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Kolumne

Rot-weiß - die Bayern-Fan-Kolumne: Trotz Dominanz: Der FC Bayern offenbarte am Wochenende seine größte Schwäche

Kreuzbandriss bei Tolisso, Innenbandabriss bei Rafinha:  Nach Kingsley Coman hätte es keine schlimmerem Verletzungen für den FC Bayern geben dürfen. Warum ein Ausfall im eigentlich überfüllten Mittelfeld so schwer wiegt.

Von Stefan Johannesberg

Bei Tolisso bestätigte sich der Verdacht auf einen Kreuzbandriss und er fällt monatelang aus

Bei Corentin Tolisso bestätigte sich der Verdacht auf einen Kreuzbandriss und er fällt monatelang aus

Getty Images

Sky-Reporter Buschmann schien noch unsicher, doch jedem Sportler aus dem ehrenvollen Kreuz-Band-Clan war nach der ersten Zeitlupe des Zusammenpralls zwischen Bayerns Corentin Tolisso und Bayers Kevin Volland klar: Das Ding ist durch wie die Meisterschaft. Vor 20 Jahren machte mein Knie in einem unwichtigen Spiel eines noch unwichtigeren Hallenturniers ebenfalls einen ähnlichen Knicks nach links, während der Rest des Körpers nach rechts wollte wie die CSU. Das Kreuzband riss mit einem ohrenbetäubenden Knacken wie Söders absolute Mehrheit.

Ähnliches passierte nun dem französischen Mittelfeldspieler in der Allianz-Arena, die Saison ist für den Weltmeister mehr oder weniger gelaufen. Nicht ganz so desaströs erwischte es oder besser er (Karim Bellarabi) den Außenverteidiger-Veteran Rafinha.

Die Diagnose nach der unnötigen Attacke des schon früher ungestümen Bellarabi lautete "nur" Innenbandteilriss am linken Sprunggelenk und mehrere Wochen Reha.

Noch 16 fitte Feldspieler: Die Außenverteidiger sind die Achillesferse

Drei Spiele, drei Siege, drei Schwerverletzte: Den Ausfall von Kingsley Coman, schnellster Flügelstürmer und offensive Killerwaffe für Beton- und Bus-Vorm-Tor-Teams, konnte Coach Kovac bislang durch ultra-intensives Gegenpressing (wie gegen Leverkusen), gefährliche Standards (wie gegen Hoffenheim) und Reaktionsschnelligkeit bei den zweiten Bällen (wie gegen Stuttgart) erfolg- und torreich kompensieren.

Wesentlich schwieriger dürfte ihm das auf der Außenverteidigerposition fallen, wenn die Sterne des Südens schlecht stehen und sich dort noch einer verletzt. Hinter den beiden Weltklasse-Leuten Joshua Kimmich und David Alaba klafft eine gähnende Leere wie im Leverkusener Kreativspiel. Gehen wir die Ausfälle mal durch:

  • Rafinha:  Kann frei nach Beckenbauer rechts wie links, wurde gestern jedoch ins Krankenhaus getreten.
  • Juan Bernat: Der spanische Bankdrücker und Linksverteidiger mit Schwächen in der Defensive wechselte im August nach Paris.
  • Marco Friedl: Das österreichische Nachwuchstalent und Linksverteidiger konnte sich letzte Saison noch nicht für die erste Elf empfehlen und wurde für ein Jahr nach Bremen ausgeliehen.
  • Sebastian Rudy: Ja, auch der passstarke Sechser spielte in früheren Zeiten – vor allem unter Löw – außen in der Viererkette.
  • Corentin Tolisso: Hummels lobte jüngst Kimmich über den grünen Klee, dass dieser auf jeder Position etwas Sinnvolles vollbringen könnte. Gleiches gilt für Tolisso. Bereits bei Lyon wurde er in der Außen- wie Innenverteidigung eingesetzt. Nun schnuppert er jedoch leider frühestens im Frühling wieder Rasenduft in der Allianz-Arena.

Das Nervenkostüm der Vereinsoberen ist angespannt

Kein Wunder also, dass der sonst besonnene Kovac in der Pressekonferenz wütete und Uli Hoeneß den Rafinha-Umgrätscher Bellarabi am liebsten bis zum Weihnachtsfest aus dem Verkehr genommen hätte.  Das Nervenkostüm der Verantwortlichen ist vor den englischen Wochen trotz aller positiven Entwicklungen angespannt. Was passiert, wenn sich Kimmich oder Alaba verletzen oder für ein Spiel zwischendurch eine Pause brauchen? Das ist wie mit der Festplatte. Du hast besser einen Back-Up, wenn sie abstürzt. Die Alternativen für Kovac sind jedoch gesät, denn die Anforderungen an die Außenverteidiger - offensivstark, zweikampfstark und passsicher – sind hoch:

  • Serge Gnabry: Nagelsmann setzte ihn bei Hoffenheim mehrmals überaus erfolgreich auf der Position ein, allerdings im 3:5:2. Auch Kovac testete ihn dort auf der USA-Reise im Sommer. Nach Comans Ausfall wird Gnabry aber vorne wohl noch mehr gebraucht.
  • Renato Sanches: Trotz aller Beteuerungen sitzt der Portugiese nur auf der Bank. Von den obengenannten  Fähigkeiten deckt er eigentlich alle ab. Alleine die fehlende Spielpraxis selbst auf seiner Lieblingsposition und die Probleme im taktischen Verständnis machen diese Option zur Gefahr.
  • Niklas Süle: Ein bisschen zu unbeweglich für die Außenverteidigerposition hat er aber doch bewiesen, dass er auch vorne gefährlich werden kann. Und wir erinnern uns an die taktischen Aufstellungen eines gewissen Joachim Löw…
  • Ersatz aus der U23: Keiner der mit Profi-Verträgen ausgestatten Spieler der zweiten Mannschaften spielt auf dieser wichtigen Position. Am ehesten käme hier Innenverteidiger Lars Lukas Mai in Frage.
  • Umstellung auf 3er Kette: Eine 3er Kette könnte Kovac mehr Möglichkeiten auf der Besetzung der Außenspieler verschaffen, da der defensive Druck geringer wäre. Gnabry oder auch Goretzka böten sich hier an. Bisher jedoch winkte Kovac nach Fragen zu einer solchen taktischen Umstellung immer ab. Ohne ausreichend Übung im Stellungs- und Umschaltverhalten bliebe die 3er Kette ein Risiko.
 
Die Bayern-Fan-Kolumne

Sollten sich auch Kimmich und Alaba verletzten, klafft eine offen Flanke

Welchen Weg Kovac im Ernstfall auch wählt, ein paar Schrauben sind in der bisher perfekt geölten Maschine aus München gelockert. Mehr Schwächen sollte die Konkurrenz in dieser Saison nicht erwarten. Die nächsten sechs Spiele gegen Benfica Lissabon, Schalke 04, Hertha BSC, FC Augsburg, Ajax Amsterdam und Borussia Mönchengladbach entscheiden über den Erfolg der Hinrunde. Verletzen sich bald auch Kimmich oder Alaba hat der FC Bayern eine offene Flanke und die Gegner - vor allem in der Liga - sollten versuchen, hier konsequent reinzustoßen.

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