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Spielberg: Schumi-Brüder: 100 gemeinsame Rennen

Am Sonntag in Spielberg fahren die Schumacher-Brüder zum einhundersten Mal gegeneinander. Michael ist zuversichtlich in Sachen WM und ist vielleicht noch viele Jahre dabei.

Im Jagdparadies Steiermark will Verfolger Michael Schumacher seine Aufholjagd auf Kimi Räikkönen fortsetzen und den Silberpfeil-Rivalen von der WM-Spitze verdrängen. «Ich hoffe, dass wir dort unseren Rückstand weiter verkürzen oder die Situation sogar umdrehen können. Das wäre für uns natürlich das ideale Ergebnis», sagte der Ferrari-Star aus Kerpen vor dem Großen Preis von Österreich am Wochenende in Spielberg.

Erinnerung an den geschenkten Sieg vom Vorjahr

Auf dem A1-Ring hat der fünfmalige Formel-1-Weltmeister Grund zur Wiedergutmachung und feiert in kleines Jubiläum. Sein geschenkter Sieg im Vorjahr hatte weltweit eine Welle der Empörung ausgelöst. Ferrari-Teamchef Jean Todt hatte damals dem klar führenden Rubens Barrichello per Boxenfunk befohlen, Schumacher passieren zu lassen. Diese Teamorder hatte sogar ein Nachspiel vor dem Weltrat des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA), das jedoch glimpflich für die Sünder ausging.

"Der Wettkampf ist momentan recht eng."

Während die Erinnerung an diese unsportliche Stallorder bei Schumacher auch nachträglich eher Beschämung hervorrufen dürfte, kann sich der Rheinländer über ein Jubiläum freuen. Am Sonntag treten er und sein Bruder Ralf zum 100. Mal bei einem Grand Prix gegeneinander an. Michael Schumachers Stimmung hebt auch das spannende Titelrennen. "Ich finde, die WM ist zur Zeit ziemlich unterhaltsam", teilte er am Montag auf seiner Internet-Homepage mit.

Übernahme der Führung möglich

Nur noch vier Zähler trennen Schumacher (28 Punkte) nach seinem Triumph von Barcelona von Räikkönen (32). Sollte dem 66-maligen Grand-Prix-Gewinner auf dem idyllisch gelegenen Berg-und-Tal-Kurs der dritte Saisonsieg in Serie gelingen und der finnische McLaren- Mercedes-Mann maximal Dritter werden, würde Schumacher erstmals die WM-Führung übernehmen. "Nach all der Arbeit zuletzt und den viel versprechenden Erkenntnissen daraus können wir mit einem guten Gefühl nach Österreich reisen", meinte er.

Fahrerwertung, aktueller Stand

Kimi Räikkönen

32

Michael Schumacher

28

Fernando Alonso

25

Rubens Barrichello

20

David Coulthard

19

Ralf Schumacher

17

Juan-Pablo Montoya

15

Giancarlo Fisichella

10

Hauptkonkurrenz: Mercedes und ihre Piloten

Obwohl die Silbernen wegen ihres Doppelausfalls in Spanien viel von ihrem Vorsprung verloren haben, bleiben sie laut Schumacher der schärfste Rivale der Roten. "Ich glaube nicht, dass man nach einem Rennen gleich die ganze Reihenfolge umschmeißen muss", sagte der 34 Jahre alte Kerpener. Er warnte davor, nun Renault mit Jungstar Fernando Alonso als neue Nummer 2 hochzujubeln. "Ich gehe schon davon aus, dass McLaren-Mercedes weiterhin die zweite Kraft sein wird."

Bei den Fahrern sieht Schumacher die McLaren-Mercedes-Piloten Räikkönnen und David Coulthard «auch langfristig» als Hauptkonkurrenten. "Kimi ist ja momentan sowieso der WM-Führende und ein guter Rennfahrer, aber auch David sollte man in meinen Augen nicht vergessen."

Interview mit Willi Weber, Manager der beiden Schumis

dpa: Wird Michael Schumacher seinen bis 2004 laufenden Vertrag bei Ferrari vorzeitig verlängern, wie immer wieder spekuliert wird?

Weber: "Kürzlich hat Michael in einem Interview gesagt, dass er sich vorstellen kann, noch viele Jahre Formel 1 zu fahren. Das ist schon mal eine ganz gute Aussage von ihm. Ich habe mit ihm noch nicht über das Thema gesprochen. Ich will ihn in der Sache auch nicht bedrängen. Aber es ist recht positiv, würde ich sagen."

dpa: Wann wird eine Entscheidung fallen?

Weber: "Wir hatten ja eine ganz klare Vorgabe, dass wir uns Mitte des Jahres nochmal zusammensetzen und er mir dann sagt, wie er sich entschieden hat."

dpa: Wovon wird Schumacher die Entscheidung abhängig machen?

Weber: "Ich glaube, er macht es davon abhängig, wie lange er Freude und Spaß daran hat, Formel 1 zu fahren. Mir sieht es ganz danach aus, als hätten der Spaß und die Freude noch nicht nachgelassen - Gott sei Dank. Aber so wie ich ihn kenne, ist es einfach jetzt zu früh. Wir haben noch diese und die nächste Saison vor uns."

dpa: Es gab Spekulationen, dass Schumacher mit Gehaltseinbußen wegen der Fiat-Krise rechnen müsse.

Weber: "Das ist kompletter Bullshit. Ich benutze das Wort sehr ungern. Aber ich muss es jetzt mal sagen. Denn wo keine Verhandlungen stattfinden, wo gar keine Entscheidungen da sind, überhaupt zu verhandeln, kann es auch keine Gehaltseinbußen geben. Es ist wirklich aus der Luft gegriffen."

dpa: Im Ernst - ist es bei künftigen Verhandlungen mit Ferrari angesichts allgemeiner finanzieller Krisenzeiten nicht angesagt, womöglich bei den Gehaltsvorstellungen etwas zurückzustecken?

Weber: "Ich werde sicherlich in Anbetracht der Situation nicht auf eine Gehaltserhöhung bestehen. Aber wir werden auch keine Einbußen hinnehmen wollen. Denn er ist der beste Rennfahrer der Welt und hat Anspruch auf eine angemessene Bezahlung."

dpa: Werden wir irgendwann beide Schumachers in einem Team sehen?

Weber: "Das glaube ich kaum. Es wäre auch nicht gut. Denn zwei Schumis in einem Team - das würde heißen, dass immer einer zurückstecken müsste oder einer immer schlechter als der andere aussehen würde. Das muss ja nicht sein. Solange es so viele andere Alternativen gibt, ist es mir lieber, sie fahren in verschiedenen Teams. Obwohl es sich sicher interessant anhört, wahrscheinlich auch sehr interessant sein könnte, vor allem für die Presse. Aber nicht für den Manager der beiden Fahrer."

Elmar Dreher/ Andrea Wimmer / DPA

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