Deutschland vor dem "Finale" Auf der Suche nach Alternativen

Die deutsche Stammformation schien sich nach dem Auftaktsieg gegen Polen gefunden zu haben. Doch nach der Kroatien-Pleite ist das Gefüge komplett durcheinander geraten. Bundestrainer Joachim Löw muss jetzt nach personellen Alternativen suchen - die Frage ist nur: Hat er diese überhaupt?
Von Martin Sonnleitner

Die 1:2-Niederlage gegen Kroatien hat viele Defizite der deutschen Mannschaft offenbart. Umso mehr stellt sich nun die Frage nach personellen Optionen. Im "Endspiel" um den Einzug ins Viertelfinale gegen Gastgeber Österreich am Montag muss etwas passieren, zu starr war die deutsche Stammformation, zu phlegmatisch deren taktischen Reaktionsmuster. Deutschland tut also gut daran, endlich auch die Bankspieler konsequent in den weiteren Turnierverlauf einzubinden.

Löw beschäftigte sich schon am Tag nach Kroatien intensiv mit schnellen Lösungen für das Österreich-Spiel. "Ein bis zwei" personelle Veränderungen in der Startelf seien gegen die Österreicher denkbar, verriet Löw - womöglich werden es mehr. Neben Lukas Podolski (Kapselverletzung am Fuß) laboriert Philipp Lahm an einem Bluterguss in der Wade. Und der gegen die Kroaten völlig überforderte Marcell Jansen hat eine Schulterverletzung erlitten; er ist aber sowieso nicht mehr für die Startelf vorgesehen.

Spieler, die Akzente setzen

Nicht nur wegen der Verletzten plant Löw den Umbau seiner Stammelf. Der weiterhin um seine Form ringende Christoph Metzelder dürfte ebenso zur Disposition stehen wie der glücklose Angreifer Mario Gomez. Und im Mittelfeld fahndet der DFB-Chefcoach nach der Dummheit von Bastian Schweinsteiger, der nach seiner Roten Karte für ein Spiel gesperrt wurde, nach einer neuen Idealbesetzung für die gegen Kroatien lahmende Flügelzange. "Es gibt Überlegungen, Spieler zu bringen, die in der Lage sind, Akzente zu setzen", erklärte Löw.

Zu schade nur, dass Heiko Westermann, der für Schalke 04 eine starke Saison spielte, nach einer Trainingsverletzung ebenfalls mit bandagierter Hand spielen müsste. Westermann bestach im Vergleich zu Jansen neben kraftvoll-offensiven Flankenläufen durch robustes Zweikampfverhalten und könnte sowohl innen für Metzelder als auch außen für Jansen spielen. Abwehrkollegen Arne Friedrich wäre eine Alternative für innen oder rechts in der Kette.

Frings' und Ballacks Schattenmänner

Im Mittelfeld sind Torsten Frings und Michael Ballack die unumschränkten Herrscher. Doch auch hier sollte immerhin die Option gezogen werden können, bei zu festgefahrenen Situationen den Wechsel vorzuziehen. Als Backup Nummer eins für Frings gilt Simon Rolfes, der zuletzt in Leverkusen wie die ganze Mannschaft, komplett außer Form war, davor aber die Experten über lange Phasen begeisterte. Der Blondschopf ist kämpferisch wie technisch in der Lage, die Nahtstelle zwischen Abwehr und Offensive abzudichten und dennoch Akzente nach vorne zu setzen.

Als Ballack-Ersatz käme Tim Borowski in Frage, der insgesamt zwar nicht an das internationale Topniveau des Kapitäns heranreicht, mit harter Zweikampfführung, einem satten Schuss und auch Strafraumgefährlichkeit aber jederzeit in der Lage wäre, positive Akzente zu setzen.

Alternativen für Flügelzange und Angriff

Ebenso Piotr Trochowski, den Löw anstelle des Dribbelkönigs Marko Marin als Joker mit zur EM genommen hat. Trochowski ist technisch versiert, schussgewaltig und einer, der aus dem Nichts in der Lage ist, ein Tor zu erzielen - zudem ist er in allen drei Kreativpositionen im Mittelfeld einsetzbar. Borowski wäre auch eine Alternative für das linke Halbfeld, ebenso wie Thomas Hitzlsperger.

Die deutschen Sturm-Asse Miroslav Klose und Mario Gomez standen sich gegen Kroatien eher gegenseitig auf den Füßen, als dass sie sich konstruktiv unterstützten. Zu ähnlich sind sich beide als Spielertypen. Wenn mit Podolski nun der potenzielle zweite Angreifer fehlt, rücken Kevin Kuranyi und Oliver Neuville ins Blickfeld, wobei Neuvilles speziellen Eigenheiten als umtriebiger Strafraumwühler gefragt sein könnten.


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