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1. Bundesliga: 20-jähriges Jubiläum - Mainz-Manager Christian Heidel im Interview

Seit 20 Jahren leitet Christian Heidel als Manager des FSV Mainz 05 die Geschicke des Bundesligisten. Im Interview spricht Heidel über die Lizenz für die Manager-Gilde, die Entdeckung des Trainers Jürgen Klopp, die Entwicklung im Profifußball und den Vergleich mit dem ehemaligen Bayern-Manager Uli Hoeneß

Mit 20 Dienstjahren beim Bundesligisten FSV Mainz 05 ist Christian Heidel nach dem Wechsel von Uli Hoeneß ins Präsidentenamt beim Rekordmeister FC Bayern München der Dinosaurier der Manager-Gilde. Seit dem 1. April 1992 leitet der 48-Jährige die Geschicke bei den Rheinhessen. Im Interview lässt Heidel sein Wirken Revue passieren.

Mit einer Amtszeit von 20 Jahren sind Sie der dienstälteste Manager der Bundesliga. Dennoch sollen auch Sie, geht es nach Oliver Bierhoff, noch einmal die Schulbank drücken. Der Manager der Nationalmannschaft will analog zu den Trainern eine Lizenz für Manager einführen.

Heidel: Dienstältester hört sich so grauenhaft alt an. Oliver Bierhoff schätze ich sehr, aber damit hat er nichts zu tun. Er ist für die Nationalmannschaft zuständig und hier geht es um die Bundesliga. Es würde mich interessieren, wer dann die Prüfung abnimmt. Hier in Mainz war meine Idee immer, einen sehr starken Trainer zu haben, der im sportlichen Bereich das Sagen hat, so dass ich mich zurückhalten kann. Diese Art Gewaltenteilung tut gut.

Ihre 20 Dienstjahre prädestinieren Sie, den Wandel des Managerpostens zu beschreiben. Welche Veränderungen gab es?

Heidel: Als ich 1992 begonnen habe, gab es noch keinen Sportdirektor. Der Manager war erst aufgekommen, Uli Hoeneß war mehr oder weniger der Einzige, den man kannte. Die meisten Clubs, die ohne Sportdirektor arbeiten, sind die, bei denen die Verantwortlichen nicht aus dem Profifußball kommen. Das kaufmännische Know-how ist für einen Manager heute unabdingbar. Die Trennung, für die wir uns in Mainz entschieden haben, finde ich besser, denn so mancher Sportdirektor ist ein halber Trainer. Aber es gibt auch erfolgreiche Gegenbeispiele.

Sie gelten als Entdecker der Trainer Jürgen Klopp und Thomas Tuchel. Erfüllt Sie das mit Stolz?

Heidel: Die Medaille habe ich eigentlich gar nicht verdient. Bei Jürgen Klopp war das eine Bauchentscheidung. Ich konnte ja damals nicht wissen, dass er einmal der Klopp werden würde, der er heute ist. Nach Kloppos erster Trainingssitzung habe ich dann zu Präsident Harald Strutz gesagt: Da passiert was. Und zum Saisonende war mir klar: Den lassen wir nicht mehr gehen. Er wurde zum Inbegriff von Mainz 05 und wir haben dieses Bild gefördert, weil niemand hier neidisch war, dass Kloppo im Rampenlicht stand.

Wenn man der Entwicklung des FSV vom abstiegsbedrohten Zweitligisten zum etablierten Bundesligaverein Eckpunkte zugrundelegt, dann ist das sicherlich einer davon gewesen?

Heidel: Wenn man markante Punkte herausgreifen will, dann sind das sicherlich die Verpflichtung von Klopp, der erste Aufstieg und der Stadionbau. Von den Trainern sind es neben Klopp vor allem Wolfgang Frank und Thomas Tuchel, in die ich grenzenloses Vertrauen hatte und habe. Diese drei Trainer haben, ohne die anderen kleinreden zu wollen, Mainz 05 geprägt. Dann kommt die Entwicklung der Infrastruktur hinzu. Wir können trotzdem nicht garantieren, dass wir auch in den nächsten Jahren immer Bundesliga spielen werden. Auch in dieser Saison ist es eng. Wir brauchen noch sechs bis acht Punkte, aber das werden wir schaffen.

Wie fällt ihr Fazit nach fast einem Jahr Coface Arena aus?

Heidel: Dieses Stadion haben wir unbedingt gebraucht. Aber es ist nicht so, dass wir jetzt im Reichtum schwimmen. Denn dieses Stadion kostet den Verein im Jahr rund zehn Millionen Euro. Bis wir die Einnahmen für den Spielbetrieb verwenden können, wird es noch dauern.

Der Boulevard nennt Sie Geld-Heidel, weil Sie ein Händchen bei Transfers haben. Wollte Sie noch nie jemand abwerben?

Heidel: Das halte ich wie bei Spielerverhandlungen. Da schweige ich und behandle das vertraulich. Jeder weiß, dass ich mich in Mainz sehr wohl fühle, aber das bedeutet nicht, dass ich bis an mein Berufsende in Mainz bleibe. Ich kann nicht beurteilen, wie ich in einigen Jahren fühle. Aber weitere 20 Jahre wären sicherlich heftig.

Wie schätzen Sie die künftigen Entwicklungen im Profifußball ein?

Heidel: Heute wird der Fußball manchmal schon zu wichtig genommen. Das merkt man auch, wenn man auf die Fanproblematik schaut. Das ist schon kein Fußball mehr, das geht ja fast in Städtekriege über. Dem muss man sofort Einhalt gebieten. Man muss Fußball weiterhin als Sport sehen, wenn auch als einen, der mit viel Geld zu tun hat. Er ist ein Wirtschaftszweig geworden, aber dennoch ist es nur Sport.

Die 05er richten eine große Feier aus. Wer kommt zum gratulieren?

Heidel: Die Feier ist mir schon fast peinlich. Am wichtigsten sind mir die Menschen, mit denen ich in den letzten zwanzig Jahren zusammen gearbeitet habe. Vor allem ist mir ganz wichtig, dass alle unsere Mitarbeiter kommen. Ohne die hätte ich kein Jubiläum.

Es wird immer wieder die Parallele von Ihnen zu Uli Hoeneß gezogen. Sein letztes Jubiläum stand unter dem Motto Manager-Macher-Mensch. Was ist es bei Ihnen?

Heidel: Ich würde mich freuen, wenn Mensch an erster Stelle stünde. Ich habe immer versucht, den Mensch in den Mittelpunkt zu stellen und meinen Mitarbeitern zu erklären, dass ich ohne sie gar nichts bin. Ich würde nie für mich in Anspruch nehmen, meine Arbeit mit der von Uli Hoeneß bei Bayern München zu vergleichen. Wir und die Bayern sind völlig verschiedene Welten. Es gibt niemanden, soweit ich weiß, der mit ihm zusammen gearbeitet hat und ein schlechtes Wort über ihn verliert. Das würde ich mir auch wünschen. Dass man von mir einmal sagt: Der Mensch war ihm immer wichtig.

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