Russland - Spanien Die Russen wollen Revanche


In der Vorrunde war die Sache klar: Mit 4:1 fertigte Spanien die naiven Russen ab. Doch vor dem zweiten Halbfinale der EM (ab 20.30 Uhr im stern.de-Liveticker) packt die Elf von Trainer Luis Aragones ein wenig die Angst. Und das liegt nicht allein an Superstar Andrej Arschawin, sondern an einem ungeliebten Kleidungsstück.

Spanien zittert vor EM-Star Andrej Arschawin und dem ungeliebten gelben Trikot, Russland fiebert der Revanche für die Vorrunden-Pleite entgegen: Während die Mannschaft von Guus Hiddink vor dem zweiten Halfinale in Wien dank des rasanten Kombinations-Fußballs zum Geheimfavoriten aufgestiegen ist, muss die "Seleccion" auf dem Weg zum ersten Titel seit 44 Jahren in erster Linie den zuletzt überragenden "russischen Teufel" in den Griff bekommen.

Wirbel um Aragones-Wechsel

Trainer Luis Aragones beschäftigte sich aber nicht nur mit dem wichtigsten Spiel der Seleccion seit 24 Jahren: Nach dem Erfolg der Roten Furie hatten die Spanier zuletzt auf eine Vertragsverlängerung des 69-Jährigen gehofft, doch der türkische Traditionsklub Fenerbahce Istanbul bestätigte am Mittwoch die Verpflichtung des Coaches. Nach der EM werde Aragones einen Vertrag bis 2010 unterzeichnen, hieß es. Er soll rund 6,5 Millionen Euro brutto pro Saison verdienen.

Aragones hielt sich mit Kommentaren zu dem Wechsel aber zunächst zurück. "Ich bin etwas verwirrt, weil ich noch nichts und bei niemandem etwas unterschrieben habe", sagte der Coach auf der abschließenen Pressekonferenz in Wien.

Der Aufstieg von Arschawin zum EM-Star ist dem "Weisen von Hortaleza" allerdings nicht entgangen. "Er spielt ein sehr gutes Turnier. Wir dürfen ihm genauso wenig wie den anderen Russen Raum zur Entfaltung lassen. Sie sind das physisch stärkste Team im Halbfinale", sagt Aragones. Er hat angeblich den perfekten Plan entwickelt, um den pfeilschnellen Angreifer von UEFA-Cup-Sieger Zenit St. Petersburg zu bremsen: "Mit Senna und Sergio Ramos will er auf dem Boden der Schnelligkeit des Teufels Arschawin entgegenwirken", behauptet die Sporttageszeitung "AS".

Unterdessen fordert Mittelfeldspieler Xavi, dass sich der Europameister von 1964 nicht von dem deutlichen 4:1 zum Auftakt der EM blenden lassen soll: "Russland hat unglaubliches Selbstvertrauen. Das wird eine völlig andere Partie als in der Vorrunde."

Dies gilt zum Leidwesen auch für die Trikot-Wahl. Da die Spanier als "Gastmannschaft" in die Vorschlussrunde gehen, müssen sie mit den ungeliebten gelben Trikots auflaufen. Aragones, hat eine tiefe innere Abneigung gegen die Auswärts-Jerseys der Spanier. Bei der WM 2006 warf er einen gelben Begrüßungsstrauß in den Mülleimer. Seine Frau Pepa unterstrich: "Luis hat nie zugelassen, dass unsere Kinder Gelb tragen."

Ärger ums Hotel

Als gutes Omen gilt der Seleccion wenigstens, dass sie ihre bisherigen beiden EM Halbfinal-Spiele 1964 und 1984 gewonnen hat. Pech hatten die Spanier aber auch bei der Auswahl des Hotels. Aus Aberglaube wollte der Europameister von 1964 in Wien in dieselbe Herberge einziehen wie vor dem Viertelfinal-Sieg gegen Italien. Doch die Russen waren schneller. Direkt nach dem Triumph in der Runde der letzten Acht gegen die Niederlande schnappten sich die Russen das NH Danobe - es gehört zu einer spanischen Hotelkette. Die Spanier mussten ins Hilton ausweichen.

Derweil macht der "kleine Zar" Arschawin nicht nur die spanische Nationalmannschaft ein bisschen verrückt. Auch der FC Barcelona ist neuerdings ganz aufgeregt. Der umstrittene Barca-Präsident Joan Laporta stellt am 6. Juli die Vertrauensfrage. Um daraus als Sieger hervorzugehen, will er den Fans den russischen Wirbelwind präsentieren. Die russische Nummer zehn ist nicht abgeneigt. "Ich war schon immer ein großer Barca-Fan. Vor allem zu der Zeit, als Romario dort spielte. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal die Möglichkeit habe, für diesen Klub zu spielen", sagt Arschawin. Er ist auch noch beim FC Arsenal und Inter Mailand im Gespräch: "Aber im Moment zählt nur die EM, an alles andere verschwende ich keine Gedanken."

Der russische Trainer Guus Hiddink ist derweil darum bemüht, die Spanier vor dem Halbfinale stark zu reden. "Spanien ist ein Land, das es liebt, Fußball zu spielen. Die Erfahrung spricht für Spanien, weil es häufiger bei großen Turnieren die K.o.-Runden erreicht hat. Die Spieler haben einen viel größeren Wettbewerb in der Primera Division und große internationale Erfahrung in der Champions League gesammelt." Aber, und das weiß natürlich auch Hiddink: "Das ist nun ein neues Spiel und hoffentlich auch ein neues Russland."

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Russland:

1 Akinfejew - 22 Anjukow, 4 Ignaschewitsch, 5 Alexej Beresuzkij, 18 Schirkow - 11 Semak - 17 Syrjanow, 20 Semschow, 15 Biljaletdinow - 10 Arschawin - 19 Pawljutschenko.

Spanien:

1 Casillas - 15 Sergio Ramos, 5 Puyol, 4 Marchena, 11 Capdevila - 19 Senna - 6 Iniesta, 8 Xavi, 21 Silva - 7 Villa, 9 Torres.

Schiedsrichter:

Frank de Bleeckere (Belgien)

SID SID

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