Der Fall Klose "Entschieden, nach München zu gehen"


Das Verwirrspiel um Miroslav Klose nimmt immer groteskere Züge an: Nach dem Länderspiel verriet der Werder-Stürmer erstmals, dass er 2008 für Bayern spielen werde. Fix ist der Transfer aber deshalb noch lange nicht. Auch weil sich bei Werder mittlerweile ein internationaler Topclub gemeldet hat.

Das ersehnte Tor blieb ihm durch ein Uefa-Urteil zwar wieder verwehrt, doch Miroslav Klose redete plötzlich lieber über seinen künftigen Arbeitgeber. Kurz vor den Sommerferien brach der Stürmer in der Mixed-Zone der Hamburger AOL-Arena nach dem Länderspiel gegen die Slowakei das Schweigen über seine Zukunft und kündigte nach Monaten der Krise einen schnellstmöglichen Wechsel zum FC Bayern an. "Fakt ist, dass ich mich entschieden habe, 2008 für Bayern München zu spielen", sagte Klose der verblüfften Journalistenschar.

Ein sofortiger Abschied von Werder Bremen wäre dem 28-Jährigen aber noch lieber. "Wenn es doch noch klappt, dass ich dieses Jahr bei Bayern spiele, dann freue ich mich natürlich auch", betonte der WM-Torschützenkönig zu mitternächtlicher Stunde. In den Transferpoker um den besten deutschen Stürmer hat sich nach neuesten Informationen des "kicker" (Donnerstagausgabe) allerdings nun wohl doch noch ein ausländischer Club eingeschaltet. Die Verantwortlichen des französischen Meisters Olympique Lyon haben mittlerweile ebenfalls bei Werder wegen Klose nachgefragt. Die überraschende Initiative aus Lyon könnte den bereits als fix geltenden Wechsel zu den Bayern durchaus noch mal gefährden.

Die andauernden Diskussionen um seine Person sind an Klose jedenfalls nicht spurlos vorbeigegangen. "Entspannt ist was Anderes. Jeder weiß, wie sehr ich mich auf den Urlaub freue", ergänzte der seit Monaten glücklos agierende Stürmer von Werder Bremen. Gegen die Slowakei war ihm das Bemühen zum Torerfolg nicht abzusprechen. Klose zeigte sich vor allem auch im Vergleich zum San Marino-Spiel stark verbessert, der Angreifer rackerte viel, gab endlich auch mal wieder seinem Nebenmann Kevin Kuranyi Anweisungen und arbeitete sich sogar Torchancen heraus.

"Wichtig ist, dass er drin war"

Aber vom Glück war er auch dieses Mal nicht verfolgt. Der Führungstreffer wurde zunächst ihm zugesprochen, dann aber offiziell doch als Eigentor des Slowaken Jan Durica gewertet. "Natürlich ist das ein Unterschied. Ich hätte das Ding gern selbst gemacht", sagte Klose, der nun seit 345 Spielminuten und seit dem 6. September 2006 (13:0 in San Marino) auf ein Tor im Nationaldress wartet. Am zweiten deutschen Treffer durch Thomas Hitzlesperger war Klose indirekt dann auch beteiligt, als er den Ball im gegnerischen Strafraum einem slowakischen Abwehrspieler abjagte und Torflankengeber Lahm zuspitzelte.

An internem Zuspruch mangelt es dem künftigen Bayern-Spieler weiterhin nicht. "Natürlich hätten wir es ihm gegönnt", sagte Torsten Frings, mit dem Klose vor der Partie noch über die Medien ein albernes Verbalgefecht ausgetragen hatte. Auch Mario Gomez, durch Kloses Stammplatzgarantie in der Jokerrolle gefangen, konnte als Stürmer mitfühlen und sprach den Treffer kurzerhand seinem Teamkollegen zu. "Ohne ihn wäre das Tor sicherlich nicht gefallen." Klose hakte die Situation schnell ab: "Ich hatte das Gefühl, dass er mir an den Schienbeinschoner geschossen hat. Wichtig ist, dass er drin war, nur das zählt."

Der wahre Miroslav Klose

Seinen größten Fürsprecher hat Klose weiter in Joachim Löw. "Er hat stark verbessert gespielt und viel für die Mannschaft getan", lobte der Bundestrainer sein Sorgenkind. Eine Leistungsexplosion sei im letzten Saisonspiel von keinem Akteur zu erwarten gewesen. Die Auswechslung Kloses nach 74 Minuten begründete der Coach mit Rückenproblemen, die ihm der Stürmer signalisiert habe.

In den zehn Tagen bei der Nationalmannschaft will Löw bei Klose eine Verbesserung des Gemütszustands festgestellt haben. "Man hat gemerkt, dass er wieder positiver war, ein Stück erleichtert", sagte der DFB-Chefcoach. Die Sommerpause werde ihm besonders gut tun. "Ich bin sicher, dass wir nächstes Jahr wieder den wahren Miroslav Klose sehen", sagte Löw. Geht es nach Klose, wird er diese Ankündigung im Trikot des FC Bayern München unter Beweis stellen.

Klaus Bellstedt mit DPA


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