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EM 2012: EM-Jungstars - Fünf Spieler vor dem großen Durchbruch

Die Europameisterschaft ist alle vier Jahre die große Bühne für aufstrebende Talente. Gerade Spieler von kleineren Vereinen stehen im Fokus der großen Klubs und können ihren Marktwert gehörig steigern. sportal.de hat sich fünf Jungstars rausgepickt, die bei der EM in Polen und der Ukraine den großen Durchbruch schaffen können.

Bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine geht es nicht nur um den Gewinn des Titels. In allen 16 Teams gibt es junge Spieler, die erstmals auf dieser großen Bühne agieren. Wir stellen im Vorfeld der EM fünf Spieler vor, die bei diesem Großereignis für Furore sorgen können.

Christian Eriksen: Ein neuer Laudrup

Marcus Krämer: Seit Jahren wird der Name Christian Eriksen hoch gehandelt, wenn es um kommende Stars im Weltfußball geht. Tatsächlich spielte der Däne schon im zweiten Jahr in Folge bei Ajax Amsterdam eine tragende Rolle – allerdings eben auch "nur" bei Ajax. Die Eredivisie steht nicht so im Fokus wie die großen europäischen Ligen, Eriksen wird auf lange Sicht aber sicher in einer dieser Ligen auftauchen.

"An guten Tagen kann er den Unterschied ausmachen", sagte auch sein Nationaltrainer Morten Olsen bei der Vorbereitung auf das Testspiel gegen Brasilien in Hamburg, warnte aber auch gleichzeitig: "Er ist noch jung, seine Schultern sind noch nicht so breit. In ein paar Jahren wird er noch weiter sein."

Ich denke aber, die EM ist genau die richtige Bühne für Eriksen, um seine herausragenden Fähigkeiten zu zeigen – auch wenn es für Dänemark sehr schwer wird, die Gruppe B zu überstehen. Schon bei der WM 2010 stand er in Dänemarks Kader, Erisken besitzt also die Erfahrung eines großen Turniers. Er ist beidfüßig, hat eine überragende Schusstechnik, ist auch mit dem Ball sehr schnell und kann ein Spiel lesen und lenken. Mit sieben Toren und 19 Vorlagen hatte er großen Anteil am Meistertitel der Amsterdamer. Nicht umsonst gilt Eriksen in Dänemark als legitimer Nachfolger der Laudrup-Brüder.

Danny Welbeck: Der Rooney-Ersatz

Michel Massing: Bei Manchester United stürmen sie oft zusammen und wurden nach dem 4:2 gegen Everton schon mit den Idolen York und Cole verglichen. Bei der Euro 2012 muss Danny Welbeck auf seinen Sturmpartner zunächst verzichten, denn Wayne Rooney ist für die ersten beiden Gruppenspiele gesperrt. Aber machen wir zunächst einen Schritt zurück in die jüngere Vergangenheit. Vor der WM 2010 waren die Erwartungen an das englische Team groß. Mit dem Erfolgstrainer Fabio Capello sollten die Three Lions den ersten großen Titel seit 1966 einfahren.

Das Ergebnis ist bekannt - England schied im Achtelfinale mit 1:4 gegen Deutschland aus. Vor diesem Turnier nun sind die Erwartungen weitaus geringer. Man traut Trainer Roy Hodgson nur wenig zu. Deshalb glaube ich, ohne den ganz großen Druck kann England durchaus zur Überraschung werden. Einen Spieler sehe ich da im Fokus.

Der 21-jährige Stürmer Danny Welbeck durchlief alle Jugendnationalmannschaften der Engländer. Er ist enorm schnell, kopfballstark und bewegt sich unglaublich gut in die Räume. In einer Gruppe mit Frankreich, Schweden und der Ukraine könnte Welbeck das erste Mal auch auf internationaler Bühne für ein Ausrufezeichen sorgen. Zwar ist er derzeit noch leicht angeschlagen, sollte seine Verletzung aber rechtzeitig auskurieren können und dann könnte er die Sperre von Rooney nutzen und mit den Three Lions für eine Überraschung sorgen.

Yann M´Vila: Die Mischung aus Makelele, Viera und Touré

Gunnar Beuth: Nach der WM 2010 sind die Erwartungen in sehr niedrigen Gefilden angeordnet, wenn in Frankreich nach dem möglichen Abschneiden der les Bleus gefragt wird. Die Mannschaft hat nach dem Aus in der Vorrunde und dem Abgang von Coach Raymond Domenech einen kompletten Neuanstrich bekommen, dazu ist nun Laurent Blanc der verantwortliche Trainer.

Aus altgedient wurde jung und hungrig – mit dabei ist auch Yann M´Vila. Der defensive Mittelfeldspieler von Stade Rennes gilt als Liebling von Blanc, hat zudem alle Jugendteams ab der U16 durchlaufen. Die großen Clubs um Real Madrid, Inter Mailand und FC Arsenal stehen schon Schlange. Marcel Desailly erklärte vor einigen Wochen, er würde sofort einen Blanko-Scheck unterschreiben, um M´Vila zu verpflichten.

Der 21-Jährige ist eine Mischung aus Claude Makelele (Spielübersicht), Patrick Viera (Durchsetzungsvermögen) und Yaya Touré (Passgenauigkeit). M´Vila hat alle Fähigkeiten, um ein Star bei der EM zu werden. Er schließt Lücken, ist aggressiv im Zweikampf, hat eine gute Übersicht und ist eine erste Option, um die Spitzen schnell ins Spiel zu bringen. Auch mit ihm kann Frankreich die Überraschung des Turniers werden.

Jetro Willems: Oranjes Rettung in der Viererkette?

Lars Ahrens: Angriff ist die beste Verteidigung - so könnte die Devise der Niederländer lauten, denn während die Auswahl für Trainer Bert van Marwijk in der Offensive riesig ist, plagen den Bondscoach in der Abwehr erhebliche Sorgen. Vor allem die linke Außenposition in der Viererkette ist nach dem EM-Aus von Erik Pieters wegen eines Fußbruches nur dünn besetzt.

Diese Tatsache bescherte Jetro Willems die Berufung in den EM-Kader. Er ist gerade einmal 18 Jahre alt und eben Linksverteidiger. Ein offizielles Länderspiel hatte er bei seiner Nominierung noch nicht bestritten. Das holte er dann gegen Bulgarien bei der 1:2-Niederlage von Oranje nach. Willems war dabei der jüngste Debütant seit Gerald Vanenburg im Jahr 1982. Zuvor hatte er im Testspiel gegen den FC Bayern eine Bewährungschance erhalten und laut Trainer Bert van Marwijk "gut dagegengehalten".

Willems ist schnell und wie so viele Niederländer technisch gut ausgebildet. Das Fußballspielen lernte er bei Sparta Rotterdam, wo er schließlich als Sechzehnjähriger in der Eredivisie debütierte. Für die niederländische U17-Auswahl absolvierte er 16 Partien und wurde 2011 auch Europameister. Im Finale besiegten die Holländer seinerzeit Deutschland mit 5:2.

Für Willems ging es im Sommer 2011 dann von Rotterdam nach Eindhoven und auch dort setzte er seinen steilen Aufstieg fort. Bei PSV sprang er erfolgreich für den verletzten Pieters ein. 20 Spiele absolvierte er in der Eredivisie, dazu kamen sechs Auftritte in der Europa League. Dabei stand er gegen Hapoel Tel Aviv mit 17 Jahren als jüngster Niederländer aller Zeiten in der Startelf bei einem Europapokalspiel. Manchester United und der FC Arsenal sollen bereits auf den Youngster aufmerksam geworden sein und ihn beobachtet haben.

Als krönender Abschluss des Jahres folgt nun die Teilnahme an der EM in Polen und der Ukraine. Seine Chancen auf einen Platz in der ersten Elf stehen dabei gar nicht so schlecht, denn Alternativen auf seiner Position sind rar gesät. Stijn Schaars von Sporting Lissabon wäre eine, doch der fühlt sich im Mittelfeld eigentlich wohler. Zwei Testspiele gegen die Slowakei und Nordirland bestreiten die Niederländer vor der EM noch, genug Zeit für Willems, sich seinen Platz in der Elftal zu erobern.

Sebastian Giovinco: Die Atom-Ameise 

Malte Asmus: Mit seinen schon 25 Jahren ist Sebastian Giovinco eigentlich kein klassischer Jungstar mehr. Der große Durchbruch in der Serie A gelang dem 1,64 cm kleinen Offensivallrounder – genannt die "Atom Ameise" - allerdings erst in der abgelaufenen Saison, als er seine große Schnelligkeit, seine unwiderstehlichen Dribblings und seine brillanten Freistöße zu 15 Toren und seine Spielübersicht zu 11 Assists nutzte und Parma zu Platz Acht verhalf.

Parmas Präsident Tommaso Ghirardi bezifferte den Wert Giovincos daher auch gleich mal auf stattliche 40 Millionen Euro. In Parma wird er wohl trotzdem nicht mehr lange bleiben. "Ich fühle mich bereit für einen große Club", erzählte Giovinco der Gazzetta dello Sport. Der Weg dahin könnte ganz nah sein, denn sein eigentlicher Stammverein Juventus, wo er 1996 in der Jugend anheuerte, teilt sich mit Parma die Transferrechte.

Bei der Alten Dame gilt der gebürtige Turiner Giovinco ohnehin schon seit Jahren als potenzieller Erbe Alessandro del Pieros. Doch so richtig zum Zuge kam er dort nicht. Erst wurde er nach Empoli verliehen, dann holte man lieber Diego und ließ Giovinco nach Parma ziehen. Allerdings immer mit Option, ihn irgendwann zurückzuholen. Dieser Tag könnte bald gekommen sein – ganz sicher, wenn Giovinco der starken Ligasaison eine starke EM folgen lässt. Ob als zweite Spitze oder als offensiver Mann hinter den Stürmern – Giovinco kann in der Offensive fast alles spielen. Wird der Kleine am Ende einer der Größten?

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