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Drei Fragen zum 23. Spieltag: Auf der Suche nach dem neuen Bayern-Code

Bayern München, Hertha BSC, 1. FC Köln: drei Klubs, drei unterschiedliche Krisen. Vor dem 23. Spieltag beleuchten wir die Situationen in den Vereinen. Die wichtigste Frage: Was läuft bei den Bayern eigentlich falsch?

In der Bundesliga steigen bekanntlich zwei Teams direkt ab, in der Relegation könnte es eine dritte Mannschaft erwischen. Eigentlich müssten deshalb die aktuell bedrohtesten Vereine aus Freiburg, Augsburg und Kaiserslautern als besondere Krisenherde gelten. Wenn es in der Bundesliga UN-Blauhelme gäbe, lägen die Einsatzgebiete derzeit aber wohl eher in München, Berlin oder Köln. Beginnen wollen wir mit dem heftigsten aller Gewitter.

1.) Was läuft in München eigentlich falsch?

17 von 18 Bundesligisten wären mit Platz drei in der Liga, dem Halbfinale im DFB-Pokal und dem Achtelfinale in der Champions League vollkommen zufrieden – in München ticken die Uhren aber eben anders. "Was ist eigentlich passiert zwischen Weihnachten und heute", fragte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge beim Bankett in Basel und blickte in ratlose Gesichter.

Denn das eigentliche Problem bei den Bayern sind nicht die fehlenden Ergebnisse in diesem Jahr, es geht darum, wie die Mannschaft auftritt und wie leicht es die Gegner teilweise haben. In der Hinrunde wäre ein Spiel wie im St. Jakob-Park deutlich für die Bayern ausgegangen. Eine frühe Führung, mit der die dominante Spielweise gleich doppelt so schön aussieht, ein verunsicherter Gegner und daraus resultierend weitere Torchancen, die mit Selbstvertrauen auch genutzt worden wären.

Hätte und wäre sind aber schlechte Begleiter, denn der Bayern-Code ist entschlüsselt und Trainer Jupp Heynckes kriegt das Schloss einfach nicht mehr zu. Selbst ein limitierter Gegner wie der FC Basel konnte die stürmische Anfangsphase mit Glück und einem grandiosen Torwart Yann Sommer überstehen, um dann nach zehn Minuten schon selbst auf Angriff umzuschalten und im Endeffekt die besseren Chancen zu haben.

Die Bayern haben derzeit einfach keinen Plan B. Taktisch hat sich die Mannschaft unter Heynckes nicht weiterentwickelt, die Gegner treten mittlerweile alle mit dem gleichen Konzept an – und haben, zumindest auswärts, Erfolg.

Derzeit spricht vieles, wenn nicht sogar alles, für das zweite titellose Jahr der Bayern in Folge. Heynckes wird aber trotzdem bis zum Ende der Saison nicht von einem Retter mit Blauhelm abgelöst, dafür ist die Verbundenheit zwischen dem Trainer und Präsident Uli Hoeneß zu groß. Zur neuen Saison wird sich dann aber ein neuer Coach mit der Aufstellung eines neuen Bayern-Codes versuchen dürfen.

2.) Bekommt König Otto seine Gefolgschaft schnell zum Laufen?

Nur schwer zu beantworten ist in Berlin die Frage, wer sich in der Außendarstellung dilettantischer angestellt hat: Christian Wulff oder Michael Preetz. Ex-Bundespräsident Wulff ist mittlerweile weg, Hertha-Manager Preetz darf weitermachen. Beide Krisenherde sollen alte Männer bekämpfen, Joachim Gauck (72) wird erster Mann im Staat, König Otto (73) hat bei der Hertha auch ein neues Reich bekommen und wurde von der CDU gleich als Wahlmann für die Gauck-Wahl am 18. März bestellt.

Pessimisten rechnen bereits mit der Wiedereinführung des Liberos, wenn nicht hinter, dann zumindest vor der Abwehr. Mit kontrollierter Offensive zum Klassenerhalt – klingt doch gar nicht schlecht. Rehhagel hat in einem Interview mit dem "Kicker" schon mal klargestellt, was sich seit seinem Abgang aus der Bundesliga vor knapp zwölf Jahren verändert hat: "Nix!"

Rehhagel ist sich zumindest bewusst, dass ein radikaler Umbau der Mannschaft oder sogar ein komplett neues System mitten in der Saison nur schwer einzuführen ist. "Großartig Umstellungen plane ich nicht", erzählte Rehhagel den Journalisten in Berlin und greift, wie bei seinem Spielmacher Raffael, lieber in die psychologische Kiste: "Du kennst ja Messi, der ist ein Superstar. Aber der stellt sich auch in den Dienst der Mannschaft, deshalb ist er so gut." Solch ein Satz kommt bestimmt besser an, als dieser: "Wenn man jung ist, hat man die ganze Geschichte noch nicht so hundertprozentig durchschaut, aber dazu bin ich ja da." Geht das erste Endspiel in Augsburg verloren, könnte der König-Otto-Effekt jedenfalls schnell verpufft sein.

3.) Kölner Fitness: Lösung in der Fastenzeit?

In der fünften Jahreszeit herrscht in Köln bekanntlich Ausnahmezustand, da wollten sich in diesem Jahr auch die Profis des FC nicht zurücknehmen. Aufsehen erregende Interviews, im Gleisbett endende Alkoholfahrten, gebrochene Nasenbeine auf Karnevalsfeiern, das Team von Trainer Stale Solbakken machte zuletzt mehr Schlagzeilen abseits des Platzes. Da es aber auch sportlich nicht läuft (vier Niederlagen in den letzten sechs Spielen), wird das Krisengerede in Köln nach dem Aschermittwoch und der beginnenden Fastenzeit merklich lauter.

Die neueste Diskussion dreht sich um die vielen späten Gegentore der letzten Wochen, Solbakken musste sich mit dem Vorwurf der fehlenden Fitness seiner Spieler auseinander setzen. Wir berichteten schon vor der Saison von diesem Dilemma. "Wenn man Fußballern die lange Leine lässt, nutzen sie das aus", soll ein Spieler dem "Express" gesteckt haben. Der Norweger wehrt sich, es habe damit "zu tun, dass wir routinierter sein müssen in der Schlussphase". Insgesamt klingen die Probleme, typisch Köln ist man geneigt zu schreiben, aber hausgemacht. Der FC wird den Klassenerhalt schaffen und Realisten wissen, dass mit dieser Mannschaft auch nicht mehr drin ist. Die Blauhelme können wegbleiben.

Marcus Krämer

sportal.de / sportal

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