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BUNDESLIGA: Heimvorteil ist oft keiner mehr

Bei 25 Partien gelangen nur fünf Heimsiege. Dortmund erlebt im Hit 0:2-Pleite gegen Bayern, Leverkusen im Glück, Schalke im Aufwind, Hertha in Not.

Das heimische Stadion ist für die Fußball-Bundesligisten keine Bastion mehr. An den vergangenen drei Spieltagen gelangen in 25 Partien nur fünf Heimsiege. Prominentestes Opfer des neuen Trends ist Tabellenführer Borussia Dortmund. Dessen Startrekordserie (12 Punkte, kein Gegentor) wurde am 5. Spieltag im Westfalenstadion von Titelverteidiger Bayern München mit 0:2 kaltschnäuzig beendet. Stärke auf fremdem Terrain demonstrierten auch die Mitfavoriten Bayer Leverkusen (1:0 in Mönchengladbach) - das Werksteam rückte hinter Dortmund und Kaiserslautern auf Platz drei vor - und Schalke 04 (2:0 bei St. Pauli).

Junge Spieler brachten Bayern Glück

»Eine Niederlage hätte uns weit zurückgeworfen. Daher wollten wir diese drei Punkte unbedingt«, sagte Ottmar Hitzfeld. Der Erfolg gelang dank einer taktischen Meisterleistung. Statt Stars wie Giovane Elber und Claudio Pizarro in dem Gipfeltreffen aufzubieten, brachte der Bayern-Coach junge Talente wie Roque Santa Cruz und den erfahrenen Thorsten Fink. Und so wurde die Partie für den einstigen Hitzfeld-Eleven Matthias Sammer zu einer Fußball-Lehrstunde. »Wir haben viel zu kompliziert gespielt und verdient verloren«, gab Sammer zu. Durch die Schlappe wurde der »Meister der Euphoriebremse« bestätigt: »Die Bäume wachsen nicht in den Himmel.« Kritik übte BVB- Manager Michael Meier am Sonntag in der Sendung »Doppelpass« des Deutschen Sportfernsehens (DSF) an seinen Spielern: »Die Bemühungen waren nicht da, obwohl die Bayern nicht übermächtig waren. Das stimmt etwas traurig.«

Leverkusen optimistisch

Andernorts in Nordrhein-Westfalen keimt immer mehr die Hoffnung auf Großes. »Wir haben die Chance, den Titel zu gewinnen«, sagte Leverkusens Torwart Hans-Jörg Butt nach dem glücklichen Erfolg auf dem Bökelberg. Der 27-jährige Schlussmann stellte mit seinem verwandelten Foulelfmeter und Glanzparaden in Serie den Spielverlauf fast allein auf den Kopf und stellte am Ende fest: »Die Gladbacher waren 90 Minuten überlegen und hätten einen Punkt verdient gehabt.«

Schalke muss noch eine Menge tun

Vize-Meister Schalke 04 gewann nicht nur die Partie bei den ans Tabellenende abgerutschten Hamburger Kiez-Kickern aus St. Pauli, sondern auch die Erkenntnis, für die Champions-League-Premiere am Dienstag gegen Panathinaikos Athen noch eine Menge tun zu müssen. »Außer den drei Punkten kann ich nichts Positives mit nach Hause nehmen«, resümierte Schalke-Manager Rudi Assauer. Dass es trotz des kompletten Ausfalls des »Wunder-Sturms« Ebbe Sand, Gerald Asamoah und Emile Mpenza ein Erfolgserlebnis gab, verdanken die »Königsblauen« dem doppelten Torschützen Victor Agali.

Wenigstens keine Bruchlandung

Zwei Treffer des Brasilianers Vragel da Silva verhinderten, dass Bundesliga-»Senkrechtstarter« Energie Cottbus gegen den VfL Wolfsburg (3:3) eine Bauchlandung erlebte. Dennoch war Energie-Trainer Eduard Geyer nach der von seinen Spielern fahrlässig geführten Partie geladen (»Das lasse ich mir nicht bieten«) und drohte mit Geldstrafen. Auch Kollege Wolfgang Wolf war nicht restlos zufrieden, stellte aber einen Aufwärtstrend nach der unerwarteten Talfahrt fest: »Das Team lebt wieder und ist auf einem guten Weg.«

Die Berliner dümpeln dahin

Dies kann Hertha BSC nicht unbedingt behaupten. Nach dem torlosen Unentschieden beim VfB Stuttgart dümpelt der Liga-Pokalsieger mit nur fünf Punkten aus fünf Partien im Mittelfeld. »Es war ein frustrierendes Spiel«, meinte Herthas Nationalspieler Sebastian Deisler, dem selbst jegliche Inspiration fehlte. Den Schwaben mangelt es hingegen an Toren: Es war das dritte 0:0 in Folge im Gottlieb-Daimler-Stadion - ein neuer Bundesliga-Rekord. Zufrieden über die Punkteteilung war Hansa Rostocks Trainer Friedhelm Funkel (»Wir sind im Soll«) nach dem 1:1 beim SC Freiburg. Dessen Chefcoach Volker Finke hatte sich insgesamt mehr für den UEFA-Cup-Teilnehmer ausgerechnet. »Fünf Punkte sind vier zu wenig.«

Löwen-Trainer unzufrieden

Die drei Zähler auf einen Schlag für 1860 München beim ersten Heimsieg (1:0) im bayerischen Derby gegen den 1. FC Nürnberg seit 33 Jahren hätten Finke wohl erfreut - nicht aber »Löwen«-Coach Werner Lorant. »Das war unser bisher schlechtestes Spiel«, tobte er. Lobende Worte fand trotz der vierten Niederlage im fünften Spiel Nürnbergs Trainer Klaus Augenthaler: »Es gab keinen Unterschied zwischen Aufsteiger und etablierter Bundesliga-Mannschaft. Ich glaube deshalb, dass wir aus der Krise raus sind.«

Andreas Schirmer

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