Champions League vs. Uefa Cup Bayern scheffelt, Schalke bettelt


Champions League und Uefa-Cup gehen in die erste Runde. Die Kluft zwischen den Wettbewerben ist gewaltig. Während die Champions League für die Teilnehmer eine Geldvermehrungsmaschine darstellt, bleiben für die Vertreter im Uefa-Cup nur Brosamen übrig. Die Missverhältnisse werden 2009 noch schlimmer.
Von Frank Hellmann

Wer Fan des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 ist, hat es dieser Tage nicht einfach. Und daran ist nicht allein die verschluderte 3:0-Führung im prestigeträchtigen Derby bei Borussia Dortmund schuld. Vielmehr wird dem königsblauen Anhang jetzt schmerzhaft vor Augen geführt, was die peinlich verfehlte Qualifikation für die Champions League bedeutet.

Statt sich wie im Vorjahr mit Renommierten wie dem FC Valencia, FC Chelsea oder FC Barcelona in der Königsklasse zu messen, beginnt heute die lästige UEFA-Tingeltour beim zyprischen Vertreter Apoel Nikosia. Pflichtaufgabe erste Runde, Anstoß 18 Uhr. Wer nicht auf die Mittelmeer-Insel reist, schaut als Schalke-Sympathisant in die Röhre. Fernsehbilder gibt es keine. Und zum Geldverdienen taugt der Wettbewerb ohnehin nicht.

Bundesligisten machen sich gegenseitig das Geschäft kaputt

Das kann auch der Hamburger SV bestätigen, der gegen den rumänischen Nobody Unirea Urziceni (Donnerstag 19 Uhr) antritt und ebenfalls ohne Live-Übertragung leben muss. Aber nur weil das Spiel von Hertha BSC gegen das irische Team St. Patrick's (Dienstag 18 Uhr/ live im DSF) oder die Partien des VfB Stuttgart bei Cherno More Varna (Donnerstag 17 Uhr/DSF), des VfL Wolfsburg gegen Rapid Bukarest (Donnerstag 19 Uhr/DSF) und von Borussia Dortmund gegen Udinese Calcio (Donnerstag 20.45 Uhr/ARD) in voller Länge über die Mattscheibe flimmern, heißt das nicht, dass der Rubel rollt. Im Gegenteil: Die niedrigen sechsstelligen TV-Summen decken gerade mal die Kosten für Flug, Unterbringung und Prämien. Und das wird sich auch bis zur Jahreswende mit den Gruppenspielen nicht entscheidend ändern.

Zu viele Bundeslisten machen sich gegenseitig das Geschäft kaputt - ohne etwas dafür zu können. "Substanziell Geld zu verdienen gibt es erst nach der Gruppenphase", erklärt Katja Kraus, beim Hamburger SV Vorstandsmitglied Marketing, die früher bei der Vermarktungsagentur Sportfive gearbeitet hat. Sportfive ist auch mit den meisten Bundesligisten verbandelt und hat es geschafft, dass zumindest DSF, ARD und ZDF so viel UEFA-Cup wie möglich präsentieren.

Scharfe Trennlinie

Doch die Zeiten sind vorbei, dass die Öffentlich-Rechtlichen einen zweitklassigen Wettbewerb mit irrwitzigen Millionen-Beträgen subventionieren. Ergo: Wer Geld verdienen will, muss weit kommen. Oder FC Bayern München heißen. Obwohl der deutsche Rekordmeister in der vergangenen Saison bis ins Halbfinale vordrang, gab es von der UEFA nur 4,5 Millionen Euro an offiziellen Prämien. Doch mehr als zehn Millionen schöpften die Bayern vom exklusiven Fernsehpartner Pro Sieben ab, da die Klubs bis zum Viertelfinale ihre Partien selbstständig vermarkten dürfen. Damit ist es jedoch ab 2009 auch vorbei. Mit der Reform des UEFA-Cups greift auch die zentrale Vermarktung des europäischen Dachverbandes, der künftig auch einheitlich immer donnerstags um 19 und 21 Uhr spielen lässt. Sat.1 hat sich die Rechte gesichert - Mehrerlöse für die Bundesliga sind da nicht drin, im Gegenteil. "Wer richtig Geld verdienen will, muss in der Champions League spielen", weiß Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser aus Erfahrung.

Die Trennlinie ist scharf - davon singen sie auch an der Weser an Lied. Denn Werder Bremen, zuletzt zweimal winters aus der Champions League in den UEFA-Cup zurückversetzt, will diesmal mit aller Macht ins Achtelfinale. Und das nicht allein aus sportlichen Gründen. Zwei K.-o.-Partien unter den letzten 16 der Königsklasse bringen mehr ein als drei zähe Runden im Verlierer-Cup. Allein die Champions League garantiert gigantische Verdienstmöglichkeiten. Seit Gründung 1992 hat der FC Bayern mit seinen ein Dutzend Teilnahmen hier 233 Millionen Euro nur mit offiziellen UEFA-Prämien verdient - allein Manchester United scheffelte mehr Millionen. Bayer Leverkusen zog immerhin 111 Millionen aus den Fleischtöpfen ab, Borussia Dortmund 85 Millionen, Werder Bremen 68. Schalke 04 schaffte es eingedenk des Viertelfinal-Einzugs, summa summarum fast 27 Millionen an Prämien und Bonuszahlungen der UEFA zu erlösen.

Im Vorjahr schüttet die Europäische Fußball-Union für seinen Vorzeigewettbewerb 585 Millionen an die 32 Teilnehmer aus, 277 Millionen davon kommen aus dem Marktpool, der den Wert der nationalen Fernsehverträge berücksichtigt. Sat.1 und Premiere bedienen den deutschen Markt und teilen sich in dieser Spielzeit die Spiele von München und Bremen. Immer der FC Bayern und Werder auswärts antreten, schaltet sich mittwochs auch das Free-TV auf das Signal des Pay-TV-Anbieters. Insgesamt 13-mal gibt es die Champions League kostenfrei.

Der deutsche Meister und Vizemeister kommen so oder so auf ihre Kosten. Durch das Ausscheiden des FC Schalke in der Qualifikation können sich Bayern und Werder - pikanterweise Gegner am kommenden Samstag in der Bundesliga - den mit 37 Millionen gefüllten Marktpool im Verhältnis 55:45 alleine aufteilen. Das königsblaue Scheitern hat also die Roten und Grün-Weißen mit einem Schlag um fünf bis zehn Millionen reicher gemacht. Jedem Vertreter sind 20 Millionen sicher.

Champions League macht Tilgung im Handstreich möglich

Wenn es noch eines Beleges bedarf, was der elitäre Zirkel mit den exklusiven Sponsoren namens Champions League wert ist, der blickt in die Bilanzen der Werder Bremen GmbH & Co KGaA. Vor allem deshalb haben die Hanseaten den Umsatz von einst 40 Millionen Euro (vor dem Doublejahr 2004) auf mittlerweile 111 Millionen gesteigert. Kontinuierlich sind alle entscheidenden Kenngrößen kräftig gewachsen, "da hat uns natürlich die Präsenz in der Champions League sehr geholfen", gibt Geschäftsführer Klaus Allofs zu. Nur die Auftritte im erlauchten Zirkel erlauben es, Leistungsträger wie Torsten Frings, Per Mertesacker, Naldo und Diego langfristig zu binden - und zu bezahlen. Ohne Champions-League-Millionen würde Werder in seiner heutigen Ausprägung nicht existieren.

Pikanterie am Rande: Auch der Bremer messen sich genau wie Schalke heute zum Auftakt mit einem zyprischen Außenseiter. Es geht im Weserstadion, wo gerade der 60 Millionen Euro teure Umbau in eine modernere Arena begonnen hat, gegen Anorthosis Famagusta (20.45 Uhr). Im Gegensatz zum Vergleich Nikosia gegen Schalke findet solch eine Partie europaweit Widerhall, wird live übertragen und 600.000 Euro winken allein an Siegprämie. Für Famagusta eine unglaubliche wie unverhoffte Chance. Der Verein aus dem Exil - nach der türkischen Invasion 1974 musste der Klub aus Famagusta zuerst nach Limassol und dann nach Larnaka umziehen - gibt gerade einmal acht Millionen Euro für sein kickendes Personal aus und klagte vor kurzem noch über drei Millionen Euro Verbindlichkeiten. Die Champions League macht die Tilgung im Handstreich möglich.


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