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Champions League: Prinz Poldi soll die Königlichen besiegen

Kampf der Fußball-Giganten: Im Achtelfinale der Champions League treffen Bayern München und Real Madrid aufeinander. Die Bayern wollen dabei ihre letzte Titelchance wahren. Trainer Hitzfeld setzt auf einen jungen Hoffnungsträger.

Der Klassiker wird zum Krisengipfel - und ausgerechnet gegen den ebenfalls wankenden Fußball-Giganten Real Madrid will Bayern München den Befreiungsschlag schaffen und in der Champions League seine letzte Titelchance wahren. Wie auf Knopfdruck soll morgen im Bernabeu-Stadion beim taumelnden deutschen Fußball-Meister eine doppelte Leistungsexplosion in der wackligen Abwehr und der mauen Offensive erfolgen. "Es muss einmal Klick machen, dann läuft es wieder", glaubt Nationalstürmer Lukas Podolski, den Trainer Ottmar Hitzfeld heute zu seinem Hoffnungsträger für das Achtelfinal-Hinspiel erklärte.

Auf der schillernden Champions-League-Bühne sollen wie in der Vorrunde, als die Bayern ungeschlagen vor Inter Mailand Gruppensieger wurden, alle das "wahre Gesicht" des Rekordmeisters sehen, wie Hitzfeld fordert: "Es geht darum, Real Madrid auszuschalten. Dann wird sich der FC Bayern in Europa und Deutschland zurückmelden."

Während Manager Uli Hoeneß auch am Montag auf dem Flug ins sonnige Madrid schwieg, teilte Vorstandskollege Karl-Heinz Rummenigge den zur Schau gestellten Optimismus nicht. "Jetzt wird man sehen, wer weniger Probleme hat - Real oder wir. Real sieht wie wir in der Champions League die Chance, in einer Saison zu retten, was zu retten ist", sagte er beinahe spöttisch. "Ich bin neugierig, was wir da abliefern werden. Ich hoffe, Besseres als die letzten Monate", stichelte Rummenigge, der den Münchner Profis am Rosenmontag sogar den "Karnevalsverein" Mainz 05 in punkto Leidenschaft als Vorbild empfahl. "Wenn ich sehe, wie die in der Bundesliga ums Überleben kämpfen - das würde ich mir auch von unserer Mannschaft wünschen."

Kahn als Vorbild

In Madrid sollen alle so unter Strom stehen wie Wüterich Oliver Kahn, dem während und nach dem 0:1 in Aachen der Kragen geplatzt war. "Ich kann die Spieler vorbereiten und einstellen, aber der letzte Funke muss von der Mannschaft kommen", mahnte Hitzfeld, der weiß, wie man Real schlägt. Von 10 Champions-League-Partien gegen Real gewann er in seiner ersten Bayern-Amtszeit sechs. In den letzten beiden K.o.-Duellen 2002 und 2004 kamen aber jeweils die Spanier weiter.

"Wir haben das Potenzial wie 1999, 2000 oder 2001. Aber man muss es auch einmal entfalten. Jetzt muss der Knoten platzen", forderte Kahn, der endlich "Kerle" auf dem Platz sehen will: "Wenn ich da nicht leidenschaftlich bin und alles aus mir heraushole, bin ich hier fehl am Platze und muss mir einen anderen Verein suchen." Wie 2001, als die Bayern zu Jahresbeginn nach einer 0:3-Pleite bei Olympique Lyon in Trümmern lagen, aber am Saisonende den Champions-League-Pokal in Händen hielten, glaubt der Kapitän an den neuen Coup. "Es ist möglich, aber dann muss man diese Dinge auch erzwingen", sagte Kahn.

Magath sieht Trainerwechsel als Vorteil für Bayern

Ausgerechnet Felix Magath sieht in seiner Entlassung einen womöglich entscheidenden Vorteil für Bayern München im Champions-League-Duell mit Real Madrid. "Der Trainerwechsel sollte den Ausschlag für den FC Bayern geben, dadurch scheint mir eine neue Stimmung in die Mannschaft hineingekommen zu sein", schreibt der 53 Jahre alte Fußballlehrer, der beim deutschen Rekordmeister vor drei Wochen Ottmar Hitzfeld weichen musste, in einer Kolumne für den "kicker".

Er sehe die Bayern im Achtelfinale gegen Real im Vorteil, weil sie in einer sportlich kritischen Situation im Gegensatz zum spanischen Rekordmeister gehandelt hätten. "Sie haben mit dem Trainerwechsel Ottmar Hitzfeld für Felix Magath etwas unternommen, während bei Real alles beim Alten geblieben ist; nach wie vor herrscht große Unruhe bei den Spaniern", erläutert Magath.

Hoffnungsträger Poldi

In Madrid geht es zunächst um Schadensbegrenzung. "Ziel ist, ein Ergebnis zu erzielen, dass uns im Rückspiel die Tür offen lässt", formulierte Rummenigge. "Ein Erfolg wäre schon ein Unentschieden", ergänzte Hitzfeld. Für das wichtige Auswärtstor ist Podolski neben Roy Makaay sein Joker. Der 21-Jährige gab nach Wadenproblemen grünes Licht und erhält den Vorzug vor Claudio Pizarro. "Ich setze auf Lukas. Er ist vielleicht unbekümmert. Er ist dem Druck gewachsen, das hat er bei der WM gezeigt. Und er harmoniert gut mit Makaay", begründete Hitzfeld. Podolski brennt: "Gegen Real in Madrid - das ist etwas ganz anderes als gegen Aachen." Im Mittelfeld baut Hitzfeld auf "Laufwunder" Owen Hargreaves, den er nach einer Grippe in Aachen noch geschont hatte. "Real spielt oft nur mit einem Stürmer, da müssen wir ein laufstarkes Mittelfeld haben", betonte der Bayern-Coach.

Auch wenn die Galaktischen wie Zinedine Zidane, Ronaldo oder Luis Figo Madrid längst verlassen haben, ist Real auch 2007 immer noch mehr als nur ein Mythos. Der umstrittene Trainer Fabio Capello hat den im Sommer in die USA flüchtenden David Beckham begnadigt, und die Abwehr ist mit seinem italienischen Landsmann und Weltmeister Fabio Cannavaro stabiler geworden. Vorne liegen die Probleme, aber in Ruud van Nistelrooy lauert dort ein Torjäger, um den auch die Bayern vor Saisonbeginn gebuhlt hatten. "Bammel haben wir vor keinem Spieler", sagte Hitzfeld: "Ich habe vollstes Vertrauen in meine Spieler."

Klaus Bergmann/DPA / DPA

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