Deutschland gegen Russland Vorne hui, hinten pfui


Beim letzten Testspiel vor dem Confed-Cup hat die DFB-Elf ihre Form unter Beweis gestellt. Am Ende jedoch setzte es dank löchriger Abwehr und Schwächen in der Konzentration ein unbefriedigendes Ergebnis.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat bei der Generalprobe für den Confederations Cup in letzter Minute einen Sieg aus der Hand gegeben. Eine Woche vor Beginn des Turniers musste sich das Team von Jürgen Klinsmann am Mittwoch in Mönchengladbach mit einem 2:2 (1:1) gegen Russland begnügen, obwohl es lange Zeit eine hoffnungsvolle Leistung gezeigt hatte. Probleme in der Abwehr brachten die Mannschaft, die durch die ersten beiden Länderspiel-Tore von Bastian Schweinsteiger lange geführt hatte, um den verdienten Lohn. Andrej Arschawin traf in der Nachspielzeit nach einem Stellungsfehler von Thomas Hitzlsperger zum Ausgleich. Alexander Anjukow hatte die Gäste vor 46.228 Zuschauern im Borussia Park in der 26. Minute in Führung gebracht.

Vier Tage nach der Gala von Michael Ballack beim 4:1 in Nordirland spielten sich gegen die taktisch klug eingestellte Sbornaja Schweinsteiger und Lukas Podolski ins Rampenlicht. Der Kölner Zweitliga-Torschützenkönig imponierte mit Spielverständnis und Schusskraft und empfahl sich mit seiner Leistung für einen Stammplatz bei der anstehenden WM-Generalprobe. Der 20-Jährige harmonierte auffällig gut mit Schweinsteiger, der für die Risikobereitschaft in seinem 14. Länderspiel mit zwei Treffern belohnt wurde. Der Münchner war für den Bremer Fabian Ernst in die Startelf gerückt.

Ballack ohne Bums

Ab der 60. Minute bildete Podolski bis zu seiner Auswechslung kurz vor Schluss gemeinsam mit Mike Hanke den Bubi-Sturm. Der Schalker kam als neunter Debütant unter Jürgen Klinsmann zum Einsatz. Michael Ballack konnte der Begegnung dagegen nicht wie erhofft seinen Stempel aufdrücken. Der Kapitän wurde zwar ständig von seinen Mitspielern gesucht, büßte aber durch Fehlpässe einiges an Wirkung ein. In der 79. Minute vergab Ballack die Großchance zum 3:1.

Trotz des harten Trainingslagers imponierte die Klinsmann-Elf mit Tempo-Fußball und Risikofreude. Probleme offenbarte das Team indes erneut auf den Außenpositionen. Andreas Hinkel, für den formschwachen Patrick Owomoyela ins Team gekommen, hatte in der Offensive ganz starke Szenen, schmälerte den guten Eindruck aber durch unnötige Ballverluste in der Rückwärtsbewegung. Auf der linken Seite klappte die Abstimmung zwischen Robert Huth-Vertreter Arne Friedrich und Thomas Hitzlsperger nicht immer zur Zufriedenheit des Bundestrainers. Während Bernd Schneider eine Steigerung gegenüber dem Nordirland- Spiel gelang, ging Torsten Frings in der Spieleröffnung manches daneben.

Erfolge und Rückschläge

Die ersten Achtungszeichen in einer schwungvoll beginnenden deutschen Mannschaft setzte Podolski. Der 20-Jährige prüfte Sergej Owtschinnikow in der 14. Minute aus 18 Metern und lieferte nur zwei Minuten später eine weitere Kostprobe seiner Schusskraft, als der Ball knapp am russischen Tor vorbeiflog. Doch schon frühzeitig offenbarten sich in der deutschen Hintermannschaft auch wieder Probleme mit der Abstimmung. Konnte der von den Fans mit freundlichem Applaus begrüßte Oliver Kahn in der 21. Minute bei einem Gewaltschuss von Sergej Semak nach das Schlimmste verhindern, so war er fünf Minuten später doch geschlagen.

Nach einem Doppelpass mit Dimitri Sytschew setzte sich Anjukow im Laufduell gegen Friedrich durch und überwand den Bayern-Schlussmann aus spitzem Winkel. Doch wie schon am Samstag in Belfast hatte die deutsche Mannschaft auf den Rückstand fast postwendend die richtige Antwort parat. Podolski leitete eine Flanke von Hinkel geschickt weiter auf Schweinsteiger, der mit einem von Anjukow leicht abgefälschten Schuss zum 1:1 traf. Nach dem Ausgleich hatten die Hausherren ihre stärkste Phase und verpassten mehrfach nur knapp die eigentlich verdiente Pausenführung. Die beste Möglichkeit vereitelte Owtschinnikow (45.) gegen den freistehenden Per Mertesacker.

Mit Beginn der zweiten 45 Minuten kam Sebastian Deisler für Hinkel ins Spiel, dafür rückte Schneider auf die rechte Abwehrseite. Mit fortschreitender Spielzeit machte sich bei der jungen deutschen Mannschaft das kraftraubende Training der letzten Tage in fehlender Spritzigkeit bemerkbar. Doch in der 69. Minute fasste sich Schweinsteiger ein Herz, spielte Semak aus und schoss von der Strafraumgrenze aus unhaltbar ein.

Jens Mende und Oliver Hartmann/DPA DPA

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