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Nationalmannschaft im Check So wird es nichts mit dem EM-Titel


Noch 100 Tage bis zur EM, aber für Bundestrainer Joachim Löw steht der Test am Mittwoch gegen Frankreich unter keinem guten Stern: Die Leistungsträger sind verletzt - und die Form derjenigen, die im Sommer den Titel holen sollen, ist zum Teil besorgniserregend.
Von Klaus Bellstedt

Am kommenden Mittwoch, wenn die deutsche Nationalmannschaft in einem Testspiel in Bremen auf Frankreich trifft, sind es noch genau 100 Tage bis zum Anpfiff des Eröffnungsspiels der EM in Polen und der Ukraine. Gott sei Dank, könnte man meinen, wenn man sich die Form der Mehrzahl der Spieler anschaut, die Bundetrainer Joachim Löw für die Partie gegen die "Equipe Tricolore" ins Aufgebot berufen hat.

Tor

Manuel Neuer Im Topspiel gegen seinen Ex-Club Schalke kaum gefordert. Strahlte wie immer Ruhe und Übersicht aus. Kleines Missgeschick bei einem Abschlag, der auf der Tribüne landete. Schon fit für die EM. Tim Wiese In den letzten beiden Werder-Spielen zum Teil mit spektakulären Paraden. Beim Sieg in Hamburg der Machtwinner, die Niederlage gegen Nürnberg lag nicht an ihm. Schon fit für die EM.

Abwehr

Dennis Aogo Die Konstanz, das ist das Hauptproblem von Hamburgs Linksverteidiger. Schlechte Spiele (gegen Werder) wechseln sich viel zu oft mit ordentlichen Auftritten (Gladbach) ab. Immerhin: Seine Standards mit links sorgen immer für Gefahr. Da muss mehr kommen. Holger Badstuber Das Gleiche wie für Aogo gilt für Hoger Badstuber: Gegen Basel unterirdisch und mit vielen Stellungsfehlern, gegen Schalke in der Innenverteidigung ein Ruhepol. Seine Kopfbälle bei Ecken waren sehenswert. Trotzdem: Da muss mehr kommen. Jerome Boateng Badstubers Partner in der Innenverteidigung der Bayern strahlt ebenfalls viel zu selten Souveränität aus. Boatengs Auftritte sind nie fehlerfrei. In Sachen Spieleröffnung hat sich der Defensivspezialist stark verbessert. Da muss mehr kommen. Benedikt Höwedes Schlechter Auftritt des Schalkers beim 0:2 in München. Ribéry machte mit ihm, was er wollte. Höwedes ist in der Innenverteidigung defintiv besser aufgehoben. Nicht in EM-Form. Mats Hummels Derzeit der beste deutsche Abwehrspieler in der Liga. Löst schwierige Situationen spielerisch und glänzt immer mehr auch als heimlicher Leader beim BVB. Schon fit für die EM. Marcel Schmelzer "Schmelle" sucht auf der linken Seite der Dortmunder nach seiner Verletzung weiter nach der Form aus der Meistersaison. Beim 3:1 gegen Hannover solide - mehr nicht. Da muss mehr kommen. Christian Träsch "Ohne Träschi wären wir zu elft... ", sangen die Wolfsburg-Fans während der Partie gegen Hoffenheim, die der VfL mit 1:2 verlor. Man ahnt es schon: Träsch gehörte wie schon in der Vorwoche auf Schalke zu den Schlechtesten. Keiner weiß, warum Löw noch an ihm festhält. Nicht in EM-Form.

Mittelfeld

Lars Bender Im Derby in Köln war der Leverkusener der mit Abstand beste Spieler auf dem Platz. Überragend als Zerstörer, aber Bender kann als defensiver Mittelfeldspieler noch viel mehr: Tore schießen. Das macht ihn noch viel wertvoller. Schon fit für die EM. Sami Khedira Zu Reals glücklichem 1:0-Erfolg bei Rayo Vallecano steuerte Khedira nur wenig bei. Ja, er war wie immer kampfstark. Aber spielerisch blieb der Ex-Stuttgarter eher unauffällig. Da muss mehr kommen. Toni Kroos Wurde von Jupp Heynckes gegen Schalke gar nicht mehr berücksichtigt, in den beiden Spielen davor durfte Kroos auf seiner Lieblingsposition hinter Mario Gomez ran - und blieb total blass. Im Arbeitszeugnis würde es heißen: Er war stets bemüht. Aber ein, zwei gute Aktionen pro Spiel reichen eben nicht. Nicht in EM-Form. Thomas Müller Bayerns Offensiv-Allzweckwaffe bekleidete beim 2:0 gegen Schalke Kroos' Position. Das war Durchschnitt, immerhin war er an Ribérys 2:0 indirekt beteiligt. Müller ist (noch) von seiner Form aus dem WM-Jahr entfernt. Sein größtes Problem: der Verlust seines Torriechers. Und: Dass er bei den Bayern zur Verschiebemasse verkommt. Im DFB-Team hat er es einfacher. Da gibt es keinen Robben. Da muss mehr kommen. Mesut Özil Die "Marca" schrieb nach Reals 1:0 bei Rayo Vallecano am Wochenende: Das wenige Gute, das man von Real sah, kam aus Özils Stiefeln. Aber auch er tat wenig bei Real, das auswärts so schlecht war wie noch nie. Özil bereitete per Ecke den Siegtreffer von Ronaldo vor. Mehr war wirklich nicht. Özil steckt seit Wochen in einem Formtief. Trotzdem kann er allein mit seiner Klasse jederzeit ein Spiel entscheiden. Da muss mehr kommen. Marco Reus Gegen den HSV lief sich Gladbachs Überflieger immer wieder fest. Er meckerte und stand kurz vor einem Platzverweis. Reus glänzte eigentlich zum ersten Mal nicht in dieser Rückrunde. In seinem Alter ist das schon mal ok. Schon fit für die EM. Simon Rolfes Ein weiteres Rätsel hat uns Joachim Löw mit der Nominierung Rolfes' aufgebeben. Leverkusens Kapitän (!) hat bei Bayer mittlerweile sogar seinen Stammplatz verloren. Gegen Köln wurde er acht Minuten vor Schluss eingewechselt, gegen Augsburg am 23. Spieltag nicht mal das. Nicht in EM-Form. André Schürrle Bei Bayers linkem Außenstürmer zeigt die Formkurve klar nach oben. Überzeugte auch gegen Köln wieder mit viel Spielwitz und einigen Tempoläufen. Schon fit für die EM.

Angriff

Cacau In der Bundesliga enttäuscht Cacau schon lange, beim VfB Stuttgart verkommt der Stürmer zum Bankdrücker und hat sein Kapitänsamt verloren. Im DFB-Dress traf er zuletzt im vergangenen September. Warum ihn Löw dennoch wieder berufen hat? Nun ja, der Bundestrainer scheint der letzte Fan von Cacau zu sein. Nicht in EM-Form. Mario Gomez Gegen Schalke erwischte Gomez einen gebrauchten Tag und ließ zahlreiche Chancen liegen. Bei seiner Auswechslung 20 Minuten vor Schluss pfiffen die Fans. Gomez ist jetzt drei Spiele ohne Torerfolg. Stürmer durchleben immer wieder diese Phasen. Unterm Strich bleiben bis jetzt 18 Tore in der Bundesliga. Das ist stark, aber auch für Gomez gilt: Da muss mehr kommen. Miroslav Klose Was wäre Lazio Rom ohne den deutschen Nationalstürmer? Am Wochenende schoss Klose Italiens Hauptstadtclub mit seinem 13. Saisontreffer zum 1:0-Erfolg über den AC Florenz - und beendete damit Lazios Pleitenserie. Auch mit seinen 33 Jahren bewegt sich Klose so explosiv wie eh und je und hat jenseits der Alpen nichts von seiner Torgefahr eingebüßt. Schon fit für die EM.

Die Verletzten

Abwehr: Philipp Lahm, Per MertesackerMittelfeld: Sven Bender, Bastian Schweinsteiger, Mario Götze, Lukas Podolski


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