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Bundesliga im stern-Check Vom Werder-Wahnsinn und Peps Bierduschen-Phobie

Fans von Werder Bremen haben das Spielfeld gestürmt
Leidenschaft pur: Tausende Fans von Werder Bremen feiern nach dem Abpfiff den Klassenerhalt mitten im Stadioninnern
© Wolfgang Rattay/Reuters
Kein Abstieg, keine Relegation: Werder Bremen und vor allem seine Fans lieferten am Wochenende ein Lehrstück ab, wie Abstiegskampf geht. Ein Noch-Münchner dürfte sich indes freuen, wenn es bald nach England geht. Der letzte Bundesliga-Spieltag im stern-Bundesliga-Check.

So liefen die Spiele

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Dieses Tor sollten Sie (noch mal) sehen

Satte 29 Mal zappelte der Ball am letzten Spieltag der 53. Bundesligasaison im Netz. Das schönste Tor des Final-Wochenendes aber gelang HSV-Stürmer Michael Gregoritsch im Spiel gegen Augsburg. Nach einem taktischen Foul an seinem Teamkollegen Nicolai Müller legte sich der Österreicher das Leder gut 20 Meter und leicht rechts versetzt vom gegnerischen Kasten zum Freistoß bereit. Nach kurzem Anlauf hob er die Kugel anschließend mit links gefühlvoll über die FCA-Mauer und für Keeper Hitz damit unhaltbar ins rechte Eck. Für den 22-Jährigen selbst war es bereits der dritte direkt verwandelte Freistoß der Saison - kein anderer Ligaspieler traf auf diese Weise öfters als er. Später (74.) legte Gregoritsch auch noch den 3:1-Siegtreffer nach. Ein gelungener Tag, könnte man sagen.

Gewinner des Tages

Sicher, man hätte an dieser Stelle auch Bayerns Tormaschine Robert Lewandowski anführen können. Der Pole markierte gegen Absteiger Hannover seinen 30. Saisontreffer (seit 39 Jahren wurde diese Marke nicht mehr geknackt!) und durfte sich so zum zweiten Mal nach 2014 über die Torjäger-Kanone freuen. Eine beeindruckende Saison des 27-Jährigen.

Und dennoch: In der Rubrik "Gewinner des Tages" kommt man an diesem Spieltag einfach nicht an Bremen, dessen Siegtorschützen Papy Djilobodji und den Werder-Fans an sich vorbei. Letztere hatten vor der entscheidenden Partie gegen Abstiegskonkurrent Frankfurt gefühlt die ganze Stadt mobilisiert, um ihrem Team (vor dem Spiel auf Relegationsrang 16 platziert) zu signalisieren: Wir stehen hinter euch! Und so gab es bereits bei der Ankunft des Teambusses am Stadion den ersten Gänsehaut-Moment.

Auch während des Spiels sorgte der grün-weiße Anhang durchweg für fantastische Stimmung, die kurz vor Abpfiff überkochte, als Djilobodji den Ball in der 88. Minute zum entscheidenden 1:0 über die Linie drückte. Ausgerechnet Djilobodji, der mit seiner Kopf-ab-Geste im Spiel gegen Mainz 05 im März für Aufsehen gesorgt hatte, wurde damit zum Retter der Hansestädter, die sogar noch auf den 13. Tabellenplatz vorrückten. Kein Abstieg, keine Relegation. 

Verständlich, dass man im Anschluss so feierte wie zuletzt vor zwölf Jahren, als Bremen die Meisterschaft holte - inklusive Platzsturm Tausender euphorischer Fans. Die Werder-Profis selbst dürften es auch gut krachen gelassen haben - die Erlaubnis hatten sie jedenfalls: "Die Spieler können machen, was sie wollen. Das ist mir scheißegal", erklärte Manager Thomas Eichin am späten Samstagabend im ZDF-Sportstudio.  

Aufreger des Tages

Noch einmal geht's nach Augsburg. Im Mittelpunkt: Schiedsrichter Florian Meyer. Der lieferte zwar keinen wirklichen Aufreger - davon gab es in der Saison letztlich ja auch schon genug -, dafür aber einen Moment zum Schmunzeln. In seinem letzten Spiel als Bundesliga-Referee passierte dem Braunschweiger ein Fauxpas, an den er sich vermutlich sein Leben lang erinnern wird: Der 47-Jährige pfiff die erste Halbzeit einfach mal knapp 30 Sekunden zu früh ab. Als die Spieler bereits auf dem Weg Richtung Kabine waren, bemerkte Meyer seinen Fehler - und ließ kurzerhand noch mal einige Sekunden "nachspielen". Zum Glück fiel dabei kein Treffer, sonst wäre aus dem Fehlpfiff sicherlich doch noch ein Aufreger geworden.

Verlierer des Tages

Zugegeben: Die Chancen des VfB Stuttgart auf die Relegation waren schon vor dem Anpfiff äußerst gering. Was die Schwaben jedoch gegen Wolfsburg ablieferten, war der ersten Liga nicht würdig. Als hätten sie den Kampf um den Klassenerhalt schon vor der Partie aufgegeben, traten die VfB-Profis - vor allem in Halbzeit eins - derart leidenschafts- und emotionslos auf, dass ihre mitgereisten Fans sie verständlicherweise bitterböse auspfiffen. Selbst der zwischenzeitliche 1:2-Anschlusstreffer durch Didavi setzte nicht den unbedingten Willen frei, es vielleicht doch noch schaffen zu können. So gingen die Stuttgart am Ende mit 1:3 unter - und damit gleichzeitig auf direktem Wege in Liga zwei. 

Der erste Abstieg nach 41 Jahren im Oberhaus hatte dann auch schon am Sonntag erste Konsequenzen. Nicht nur wird Jürgen Kramny nicht länger Cheftrainer sein, auch nahm Präsident Bernd Wahler angesichts des Absturzes seinen Hut. Immerhin tat man damit den enttäuschten Fans einen Gefallen ...

Bild des Tages

David Alaba verpasst Trainer Pep Guardiola eine Bierdusche
© Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Bierduschen gehören nicht nur in München zum guten Ton, wenn es etwas zu feiern gibt. Allerdings dürfte sich kein anderer Bundesliga-Trainer derart mit der Prozedur auskennen wie der Noch-Bayern-Coach Pep Guardiola. Der aber kann sich auch nach unter anderem drei Meistertiteln und bislang einem Pokalsieg offenbar nicht an die kühle Erfrischung gewöhnen - auch wenn er bei diesem "Bier-Angriff" David Alabas ausnahmsweise mal lächelt. "Ist kalt und stinkt", sagte der zu Manchester City wechselnde Katalane den Reportern auf die typischen Weißbierduschen angesprochen. Möglicherweise muss er da am kommenden Samstag noch mal durch - vorausgesetzt die Bayern schlagen Rivale Dortmund im Pokalfinale in Berlin. 


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