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Neuer Trainer des SC Paderborn Warum Effenberg trotz Eskapaden ein guter Trainer wird


Stefan Effenberg tritt beim SC Paderborn seinen ersten Trainerjob an. Endlich. Es wird Zeit, dass dieser große Fußballer beweisen kann, dass er trotz aller Eskapaden das Zeug zum Trainer hat.
Von Tim Schulze

Jetzt ist es also so weit. Stefan Effenberg, einst genialer Spielmacher und Reizfigur des deutschen Fußballs, tritt beim SC Paderborn seinen ersten Trainerjob an. Der Zweitliga-Club bestätigte die Einigung mit dem ehemaligen Bayern-Kapitän. Letzte Details regelten SC-Präsident Wilfried Finke, Geschäftsführer Michael Born und Effenberg am Dienstag auf Mallorca.

Damit ist Effenberg am Ziel. Denn der 47-Jährige hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er wieder aktiv mitmischen will, statt ewig als TV-Experte aufzutreten. Vor vier Jahren hatte er schon mal versucht, in den aktiven Fußball zurückzukehren. Doch sein Versuch, Vorsitzender und Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach zu werden, war am klaren Votum der Mitglieder kläglich gescheitert.

Die Gladbacher trauten dem Mann, der auch immer wieder mit seinen Eskapaden auf sich aufmerksam machte, offensichtlich nichts zu. Effenberg zeigte den deutschen Fußballfans einst den Stinkefinger, ohrfeigte in einer Disco eine Kellnerin (150.000 Euro Geldstrafe) und wollte Arbeitslosen das Geld kürzen. Zuletzt fuhr er betrunken Auto nach einem Oktoberfestbesuch. Bei der Biersause in München zeigt sich Effenberg gern knutschend mit Ehefrau Claudia.

Der kann Trainer? Als Fußball-Experte ist Effenberg etabliert. Vor drei Jahren erwarb er die Trainerlizenz, er ist also formal gewappnet für den Job als Coach. Und obwohl er mit 47 Jahren ein Späteinsteiger ist, bringt der "Tiger" jenseits seiner Eskapaden alles mit, um ein erfolgreicher Trainer zu sein. Wir nennen die Gründe.

 

Gewinnertyp

Effenberg weiß, was Erfolg ist, wie er sich anfühlt und wie man ihn erringt. Es besteht kein Zweifel, dass der "Tiger" den Spielern des Bundesligaabsteigers vermitteln kann, wie man seinen Weg geht. Der Hamburger wurde bereits mit 19 Jahren Profi in Mönchengladbach, führte den Verein später zum DfB-Pokalsieg. Als genialer Spielmacher des FC Bayern gewann er drei Meisterschaften, den Pokal und die Champions League. 

Fußball-Kompetenz

An seiner fachlichen Kompetenz dürften keine Zweifel bestehen. Mit Ottmar Hitzfeld hatte Effenberg bei den Bayern einen genialen Lehrmeister. Er weiß, welche Maßnahmen auf dem Platz und außerhalb nötig sind, um eine Mannschaft zu einer funktionierenden Einheit zu formen.

Gute Ansprache

Effenberg wird im Umgang mit den Spielern den richtigen Ton treffen. Und er wird den notwendigen Respekt genießen. Einer von Effenbergs Spitznamen war "Cheffe". Als Spieler übernahm er schon in jungen Jahren viel Verantwortung. Er kann eine Mannschaft führen. 

Paderborn als ideales Versuchsfeld

Paderborn ist ein solide geführter Club, der in der vergangenen Saison sogar für ein Jahr in der Bundesliga gastierte. Für den kleinen Verein aus der westfälischen Provinz war das ein großer Erfolg. Nach dem Abstieg stürzte Paderborn auf den 15. Tabellenplatz der 2. Liga ab. Effenberg soll den Club vor dem totalen Absturz bewahren - eine machbare Aufgabe. 

Disziplin

Die westfälische Provinzmetropole hat kein Oktoberfest und Freitagabendspiele sind wegen der Lärmbelästigung der Anwohner verboten. Hier kann sich der "Tiger" voll und ganz dem Fußball widmen, ohne übermäßig abgelenkt zu werden. Das ist gut so. Dann lesen wir vielleicht nur noch sportliche Schlagzeilen über ihn. Auch ein "Tiger" kann aus Paderborn kein "Partyborn" machen, wie Spötter die Stadt nennen.


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