Argentinien-Trainer Maradona Ein Pakt mit Gott


Diego Armando Maradona ist zurück auf der Weltbühne des Fußballs. Das "Enfant terrible" ist völlig überraschend zum Trainer der argentinischen Nationalmannschaft ernannt worden. Seine Berufung zeigt eines: Die Gauchos sehnen sich nach ihrem Helden "El Diez". Aber es gibt auch erste Zweifel.
Von Tobias Käufer, Bogota

Für die einen ist er Gott, für die anderen ein Teufel: Wohl kaum ein Fußballer polarisiert weltweit die Fans so wie Diego Maradona. Der feiert am Donnerstag nicht nur seinen 48. Geburtstag, sondern auch seine Wiedergeburt auf der weltweiten Fußballbühne. Auch wenn es noch keine offizielle Bestätigung des argentinischen Fußballverbandes gibt, "El Diez" soll die Nationalmannschaft seines Heimatlandes zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika führen.

Kaum hatte das argentinische Fernsehen Wind von der Nachricht des Jahres bekommen, machten die TV-Bilder eine Reise in der Vergangenheit: Maradona mit dem WM-Pokal auf dem Rasen des Azteken-Stadions in Mexiko, Maradona mit WM-Trainer Bilardo bei der Feier auf einem Balkon in Buenos Aires und Maradona weinend nach der Finalniederlage gegen Deutschland 1990 in Rom.

Es geht um Ruhm und Ehre

Argentiniens Fußballseele leidet unter der Erfolglosigkeit der "Albiceleste", seit Maradona unter skandalösen Umständen nach einer positiven A-Probe bei der WM 1994 in den USA von der internationalen Bühne verschwand. Seitdem spielt der zweifache Weltmeister sportlich keine Rolle mehr, wenn es in die finalen Tage des wichtigsten Turniers der Welt ging.

Jetzt soll es also Maradona wieder richten und ein klein wenig klingen auch dessen erste Beschwörungsformeln wie aus einer Zeit, als es im Fußball noch um Ruhm und Ehre ging: "Wir müssen wieder dahin kommen, dass die Spieler das Trikot der Nationalmannschaft mit Stolz tragen", ließ Maradona wissen.

Skandale ohne Ende

Erst in der kommenden Woche, so hatte sich der argentinische Fußballverband Afa es gedacht, sollte die Berufung Maradonas bekannt gegeben werden. So lange aber wollte Maradona nicht warten und platzte mit der Nachricht gleich im Anschluss an das richtungweisende Gespräch mit den Verbandsfunktionären heraus: "Er hat sich für unser Projekt entschieden", jubelte Maradona über die Entscheidung von Präsident Julio Grondona, der es erst einmal vorzog zu schweigen. Spätestens da war der Pakt mit Gott oder dem Teufel, ganz nach fußballideologischer Sichtweise, nicht mehr zu stoppen.

Für den argentinischen Fußball ist die Entscheidung "Pro Maradona" ein großes Wagnis. Zweimal versuchte sich der ehemalige Weltfußballer des Jahres Mitte der 90er Jahre als Klubtrainer in seinem Heimatland, zweimal scheiterte er kläglich. Stattdessen lieferte Maradona regelmäßig Schlagzeilen für die Yellow Press: Kokainsucht, uneheliche Kinder, Steuerschulden oder Pistolenschüsse auf Journalisten.

Jede Menge Skepsis

Für den begnadeten Kicker, der bei den Argentinos Juniors am 20. Oktober 1976 sein Profidebüt feierte, war des Leben stets ein Drahtseilakt. Für seine Fans ist er ohnehin ein Geschenk des Himmels, in Buenos Aires gibt es gar eine Maradona-Sekte, die ihrem Gott huldigt. Als er vor ein paar Jahren von Kokainsucht und ausschweifenden Lebenswandel ausgezehrt in einem argentinischen Krankenhaus mit dem Tode ringend so gerade eben noch einmal zurück ins Leben fand, begann der Wandel Maradonas. Der stark übergewichtige Fußballgott ließ sich in Kolumbien einen Teil des Magens herausoperieren, mittlerweile kickt Maradona sogar wieder in Nostalgiemannschaften mit. Er soll nach eigenem Bekunden nicht mehr drogenabhängig sein.

Als die sich die erste Überraschung gelegt hatte, mehrten sich in Argentinien die Zweifel. Jorge Valdano, Ex-Teamkollege und wichtiger Meinungsmacher, ist wie viele Fans der Gauchos angesichts der fehlenden Trainererfahrung skeptisch: "Mir erscheint die Sache sehr riskant."

Vielleicht auch deshalb wird ihm der argentinische Fußballverband ein Trainer- und Beraterteam zur Seite stellen, dass für die nötige Erfahrung sorgen soll. Weltmeistercoach Carlos Bilardo, für Maradona so etwas wie eine Vaterfigur, wird Technischer Direktor. Trainer Sergio Batista der mit der Olympiaauswahl um Superstar Lionel Messi in Peking Gold gewann, wird Maradona wohl ebenfalls beratend zur Seite stehen. Wer der Chef im Ring ist, daran lässt "die Hand Gottes" - mit diesem Körperteil traf er bei der WM 1986 in Mexiko gegen England - keinen Zweifel: "Ich stelle die Mannschaft auf."


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