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Bundesliga

"Spielerflucht" Dauermeister braucht Reset: Beim FC Bayern geht es längst nicht nur um Lewandowski

Robert Lewandowski vs. Oliver Kahn
Nach acht erfolgreichen Jahren der Bruch: Weltfußballer Robert Lewandowski und Bayern-Boss Oliver Kahn.
© Frank Hoermann / Sven Simon / Picture Alliance
Wenn es beim FC Bayern nicht glatt läuft, ist schnell von einem "Fußballbeben" die Rede. Doch der Bruch von Robert Lewandowski mit seinem langjährigen Club lässt tatsächlich aufhorchen. Die Probleme beim Rekordmeister liegen offensichtlich tiefer.

Den Abschied nach acht sensationell erfolgreichen gemeinsamen Jahren hätten sich sicher beide Seiten anders vorgestellt. Irgendwas mit viel Applaus, gegenseitigen Respektsbekundungen, vielleicht sogar ein Abschiedsspiel. Doch inzwischen sagt Robert Lewandowski Sätze wie: "Nach allem, was in den letzten Monaten geschehen ist, kann ich mir eine weitere gute Zusammenarbeit nicht vorstellen." Und FC-Bayern-Boss Oliver Kahn gibt säuerlich zurück: "Wertschätzung ist keine Einbahnstraße." Das Tischtuch ist zerschnitten, und es scheint längst unvorstellbar, dass Lewandowski noch einmal im Trikot jenes Vereins auflaufen wird, für den er in 253 Bundesligaspielen unglaubliche 238 Tore erzielt hat – und noch so viele mehr in Champions League und DFB-Pokal.

Das nun wohl unrühmliche Ende der ruhmreichen Ära Lewandowski ist ein Einschnitt in der Historie des FC Bayern. Dass dieser Moment kommen würde, war lange klar. Dennoch ist die Clubführung um Vorstandschef Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidžić entweder nicht ausreichend vorbereitet oder allzu hemdsärmelig in diese Situation gestolpert. Denn eigentlich war es ja logisch, dass sich die Bayern angesichts Lewandowskis Alter (33) allmählich um einen adäquaten Nachfolger bemühen mussten – und BVB-Knipser Erling Haaland war dabei auch die logische Wahl. Doch nach allem, was von Lewandowski, seinem Berater Pini Zahavi, Kahn und Salihamidžić an die Öffentlichkeit gedrungen ist, fehlte es den Bayern-Bossen dabei dermaßen an Fingerspitzengefühl, dass Lewandowski sich nun brüskiert fühlt und weg will, Haaland zu Manchester City wechselt und die Bayern selbst wie begossene Pudel dastehen.

Robert Lewandowski: Immer mehr Spieler wollen weg

Auch ohne nachzubeten, wer wem welchen Vertrag angeboten hat oder nicht respektive wer was wann (öffentlich) gesagt haben soll, ist klar: Das ist alles andere als gut gelaufen – und der Bruch des erfolgreichsten Torschützen in der Vereinsgeschichte mit dem Club geht recht eindeutig auf das Konto von Kahn und Salihamidžić. Mehr noch: Bayern-Kenner wie Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, der selbst insgesamt zwölf Jahre für die Münchner auflief, erkennen in dem spektakulären Fall ein fatales Muster: "Schade und auffällig, dass immer mehr Spieler den FC Bayern verlassen wollen. Früher war das nicht so", urteilte der 61-Jährige in seiner Sky-Kolumne.

Uli Hoeneß im Interview über Lewandowskis Wechsel-Gerüchte

Darin lässt Matthäus jene Unstimmigkeiten zwischen Salihamidžić und Ex-Coach Hansi Flick über die Transferpolitik unerwähnt, die den äußerst erfolgreichen Flick schon in der vorvergangenen Saison in die Arme des DFB trieben und zum Bundestrainer machten. Matthäus erinnert aber an Niklas Süle, der in der kommenden Saison für Bayerns Erzrivalen Borussia Dortmund spielen wird. Auch der Innenverteidiger fühlte sich nicht wertgeschätzt – und wie zum Beweis rief ihm Vereinspräsident Herbert Hainer "respektvoll" öffentlich hinterher: "Ich weiß jetzt nicht, was der Niklas Süle für ein Gehalt kriegt bei Dortmund, ich glaube allerdings nicht, dass es ein sportlicher Aufstieg ist." Wechselabsichten werden auch Serge Gnabry nachgesagt, der gerüchteweise mit Real Madrid in Verbindung gebracht wird. Bei den Königlichen ist bereits David Alaba, den Matthäus ebenfalls unter den Stars listet, die der FC Bayern nicht (mehr) halten konnte.

FC Bayern: Kein gutes Licht auf Entwicklung des Vereins

Die Gründe seien sicherlich von Fall zu Fall unterschiedlich, doch: "Ein gutes Licht wirft diese Entwicklung auf diesen Verein mit Sicherheit nicht. Einige Spieler fühlen und fühlten sich beim besten deutschen Verein nicht mehr wohl."

Nun gelte es die Causa Lewandowski einigermaßen gesichtswahrend abzuschließen. Zwar hatte Oliver Kahn vor kurzem darauf gepocht, dass der polnische Nationalspieler sein letztes Vertragsjahr beim FC Bayern erfüllen müsse, doch das hält Matthäus für unrealistisch: "Jetzt ist es zu spät, ihn zu halten", so Matthäus bei der "Bild". Und weiter: "Das ist keine Win-Win, sondern eine Lose-Lose-Situation. Beide Seiten würden verlieren, wenn Robert bleiben muss." Lewandowski zieht es für seine letzte große Station als Spieler wohl zum FC Barcelona. Barca soll bereits 32 Millionen Ablöse geboten haben. Bayern will den Stürmer aber keinesfalls unter 40 Millionen ziehen lassen. Lewandowskis Marktwert wird auf 50 Millionen geschätzt. Irgendwo in diesem Rahmen sollten sich alle Beteiligten einigen.

Schleichendes Gift der Unzufriedenheit

Insgesamt zeigt der Fall Lewandowski: Der diffuse Eindruck gegen Ende der vergangenen Saison, dass es beim FC Bayern derzeit nicht stimmt, hat sich bestätigt. Ein volles Jahrzehnt beinahe konkurrenzloser Dominanz und Dauermeisterschaft hinterlässt ganz offensichtlich doch seine Spuren. Denn entgegen aller (sicherlich ehrlicher) Beteuerungen von Manuel Neuer, Thomas Müller und Co. ist beim FC Bayern die Meisterschaft eben doch kein Erfolg mehr, sondern eine Selbstverständlichkeit. Und in der Champions League haben die Bayern zunehmend Mühe mit Größen wie Real, Liverpool, Manchester City oder Paris St.-Germain auf Augenhöhe zu bleiben.

Eine Situation, mit der der ambitionierte Verein nur unzufrieden sein kann. Und Unzufriedenheit ist ein schleichendes Gift. "Man merkt als Profi, ob sich Dinge in einem Club verändern, die Rückendeckung bröckelt und auch sonst vieles nicht mehr so ist, wie man es gewohnt war", schreibt Lothar Matthäus. Klingt, als müsste der FC Bayern dringend den Reset-Knopf finden. Womöglich nicht zuletzt an der Vereinsspitze.

Quellen: Sky; "Bild" (Bezahl-Inhalt), Nachrichtenagentur DPA


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