Bundesliga-Vorbereitung Die heiße Phase beginnt


In vier Wochen startet die neue Saison: Für die Bundesliga-Clubs beginnt die heiße Phase der Vorbereitung. Es gibt neue Stars, neue Trainer und vor allem viele Schlagzeilen. Allen voran natürlich die Bayern mit ihrem Problemfall Franck Ribéry. stern.de zeigt, wie die aktuelle Lage bei den sieben Spitzenclubs aussieht.
Von Marius Koch

Die Bundesliga-Clubs trainieren wieder und bereiten sich in schweißtreibenden Vorbereitungen auf die kommende Saison vor. Dabei haben die Vereine mit den verschiedensten Problemen zu kämpfen. Ein abwanderungswilliger Franck Ribéry hält die Münchener Bayern auf Trab, der VfB Stuttgart hat Zweifel am Gesundheitszustand vom angehenden Neuzugang Demba Ba und Berlin sorgt mit der Verpflichtung von Artur Wichniarek für Verwirrung. Auch aus Schalke, Wolfsburg, Bremen und Hamburg gibt es Neuigkeiten zu berichten. stern.de bringt Sie sich auf den aktuellen Stand.

VfL Wolfsburg

Die Aussichten beim VfL Wolfsburg für die neue Saison sind sehr gut. Fast der gesamte Meister-Kader bleibt zusammen. Der Vertrag mit Torschützenkönig Grafite wurde langfristig verlängert und auch Edin Dzeko wird trotz einer Offerte vom AC Mailand bei den "Wölfen" bleiben. Auch positiv: Im Gegensatz zum Wechsel-Stress um Franck Ribery gab es in Wolfsburg kein Theater. Der VfL und vor allem Dzeko verhielten sich äußerst professionell und wickelten die Sache sachlich und ruhig ab.

Die eine oder andere Verstärkung wird sich auch noch zu den Wolfsburgern gesellen, was den Druck in der Autostadt nach dem tollen Meisterjahr selbstverständlich hochhält. "Natürlich wird es schwer, weil ein Trainer da war, der Erfolg hatte. Daran werde ich gemessen, die Erwartungshaltung ist hoch", sagt Neu-Trainer Armin Veh. Sportlich kommt er ins von Felix Magath gemachte Nest. Für Veh wird es darum gehen, die Mannschaft mit seinen Methoden zu erreichen und den von seinem Vorgänger erfolgreich eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

FC Bayern

Seit Wochen bestimmt beim FC Bayern nur ein Thema die Schlagzeilen: die Zukunft von Franck Ribéry. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung hat der deutsche Fußball-Rekordmeister dem Franzosen ein Ultimatum gestellt. Spätestens bis zum Start des Trainingslagers am 16. Juli in Donaueschingen wollen die Bayern Klarheit über Ribérys sportliche Zukunft. Dieses Vorgehen ist nur verständlich, denn der Transfer-Poker um Ribéry sorgt auch im Team für Unruhe. "Der Mannschaft wäre es natürlich am liebsten, wenn das Thema so schnell wie möglich geklärt werden könnte", sagt Kapitän Mark van Bommel. Auch Trainer Louis van Gaal ist schon genervt von dem alles bestimmenden Thema. Schließlich muss er aus mit den vielen Neuzugängen Mario Gomez, Anatoli Timoschuk, Ivica Olic oder Edson Braafheid eine neue Mannschaft formen.

Von außen betrachtet stehen die Zeichen deshalb auf Abschied. Zu deutlich hat Ribéry seinen Wunsch kundgetan, bei Real Madrid spielen zu wollen. Die Bayern fordern angeblich 80 Millionen Euro, die Offerte der "Königlichen" soll bei 64 Millionen liegen. Es wäre schon erstaunlich, wenn der Transfer an einer Differenz von 16 Millionen Euro scheitern würde. Hält man sich die schon getätigten Verpflichtungen von Cristiano Ronaldo und Kaka vor Augen, scheint Geld bei Real um den neuen Präsidenten Florentino Perez nicht die entscheidende Rolle zu spielen.

Auch die Zukunft von Innenverteidiger Lucio ist offener denn je. Laut der französischen Sportzeitung "L'Equipe" steht der Brasilianer vor einem Wechsel zu Manchester City. Mit Edson Braafheid und Amateur Holger Badstuber sind zwei neue, gelernte Innenverteidiger dabei, in denen van Gaal echtes Potential sieht. Bei den Bayern gibt es also wieder einmal jede Mende offene Fragen und mögliche Konflikt-Herde. Schließlich suchen sie in München auch noch einen Torwart.

VfB Stuttgart

Viel Ruhe haben sie beim VfB Stuttgart in der Vorbereitung nicht. Große Sorgen bereitet Manager Horst Heldt der wichtigste Transfer des Sommers: Der Senegalese Demba Ba soll vom Lokalrivalen TSG Hoffenheim zum VfB kommen, als Ersatz für Mario Gomez. Es gibt allerdings Probleme mit seinem gesundheitlichen Zustand. Die Wunde an Bas im Mai operierten Bein ist entzündet und behindert den Heilungsprozess. Im Raum steht eine Ablösesumme von 15 Millionen Euro für den Senegalesen.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der VfB das Risiko einer langfristigen Verletzung von Demba Ba ausschließen kann. Sicher ist, dass Ba noch einige Wochen lang ausfallen wird. Es folgen weitere Untersuchungen. Der VfB will sich Zeit lassen. Markus Babbel drückt derweil von montags bis mittwochs die Schulbank in Köln und büffelt eifrig für seinen Trainerschein. Der Lehrgang an der Hennes-Weisweiler-Akademie der Deutschen Sporthochschule dauert noch bis Ende März 2010. Eine anstrengende Doppelbelastung und ungünstige Voraussetzung für die Vorbereitung der kommenden Saison.

Hertha BSC Berlin

In Berlin beginnt in der Saison 2009/2010 die Ära nach Manager Dieter Hoeneß. Nachfolger Michael Preetz muss sich kurz nach seinem Amtsantritt dann auch gleich die ersten kritischen Fragen gefallen lassen. Warum verpflichtet man als Club mit großen Ambitionen einen Spieler erneut, wohlgemerkt einen Stürmer, der in zweieinhalb Jahren für Hertha in 44 Bundesliga-Spielen gerade mal magere vier Törchen geschossen hat? Diese Frage werden sich nicht wenige beim Transfer von Artur Wichniarek zu Hertha BSC Berlin stellen. Besonders nachdem man im Angriff mit Andrey Voronin (vom FC Liverpool ausgeliehen und für die Hertha zu kostspielig) und Marko Pantelic (Zoff mit Trainer Favre) zwei Top-Angreifer hat ziehen lassen. Fakt ist: Artur Wichniarek war für Bundesliga-Verhältnisse mit 700.000 Euro Ablöse-Summe ein Schnäppchen und hat in der letzten Saison für Absteiger Arminia Bielefeld immerhin 13 Treffer erzielt.

Wenn der Hertha finanziell nicht in der Lage ist, einen besseren Stürmer zu verpflichten, ist das keine Schande. Allerdings muss sich der Verein bei einem erneuten Scheitern Wichniareks den Vorwurf gefallen lassen, der Einfachheit halber auf eine Notlösung zurückgegriffen zu haben. Der Hauptstadt-Club droht wieder, zu einer grauen Maus in der Liga zu werden.

Hamburger SV

Gleich nach Saisonende wurde der feine Hanseaten-Club von mächtigen Beben seiner Machtzentrale erschüttert. Erst verließ der bis dahin hoch gelobte Trainer Martin Jol die Hansesatdt Richtung Ajax Amsterdam, dann wollte Sportchef Dietmar Beisdorfer sich gegen die Eingriffe von Präsident Bernd Hoffmann in seine Arbeit wehren und schaltete den Aufsichtsrat ein. Der Machtkampf zwischen den beiden gänzlich unterschiedlichen Charakteren wurde daraufhin vom wichtigsten Gremium des Clubs entschieden. Beiersdorfer nahm seinen Hut. Kritiker sehen sich jetzt endgültig bestätigt. Sie sprechen beim HSV nur noch von Hoffmanns Sport-Verein. Der HSV machte sich so zur Lachnummer Fußball-Deutschlands.

Erst spät konnte sich der Club auf die sportlichen Belange konzentrieren. Mittlerweile wurden die ersten Transfers getätigt. Nach Ze Roberto und Robert Tesche wechselt Elijero Elia für 8,5 Millionen Euro vom FC Twente Enschede aus der niederländischen Eredivisie an die Elbe und soll beim HSV über die Außenbahn wirbeln.

FC Schalke

Felix Magath musste im Trainingslager mit dem FC Schalke in Herzlake einige unangenehme Entdeckungen machen. Neben mangelnder Kondition kritisierte der Wolfsburger Meister-Trainer ebenso mangelnden Teamgeist. Da können sich die Schalker Profis auf einiges gefasst machen. In Spielerkreisen ist Magath als Schleifer bekannt und der Medizinball beim Kondition bolzen sein liebstes Utensiel. Einen Leitwolf hat der 55-Jährige in der Schalker Mannschaft ebenfalls noch nicht ausgemacht. "Es tut sich keiner hervor, niemand übernimmt Verantwortung", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Führungsspieler sind in Magaths System allerdings unverzichtbar. In Wolfsburg war Kapitän Josue sein verlängerter Arm auf dem Spielfeld. Auf Schalke spielt Jermaine Jones eine ähnliche Position. Der selbstbewusste Deutsch-Amerikaner Jones als Magath-Intimus? Eher schwer vorstellbar. Zumal Jones jetzt wegen eines Haarrisses im linken Schienbein noch Monate ausfällt. Es wartet noch eine Menge Arbeit... Was passiert zum Beispiel, wenn Torwart Manuel Neuer doch zu den Bayern wechselt?

Werder Bremen

Wie jedes Jahr lässt sich die Mannschaft von Werder Bremen im Trainingslager auf der Insel Norderney den frischen Nordseewind um die Nasen pusten. Die Strandläufe, zu denen Trainer Thomas Schaaf jeden Morgen um halb acht bittet, sind nicht nur gut für die Kondition. Hier bekommt man den Kopf frei für die Herausforderungen der neuen Saison, die schon in vier Wochen mit dem ersten Spiel gegen Eintracht Frankfurt beginnt. Für Bremen ist es die Saison nach der Ära Diego, die mit dem Gewinn des DFB-Pokals einen versöhnlichen Abschluss fand. Aber: Der zehnte Platz in der Meisterschaft soll und darf sich nicht wiederholen.

Um den Abgang des Brasilianers zu kompensieren, soll in der neuen Saison die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden. Die frischgebackenen U21-Europameister Marko Marin und Mesut Özil, beide noch im Urlaub, der neue Kapitän Torsten Frings und der vielleicht von den Bayern zurückkehrende Tim Borowski sollen ein Mittelfeld stellen, das dazu in der Lage ist. Noch ist einiges unsicher. Im Sturm hoffen die Werder-Bosse auf die Weiterverpflichtung von Claudio Pizarro, der in diesen Tagen in der Heimat vor Gericht wegen des Prozesses gegen seinen Berater Carlos Delgado aussagte. Fix ist der Deal mit Chelsea London noch nicht. Bremen will den Peruaner ein weiteres Jahr ausleihen. Auch die Rückholaktion von Tim Borowski, der nach einem Jahr bei den Bayern wieder in Grün-Weiß spielen will, ist nicht sicher. Dafür war einer auf der Insel dabei, der zum ersten Mal in seinem Leben auf einem Schiff unterwegs war: der bolivianische Stürmer Marcelo Moreno. Wenn er die Strandläufe unter der strengen Hand des Trainers übersteht, kann man mit ihm rechnen. Die 22-jährige Leihgabe von Schachtjor Donzek soll neben Claudio Pizarro stürmen. Auf ihn hoffen sie an der Weser ganz besonders.

Eine richtig gute Nachricht gibt es aus Bremer Sicht auch noch zu vermelden: Der wenig geliebte Carlos Alberto bleibt definitiv ein weiteres Jahr in Brasilien. Zumindest in diesem Fall können sie in Bremen aufatmen.


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