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1. Bundesliga: Mainz hält mit 0 -0 gegen Wolfsburg die Klasse

Man kann auch die Klasse erhalten, ohne dass die Zuschauer für ihr Geld Klasse erhalten. Das mussten 30.000 Mainzer erfahren. Aber am Ende des torlosen Unentschiedens waren trotzdem fast alle zufrieden - bis auf Felix Magath, der die Europa League in der kommenden Saison wohl im Fernsehen ansehen muss.

In seinem 100. Bundesligaspiel feierte der Mainzer Trainer Thomas Tuchel den faktischen Klassenerhalt seines FSV Mainz 05, der nur noch verhindert werden könnte, wenn Köln alle drei Spiele gewinnt. Mit jeweils zehn Toren Unterschied.

Das 0:0 gegen den VfL Wolfsburg war nicht eben das beste Spiel der Bundesligasaison, aber darüber ärgern mochten sich wohl nur die Wolfsburger, die nach drei Niederlagen in Folge zwar endlich wieder punkteten, für die die Europa League aber immer unerreichbarer scheint.

Thomas Tuchel veränderte seine Mannschaft nach dem Punktgewinn von München gleich auf vier Positionen. Christian Wetklo stand wieder im Tor, Heinz Müller musste auf die Bank. Zudem kamen Eugen Polanski, Eric-Maxim Choupo-Moting und Mohamed Zidan für Nicolai Müller, Julian Baumgartlinger und Marco Caligiuri - woran man schon die sehr offensive Grundausrichtung der Gastgeber ersehen konnte.

Mit Dejagah, ohne Helmes

Felix Magath, der nach der bitteren Heimniederlage gegen Augsburg viel mehr Grund zu Umstellungen gehabt hätte, nahm hingegen nur eine Veränderung vor und brachte Ashkan Dejagah nach seiner Verletzung zurück ins Spiel für Patrick Helmes, der seinerseits aufgrund muskulärer Beschwerden ausfiel.

Uli Hoeneß hatte Hans-Joachim Watzke zuletzt vorgeworfen, er würde Märchen erzählen. Aber immerhin hatte der Dortmunder Boss etwas zu erzählen, anders als der Barde, dem die undankbare Aufgabe zugeteilt worden war, das Lied der ersten Halbzeit des Spiels Mainz gegen Wolfsburg zu besingen.

Der poetischen Ausschmückung entkleidet, lässt sich das Geschehen vor dem Seitenwechsel schnell zusammenfassen. Offensiver waren die Mainzer, wie von den Aufstellungen angedeutet, und sie dominierten das Spiel über weite Strecken. Doch der VfL erspielte sich bei seinen Kontern die besseren Chancen, deren beste Mario Mandzukic nach einer knappen Viertelstunde vergab, als er per Kopf aus kurzer Distanz an Wetklo scheiterte. Jan Polak hatte zuvor im Mittelfeld den Ball gewonnen, Petr Jiracek Ashkan Dejagah rechts per Doppelpass eingesetzt, und Dejagah aus vollem Lauf eine tolle Flanke auf dem Kopf des Stürmers platziert.

Zidans Chance - keiner mochte es glauben

Auch Mainz hatte jedoch eine gute Chance, oder, besser formuliert: die Chance, eine Chance zu erhalten. Und das ging so: Radoslav Zabavnik führte einen Freistoß von der Mittellinie aus ohne Anlauf aus und hob den Ball einfach hoch nach vorne, wo Zidan Alexander Madlung davongelaufen war. Sowohl der Stürmer wie auch der Verteidiger brauchten einen Moment, um zu realisieren, dass der Ball "noch heiß war", wie man gerne sagt. Als Zidan das realisiert hatte, tippte er das Leder an, als könne er sich die Schuhe daran versengen, was dazu führte, dass sein Schuss am langen Pfosten vorbeihoppelte.

Der Mainzer Dauerkartenbesitzer wird sich in der Pause einen Handkäs mit Musik bestellt und ihn mit einem hoffnungsvollen "Das kann ja nur besser werden" verspeist haben. Doch damit hatte unser idealtypischer Rheinhesse Unrecht, denn nach Wiederanpfiff des von Schiedsrichter Robert Hartmann ebenso mühelos wie souverän geleiteten Spiels steigerte sich das Niveau nicht. Und auch Torchancen konnten selbst Vorschüler an einer Hand abzählen.

Und dafür mussten sie gar nicht bis zum Mittelfinger kommen, denn ein Freistoß aus 20 Metern von Madlung Mitte der zweiten Hälfte, den Wetklo mit den Fäusten über die Latte lenkte, und eine hohe Flanke des eingewechselten Christian Träsch, die in den letzten Minuten Mandzukic fand, waren die einzigen nennenswerten Szenen der zwar blasseren, aber torgefährlicheren Gäste.

Am Ende waren aber nur neutrale Besucher, die auf dem Schwarzmarkt überteuerte Tickets für dieses Spiel erstanden hatten, sauer. Denn erstens hätten sie auch noch Karten an der Abendkasse bekommen, und zweitens waren die Einheimischen glücklich über den faktisch gesicherten Klassenerhalt und mochten nicht mürrischen Gemüts nach Hause gehen.

Daniel Raecke

sportal.de / sportal

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