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1. Bundesliga Bundesliga-Vorschau - Borussia Dortmund


In der Meistersaison weigerte sich der BVB lange und vehement zum Topfavoriten gestempelt zu werden - was der Mannschaft letztlich wohl gut tat. Und auch vor dieser Spielzeit steht in Dortmund das Wort Titelverteidigung auf dem Index. Wir verraten im Bundesliga-Check, wohin der Weg diesmal führt.

Borussia Dortmund führte in der vergangenen Saison die Tabelle teilweise mit bis zu zwölf Punkten vor der gar nicht mehr lauernden Konkurrenz an, trotzdem wurde erst nach dem grandios herausgespielten 3:1-Sieg in München erstmals vom Meistertitel gesprochen. Vorher wirkte es manchmal etwas ermüdend, wie vehement sich Spieler und Verantwortliche gegen das böse Wort stemmten - der Erfolg rechtfertigte letztlich aber alles.

Nun startet der BVB also als Deutscher Meister in die neue Spielzeit und will wieder nichts von einer Favoritenbürde wissen. Die Rolle wird dem FC Bayern zugeschanzt, für Gelb-Schwarz soll es immerhin zum Einzug ins internationale Geschäft reichen. Ist das realistisch? Wir prüfen die Ausgangslage in Dortmund mit der neuen Belastung Champions League, einem nur punktuell verstärkten Kader und dem Wunsch, wieder so dominant aufzutreten.

Gute Sommer-Zeiten
Mit Nuri Sahin verließ die Borussia zwar nur ein Stammspieler, der Türke war aber einer der stärksten Bundesliga-Spieler der vergangenen Saison und der Dirigent der jungen Dortmunder Mannschaft. Wie wichtig Sahin wirklich war, war dem BVB schon in der Endphase der letzten Saison anzumerken, als er verletzt fehlte und das Spiel nicht mehr ganz so flüssig wirkte.

Doch Trainer Jürgen Klopp und Manager Michael Zorc haben sehr gut eingekauft, denn zum einen wurde mehrere Optionen für die Sahin-Nachfolge geschaffen, zum anderen der zuvor etwas zu dünn besetzte Kader in der Breite deutlich verstärkt. In erster Linie muss da Ilkay Gündogan (1. FC Nürnberg) genannt werden, der zwar auf keinen Fall mit Sahin verglichen werden möchte, in den Vorbereitungsspielen aber in der Rolle als offensiver Part der Doppelsechs starke Leistungen zeigte und den Stammplatz vorerst sicher hat.

Mit Moritz Leitner (war an Augsburg verliehen) bietet sich ein zweiter Spieler für diese Position an, der 18-Jährige verblüffte sogar Klopp mit seinem Auftreten. Ivan Perisic (FC Brügge) kämpfte zunächst etwas mit der Umstellung auf das Training in der Bundesliga, wird Kevin Großkreutz auf lange Sicht aber einen harten Kampf um den Stammplatz auf der linken Seite bieten. Und dann ist da noch Chris Löwe, der zwar aus Chemnitz und damit der vierten Liga zum BVB wechselte, nun aber den verletzten Linksverteidiger Marcel Schmelzer vertreten muss und das in den bisherigen Spielen hervorragend tat.

Der für Klopp wichtigste "Neuzugang" heißt aber Shinji Kagawa. Der Japaner fehlte die Rückrunde verletzt, brachte sich mit einem eigenen Fitnesstrainer in der Heimat in Form und wirbelte in den Testspielen wie zu Beginn der vergangenen Saison, als er außergewöhnliche Aktionen hatte. Das Pokalspiel in Sandhausen bestätigte die Eindrücke, Kagawa hat das Potenzial zum Spieler der Saison.

Insgesamt ist festzustellen, dass der Konkurrenzkampf ungleich höher sein wird, als im Meisterjahr. Sebastian Kehl und Sven Bender führen für den Posten neben Gündogan ein Duell auf Augenhöhe. Kuba Blaszczykowski spielte eine starke Vorbereitung, ist aber trotzdem vorerst außen vor. Felipe Santana drängt noch stärker in die Mannschaft und wenn im Winter mit Julian Koch der letzte Neuzugang nach seiner Verletzung und dem überragenden Jahr beim MSV Duisburg hinzustößt, gibt es mit Lukasz Piszczek und Patrick Owomoyela rechts sogar einen Dreikampf.

Schlechte Sommer-Zeiten
Es fällt schwer, im Moment Haare in der Dortmunder Suppe zu finden. Zu gut waren die Eindrücke der Vorbereitung (die man aber keinesfalls überbewerten sollte), zu souverän der Auftritt im Pokal und auch die Neuzugänge scheinen richtig integriert. Schwer wiegt allerdings tatsächlich die Verletzung von Torjäger Lucas Barrios.

Der Paraguayer zog sich im Finale der Copa America eine Blessur am Oberschenkel zu, die genaue Rückkehr ins Training steht noch nicht fest. Bisher war Barrios nur schwer zu ersetzen, der hochgradig veranlagte Robert Lewandowski hatte bisher ein Problem mit der Chancenverwertung, nun kann der Pole im EM-Jahr einen großen Schritt nach vorne machen. Apropos Chancenverwertung, hier muss die gesamte Mannschaft zulegen, wie auch der Supercup gegen Schalke gezeigt hat.

Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Stichwort Doppelbelastung. Die Beispiele Stuttgart und Wolfsburg haben gezeigt, was nach einer überraschenden Meisterschaft und der Teilnahme an der Champions League passieren kann. Klopp macht aber das einzig Richtige, er will bei seinen Spielern erst gar kein Alibi aufkommen lassen: "Warum die Belastung in der Champions League so viel größer sein soll, hat mir abschließend noch niemand erklären können", sagte Klopp zu dem Thema in einem Interview mit dem Tagesspiegel.

Wer darf sich nicht verletzen?
Es liegt an Lewandowski, ob die Antwort auf diese Frage nicht Barrios lauten soll. Ansonsten sind im Kader des BVB keine Lücken zu erkennen. Ob Mitchell Langerak, trotz seiner starken Leistung im einzigen Bundesliga-Spiel gegen die Bayern, bei einem längeren Ausfall von Roman Weidenfeller aber tatsächlich schon das Zeug zum Stammkeeper hätte, ist kaum zu beantworten.

Die Frage an den Experten
Sind die bisherigen Reservisten Lewandowski und Santana noch näher herangerückt und kann einer der beiden sogar einen Stammplatz erobern?

Uli Hesse (Kolumnist ESPN Soccernet): "Lewandowski ja, Santana nein. Das Team brauchte unbedingt einen Stürmer, der Barrios wenigstens ansatzweise gleichwertig ersetzen kann, und auch wenn Lewandowski in der vergangenen Saison dieser Stürmer noch nicht war, hat er doch sein Potenzial aufblitzen lassen. Viele Fans halten ihn für einen sehr talentierten Chancentod - aber man muss ehrlich sagen, dass das eigentlich für das gesamte Team gilt. Auch Barrios verwertet gefühlt ja nur jede vierte seiner Großchancen. Daher denke ich, dass Lewandowskis Problem im letzten Jahr nicht die Chancenverwertung war, sondern die Umstellung auf das unglaublich laufintensive Spiel, das Klopp fordert. Barrios hat gelernt, wie man das macht und trotzdem vor dem Tor noch konzentriert abschließt, und ich bin guter Dinge, dass Lewandowski das auch tut.

In einigen Szenen der letzten Saison konnte man sehen, dass er ein richtig toller Kicker ist. Was man, so leid es mir tut, von Santana nicht so deutlich sagen kann. Die Parteilinie in Dortmund lautet zwar, dass er in jeder anderen Mannschaft Stammspieler wäre, aber das, wage ich zu bezweifeln. Er ist ein netter Kerl, natürlich kopfballstark und schneller, als man glauben mag, aber sein Aufbauspiel ist generell schlecht, seine Pässe sind potenziell riskant und sein Zweikampfverhalten ist nicht mehr als halbwegs guter Durchschnitt. Ich kann nicht sehen, wie er auf Dauer an Subotic vorbeikommen will, von Hummels wollen wir erst gar nicht reden."

Prognose
Die Frühform spricht für den BVB, nach jetzigem Stand sind ähnliche Leistungen wie in der Vorsaison durchaus möglich. Deshalb wird es auch keinen Absturz wie vor Jahren in Stuttgart oder Wolfsburg geben, die Dortmunder können auch in der Königsklasse die Gruppenphase überstehen. Trotzdem rückt die Spitze der Bundesliga wieder enger zusammen und am Ende werden Kleinigkeiten entscheiden. Die Borussia wird, anders als im vergangenen Jahr, nicht ohne Krise durchkommen und landet am Ende auf dem 4. Platz - was ja trotzdem zur erneuten Teilnahme an der Champions Leauge berechtigt.

Marcus Krämer

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