht unserer Argumentation gefolgt", sagte Teamchef Jean Todt. Die Negativstimmung gegen Schumacher nahm der Franzose gelassen: "Wir können nicht verhindern, dass andere eine schlechte Meinung über ihn haben."

Davon gibt es unter den Fahrerkollegen mittlerweile viele. In Monaco wurden Gerüchte kolportiert, Schumacher solle aus der Piloten-Gemeinschaft GPDA ausgeschlossen werden. David Coulthard, in Monaco überraschend Dritter im Red Bull hinter Renault-Fahrer Alonso und McLaren-Mercedes-Pilot Juan Pablo Montoya, dementierten heftig die Spekulationen: "Unabhängig von einer individuellen Sicht eines Fahrers in Bezug auf Michaels Aktion ist er einer der aktivsten Mitglieder in Sachen Streckensicherheit."

Schumacher hatte schon in Monaco seinen Kritikern entgegnet: "Diejenigen, die den Mund aufreißen, sind zu feige, zu mir zu kommen und das unter vier Augen zu besprechen." Die nächste Gelegenheit dazu ist in zwei Wochen in Silverstone.

Claas Hennig/DPA / DPA

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