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Bundesliga im stern-Check: Eine aberwitzige Fehlentscheidung, Streich-Zoff und Neuers verqueres Verständnis von Teamgeist

In Berlin studiert der Schiedsrichter minutenlang eine Schwalbe, doch pfeift am Ende trotzdem Elfmeter. Freiburg-Coach Streich reagiert auf Zoff mit seinem Keeper, wie nur er das kann und Manuel Neuer bügelt die Ambitionen seines Rivalen einfach weg.

Video: Bayern-Fans zufrieden mit 1:1 gegen Leipzig

So lief der Spieltag

Alle Ergebnisse des 3. Spieltags, die Tabelle und Statistiken zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

Aufreger des Spieltages

Die Partie Union Berlin gegen Werder Bremen war reich an strittigen Szenen, drei Elfmeter und zwei Platzverweise gab es letztlich, Bremen gewann knapp. Unstrittig falsch war jedoch die erste dieser Entscheidungen, der Elfmeter für Bremen, der zum 1:0 führte. Klaasen hatte sich den Ball schräg an Union-Keeper Gikiewicz vorbeigelegt, dieser eilte heraus, zog jedoch klar zurück. Klaasen wurde nicht (oder nur sehr, sehr leicht) von ihm berührt, legte jedoch trotzdem eine kleine Flugeinlage im Strafraum ein. Schiri Tobias Welz zeigte auf den Punkt. Was die Situation so kurios machte: Der Videoschiri griff ein, meldete zurecht Zweifel an der Entscheidung an und empfahl dem Referee auf dem Platz ein Studium der Szene am Bildschirm, was dieser auch tat. Ganze drei Minuten vergingen für die Überprüfung, und wie man es auch drehen und wenden wollte: Das war eine Schwalbe, zumindest auf keinen Fall ein Elfer. Schiri Welz aber sah sich alles aus zahlreichen Perspektiven an, kam zurück und gab den Strafstoß trotzdem. Warum, weiß wohl nur er. Selbst Videoschiri-Chef Jochen Drees musste auf DFB.de eingestehen: "Regeltechnisch ist die Entscheidung, in dieser Situation einen Strafstoß zu geben, aus unserer Sicht falsch."

  Dieses Tor sollten Sie (nochmal) sehen

Mit einem satten 4:0 über Leverkusen hat sich der BVB bei seinen Fans für die peinliche Pleite von Berlin vor zwei Wochen entschuldigt. Besonders das 2:0 durch Kapitän Reus war dabei sehenswert. Vorlagenmaschine Jadon Sancho zog in den Strafraum, legte den Ball in den Rückraum auf Paco Alcacer. Doch anstatt selbst abzuschließen, ließ der Spanier den Ball gekonnt durch die Beine rollen, damit der hinter ihm lauernde Reus zum 2:0 einnetzen konnte. Blindes Verständnis – und eine gelungene Generalprobe für die Partie gegen Barcelona am Dienstag.

Sancho, Reus und Alcacer (v. l.) bejubeln einen wunderschön herausgespielten BVB-Treffer zum 2:0 gegen Leverkusen
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Gewinner des Spieltages

Der SC Freiburg hat die TSG Hoffenheim in deren Stadion mit 3:0 auseinandergenommen und den starken Trend der ersten Spiele bestätigt. Punktgleich mit dem BVB und vor (!) dem FC Bayern rangiert die Elf von Coach Christian Streich auf Rang drei im Tableau. Da war auch ein öffentlicher Zoff mit seinem Keeper Schwolow, gestenreich ausgetragen auf rund 50 Meter Entfernung nicht weiter schlimm. "Ich war mit was nicht einverstanden. Er war dann nicht einverstanden mit mir", sagte Streich anschließend und fügte auf seine gewohnt trockene Art hinzu: "Und dann geht's weiter. Es ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen. Auch nicht in Freiburg."

Verlierer des Spieltages

Manuel Neuer hat zwar am Samstagabend mit mehreren Glanztaten den zweiten Gegentreffer durch RB Leipzig verhindert. Nach dem Spiel bekleckerte sich der Nationaltorhüter jedoch nicht mit Ruhm. Da wurde er auf seinen Rivalen Marc-André ter Stegen angesprochen, der sich nach der Länderspielreise niedergeschlagen gezeigt hatte, dass er erneut nicht zum Einsatz gekommen war. Neuer gaukelte zwar "volles Verständnis" für jeden vor, der unbedingt spielen wolle, um dann jedoch zu kritisieren, dass so etwas wohl nicht "förderlich" sei, die Mannschaft im Vordergrund stehen und die Torhüter zusammenhalten müssten, wie beim Handball, finde er. Ter Stegen ist seit Jahren Stammtorwart beim FC Barcelona, setzte sich bei der WM 2018 ohne Murren auf die Bank, obwohl Neuer zuvor monatelang ausgefallen war – und wenn der nun öffentlich einmal sanft formuliert, dass er lieber spielen würde, schiebt Neuer den angeblich bedrohten Teamfrieden vor, um ihm den Mund zu verbieten? Vom sicheren Stammtorwart-Sattel aus lässt es sich halt gut nach unten treten.

Bild des Spieltages

Da kann sich Manuel Neuer strecken, wie er will. An den Elfmeter von Emil Forsberg kommt er nicht ran
DPA

Da kann sich Neuer strecken, wie er will. An den Elfmeter von Emil Forsberg kommt er nicht ran. Der Leipziger hinterher trocken: "Beim Elfmeter wusste ich genau, was ich zu machen habe: den Ball reinhauen. Ich war mir sicher, dass ich verwandle." Durch das 1:1 verteidigten die Sachsen die Tabellenführung.


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