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1. Bundesliga: Die Blaupause des neuen Bayern München

Dortmund hat sich mit Marco Reus exzellent verstärkt. Da will auch der FC Bayern nicht hinterherhängen. Hinter den Kulissen wird am Kader für die neue Saison gebastelt. Für Franz Beckenbauer wird es - wie jedes Jahr - der beste Kader aller Zeiten sein. Wir werfen einen Blick auf die Blaupause für den FC Bayern 2012/2013.

Borussia Dortmund hat sich für die kommende Spielzeit mit Marco Reus exzellent verstärkt. Bei den Bayern droht vor der kommenden Saison der große Umbruch. Allerdings nicht, was die erste Elf angeht, sondern die zweite Reihe ist es, die vor dem Generalaustausch steht. Bis zu acht Spieler werden den FC Bayern verlassen.

Wir werfen einen Blick auf die Problemstellen des Kaders und nennen mögliche Neuzugänge. Egal, wer noch kommen wird, Franz Beckenbauer wird wieder sagen, das ist die beste Bayern-Elf, die er je gesehen hat. Vielleicht ist die Bayern-Elf 2012/13 auch so gut, das sie auf Jahre hinaus unschlagbar ist.

Nach dem WM-Titel 1990 sagte der Kaiser großspurig: "Durch die Wiedervereinigung und die Spieler der DDR wird Deutschland auf Jahre unschlagbar sein!" Die EM 1992 gewann schließlich Dänemark. Kein gutes Omen für die Bayern? Hier unsere Blaupause für das Bayern-Team der nächsten Saison.

Wer den FC Bayern verlassen könnte

Für bis zu acht Spieler könnte am Saisonende der Umzugswagen vor der Säbener Straße vorfahren. Hans-Jörg Butt beendet seine aktive Karriere und wird Nachwuchskoordinator. Die Verträge von Breno, Daniel van Buyten, Danijel Pranjic, Takashi Usami (Option wird nicht gezogen) und Ivica Olic laufen aus. Dazu scheinen auch Nils Petersen und Diego Contento keinen Platz im Bayern-Kader 2012/13 zu bekommen.

Dabei handelt es sich um acht Spieler, die eher in die Kategorie zweite Reihe gehören. Zum einen bedeutet das, dass die Bayern das Stammpersonal halten können, zum anderen lag der Erfolg der Bayern u.a. auch immer darin begründet, dass sie die beste Ersatzbank der Liga stellen konnten. Danijel Pranjic, Ivica Olic, Takashi Usami und Nils Petersen genügten in dieser Saison diesen Ansprüchen nicht. Breno ist zu verletztungsanfällig, dazu kommen die privaten Probleme.

Auch mit der stockenden Entwicklung von Diego Contento ist man nicht zufrieden. Einzig Daniel van Buyten hat starke Leistungen abgeliefert und könnte auch im nächsten Jahr im Bayern-Kader stehen. Der Belgier will jedoch einen Zweijahresvertrag, Bayern will nur um ein Jahr verlängern - Ausgang offen. Contento und Petersen könnten verliehen werden, dennoch droht eine enorme Ausdünnung des Vorzeigekaders.

Die Problemstellen des Bayern-Kaders

Die Bayern gehören in Topform zu den besten Teams Europas. Dennoch gibt es einige Problemstellen, an denen nachgebessert oder ausgetauscht werden muss. Rafinha konnte die hohen Erwartungen nur bedingt erfüllen. Mittlerweile ist Philipp Lahm wieder auf die rechte Seite rotiert und David Alaba spielt einen ausgezeichneten Linksverteidiger. Ob das eine dauerhafte Lösung ist, bleibt fraglich.

Vor seinem Comeback auf dieser Position (schon unter Louis van Gaal hatte Alaba Linksverteidiger gespielt) sagte Alaba der Austria Presse Agentur: "Am liebsten spiele ich im zentralen Mittelfeld als Sechser oder am linken Flügel. Ich kann aber auch als Zehner hinter den Spitzen spielen. Nur als Linksverteidiger habe ich mich nicht wohlgefühlt. Im Endeffekt wissen die Trainer am besten, wo ich der Mannschaft helfen kann."

Alaba die Dauerlösung?

Hinzu kommt, dass Alaba nicht als der zweikampfstärkste Spieler gilt, hinter dem an Defensivallergie leidenden Franck Ribery könnte die Alaba-Lösung aber durchaus Gefahren beinhalten. Der Einkauf eines weiteren Außenverteidigers ist, sollte auch Contento den Verein verlassen, denkbar. Als Kandidaten fielen bisher die Namen: Mathieu Debuchy (Rechter Außenverteidiger, Lille) und Adriano (Linker Außenverteidiger, Barcelona).

Aufgrund der zahlreichen Alternativen ist dies aber eher unwahrscheinlich. Mit Jerome Boateng, Philipp Lahm, Rafinha, David Alaba und Luiz Gustavo hat der FC Bayern fünf mögliche Außenverteidiger im Kader. Ein weiteres Außenverteidigerproblem, das auf die gesamte Abwehr ausstrahlt, ist die Kopfballschwäche der Bayern-Viererkette. Jupp Heynckes griff schon oft in der Saison zu dem Mittel, Jerome Boateng auf die rechte Außenposition zu stellen und Daniel van Buyten in der Innenverteidigung zu bringen.

Dante hat die Lufthoheit

Das hatte nicht nur mit der Formschwäche Rafinhas und dem zweiten Frühling des Belgiers zu tun. Heynckes kommentierte dies oft mit "taktischen Gründen“. Mit Philipp Lahm (1,70) und Rafinha (1,72) hatte er zwei kleinere Spieler in der Abwehr, auch Holger Badstuber gilt nicht als ausgewiesen kopfballstark. Die Option, Boateng nach außen zu stellen und einen weiteren Spieler, der bei Standardsituationen und Flankenbällen stark ist, zu bringen, hat Heynckes auch nächstes Jahr, wenn…

...der Vertrag mit Daniel van Buyten verlängert wird und/oder Dante tatsächlich zu den Bayern wechselt. Ein Transfer des 1,88 Meter großen 28-jährigen Brasilianers zu den Bayern gilt als sicher. Die Innenverteidigung ist damit auch in der zweiten Reihe glänzend besetzt. Im Mittelfeld steht der einzige bisher vermeldete Transfer der Bayern für ein Mehr an Konkurrenzkampf. Xherdan Shaqiri wechselt aus Basel nach München. Der offensive Flügelflitzer soll der Flügelzange Robben/Ribéry Beine machen.

Neue Alternativen: Can und Shaqiri

Arjen Robben äußerte sich zuletzt enttäuscht darüber, dass Heynckes ihn in der Rückrunde dreimal auf die Bank setzte. Er wird mit Clubs aus der Premier League in Verbindung gebracht. Ein Verbleib ist aber wahrscheinlich. "Ich persönlich gehe davon aus, dass Arjen irgendwann im Laufe der jetzigen Runde noch seine Unterschrift da drunter setzt. Ich denke, dass er gerade wieder zeigt, wie wichtig er für den FC Bayern ist", sagte Jupp Heynckes laut SZ.

Eine weitere Option für das offensive Spiel der Bayern wird neben Shaqiri in der kommenden Saison Nachwuchshoffnung Emre Can sein. Der 18-Jährige erhält einen Profivertrag. "Wir wollen jede Position doppelt besetzen, dazu das eine oder andere Toptalent wie Emre Can dazunehmen”, sagte Nerlinger gegenüber abendzeitung-muenchen.de. Die zweite große Baustelle neben der Außenverteidigung ist bei den Bayern der Sturm.

Keine Konkurrenz für Gomez

Mario Gomez spielt eine überragende Saison. Er führt die Torjägerliste in der Bundesliga zusammen mit Klaas-Jan Huntelaar an (23 Treffer) und erzielte in der Champions League bereits 11 Tore (Platz zwei hinter Messi/12 Treffer). Zum Glück für die Münchener blieb Gomez von langwierigeren Verletzungen verschont. Es fehlt ein gleichwertiges Backup für den Ein-Mann-Sturm im 4-3-2-1-System. Ivica Olic machte als Joker in 16 Einsätzen nur zwei Tore, Petersen gelangen in acht Spielen ebenfalls nur zwei Treffer. Allein Daniel van Buyten erzielte dagegen in 13 Einsätzen vier Treffer.

Neben der Besetzung des Ersatzkeepers ist die Verpflichtung eines hochkarätigen Stürmers für die zweite Reihe eine der wichtigsten Aufgaben für Sportdirektor Christian Nerlinger. Die Kandidatenliste ist lang. Laut Björn Andersson, Skandinavien-Scout der Münchner, soll der FC Bayern München den schwedischen Stürmer John Guidetti ebenso beobachten, wie Olivier Giroud von Montpellier. "Aktuell beobachten wir Guidetti sehr genau und auch einen Stürmer von Montpellier, Giroud", so der FCB-Scout laut "Aftonbladet".

Kommt Pizarro?

Claudio Pizarro soll laut Angaben der Sport Bild ein Vertrag von Bayern München vorliegen. Christian Nerlinger sagte dazu laut Sky: "Wir werden uns an anderen Spekulationen nicht beteiligen, weil wir ein sportliches Programm vor der Brust haben." Und er sagte weiter: "Über die Qualitäten von Claudio Pizarro brauchen wir sicherlich nicht zu diskutieren." Dennoch gibt es auch einige Skeptiker eines solchen Wechsels. Pizarro war nach seinem Abgang aus München nicht bei allen beliebt.

"Der will wie Shevchenko verdienen, der soll erst mal wie Shevchenko spielen", motzte damals Vereinschef Karl-Heinz Rummenigge über den Peruaner laut merkur-online.de. Pizarro wechselte damals tatsächlich an die Seite von Andriy Shevchenko, der in der Saison 2007/08 bei Chelsea spielte. Dasselbe verdient haben die beiden Stürmer aber wohl kaum. Allerdings besitzt Pizarro in München noch ein Haus, er wäre ablösefrei und mit 33 Jahren vielleicht auch bereit, sich auf die Bank zu setzen.

Mehr Druck von den Bankspielern

Wie dem auch sei, die 1b-Sturm-Lösung für die Saison 2012/13 verspricht eine Steigerung zu dieser Saison. Im Grunde bleibt die Stammelf aber bestehen. Ein Vorteil, weil das Bayernkollektiv eingespielt und hochkarätig besetzt ist. Ein Nachteil, weil wenig frischer Wind ins Team kommt. Es sei denn, die zweite Reihe wird tatsächlich hochkarätig runderneuert.

Die vermutlich sechs (Olic, Petersen, Usami, Breno, Pranjic, Butt) bis maximal acht Abgänge müssen ersetzt werden und die neuen Spieler einen stärkeren Konkurrenzkampf entfachen. Christian Nerlinger muss deshalb in diesem Jahr noch besser einkaufen als im letzten. Rafinha, Petersen und Usami waren keine Volltreffer. Boateng und Neuer dagegen schon. Eines ist jedoch jetzt schon klar. Für Franz Beckenbauer wird es wieder das beste Bayern-Team sein, seit er bei den Münchnern ist.

Das mögliche Bayern-Team 2012/13:

Tor: Manuel Neuer

Abwehr: Boateng (Rafinha), Dante, Badstuber, Lahm (Alaba)

Mittelfeld defensiv: Schweinsteiger (Tymoshchuk), Luiz Gustavo (Alaba)

Mittelfeld offensiv: Robben (Shaqiri), Kroos (Müller), Ribéry

Sturm: Gomez (Pizarro)

Michel Massing

sportal.de / sportal

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