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Bayern in der Champions League: Ribérys Horrorwoche

Mit der Verwicklung in eine Sexaffäre samt möglicher strafrechtlicher Folgen bringt Franck Ribéry Unruhe in den FC Bayern - ausgerechnet vor dem Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Olympique Lyon (ab 20.45 Uhr im stern.de-Liveticker). In seiner Heimat sieht man schwarz für Ribéry.

Von Thomas Becker, München

Eine wichtige Woche für Franck Ribéry: Champions-League-Halbfinale gegen Olympique Lyon am Mittwoch, drittletztes Bundesligaspiel auf dem Weg zum Meistertitel in Mönchengladbach am Samstag, und irgendwann in diesen Tagen wollte er ja auch noch seine lange erwartete Entscheidung bezüglich des künftigen Arbeitgebers kundtun. Insofern ist das Schonprogramm, das ihm sein Trainer Louis van Gaal zu Wochenbeginn verordnete, sicher eine gute Idee.

Wegen einer Muskelverhärtung hatte ihn der Coach beim 7:0 gegen Hannover 96 nach 69 Minuten ausgewechselt, für das große Spiel am Mittwoch sieht es aber ganz gut aus. "Ich denke, dass er spielen kann", sagte van Gaal. Am Dienstag turnte der Franzose in lilafarbenen Kickstiefeln mit Kollegen durch die Münchner Frühjahrssonne. Späßchen hier, Schwätzchen da. Alles prima.

Es könnte aber auch eine Horrorwoche für Ribéry werden. Eine Woche, die seine Karriere als Profifußballer aufs Schmerzhafteste beeinträchtigen könnte und nach der niemand mehr über einen Wechsel nach Madrid, Barcelona oder sonst wohin reden wird. Frankreichs Nationalmannschaft steckt nämlich zwei Monate vor WM-Beginn in einem Sexskandal. Vergangene Woche hatte die Polizei den Pariser Nachtklub "Café Zaman" ausgehoben, ein Nobel-Etablissement auf den Champs-Élysées. Nun wird ermittelt, und auch Ribéry wurde als Zeuge vernommen.

Der Zeitpunkt ist ungünstig

Seine Anwältin Sophie Bottai teilte mit: "Mehrere Fußballspieler von internationalem Renommee, darunter Franck Ribéry, zählen zu ihren Bekannten jemanden, der einem Netzwerk von Escort-Girls nahesteht. Diese Beziehung ist der einzige Grund, warum er von der Polizei vernommen wurde. Diese Affäre betrifft Franck Ribéry nicht und bedarf deshalb keines weiteren Kommentars."

Diese delikate Affäre trifft Ribéry und somit auch den FC Bayern zu einem Zeitpunkt, da die Konzentration auf das Sportliche in der Tat unerlässlich ist. An die vom chronisch wechselwilligen Franzosen für diese Woche angekündigte Entscheidung über seinen künftigen Arbeitgeber glaubt niemand mehr. "Wann es zu Gesprächen über den Vertrag kommt, wissen wir noch nicht", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger.

Die französische Presse sieht schwarz

Nerlinger bekannte derweil, dass sich die Bayern am Montag mit Ribéry über die Sexaffäre unterhalten haben. "Das ist natürlich ein Thema", sagte er, machte aber über den Inhalt des Gesprächs keine Angaben. "Wir müssen uns auf das Sportliche konzentrieren, auch Franck." Wohl auch deshalb haben die Bayern sich entschieden, Ribéry den geplanten Auftritt vor der internationalen Presse zu ersparen. Philipp Lahm sprang ein.

Trainer van Gaal fehlte am Dienstag, er musste zur Beerdigung seiner Schwiegermutter in die Niederlande reisen. Am Tag davor antwortete er auf die Frage eines französischen Journalisten, was er über die Meldungen denke: "Dazu kann ich nichts denken. Es ist ja noch nichts bekannt, mir jedenfalls nicht. Ich habe nicht den Eindruck, dass er unter der Situation leidet." Bayerns Ehrenpräsident sieht das ähnlich: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihn das mit Blick auf Lyon irgendwie aus der Ruhe bringt", sagte Franz Beckenbauer.

In Frankreich sieht man eher schwarz für Ribéry. Die Tageszeitung "Le Parisien" vermutet eheliche Turbulenzen sowie Freunde und Sponsoren, die auf Distanz gehen: "Sein Leiden wird sich auf einem anderen Feld abspielen." Der "Figaro" spekuliert sogar schon mit einer Demission beim FC Bayern und in der Nationalelf: "Alles ist denkbar! Er hat alles zu verlieren und steht momentan näher am Ende seiner Karriere als am Anfang."

Louis van Gaal ficht das nicht an: "Ribéry macht immer wichtige Tore, wie Robben. Und er macht auch die Arbeit nach hinten. Er wird immer fitter. Jetzt ist noch überall 'Halleluja Robben', aber morgen kann das wieder Ribéry sein."

Diesen Artikel haben wir für Sie in der Financial Times Deutschland gefunden.

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