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Cristiano Ronaldo: Das letzte Puzzleteil einer Weltfußballer-Karriere

Cristiano Ronaldo war schon vor dem Turnier einer der aktuell besten, wenn nicht der beste Spieler der Welt. Mit dem EM-Titel hat er nun den letzten Schritt getan. Er hat sich damit bei den ganz Großen in der Historie des Fußballs eingereiht.

Cristiano Ronaldo mit dem EM-Pokal

Zwölf Jahre nach der bitteren Finalpleite im eigenen Land endlich am Ziel: Cristiano Ronaldo mit dem EM-Pokal

Um 23.48 Uhr stemmt Cristiano Ronaldo den EM-Pokal in den Pariser Nachthimmel. Seine Tränen sind da bereits getrocknet. Erst die der Enttäuschung, danach die der Freude. Der 31-Jährige erfüllt sich seinen großen Traum – oder besser: Er lässt ihn sich erfüllen. Denn im entscheidenden Spiel kann er kaum mitwirken, zumindest nicht auf dem Platz. Wenige Augenblicke nach Anpfiff bekommt er einen Schlag aufs Knie, kämpft 20 Minuten mit den Schmerzen und wird zwei Mal behandelt. Doch bald wird ihm klar: Es geht nicht mehr. Bereits auf dem Feld bricht er in Tränen aus.

Es sollte doch eines seiner größten Spiele werden - vielleicht das größte seiner Karriere überhaupt. Gewohnt selbstbewusst gab er im Vorfeld Interviews. Portugal werde am Sonntag die Sensation schaffen, versprach er. Wie sehr er für dieses Ziel kämpfen wollte, sah man bei der Auswechslung in seinem Gesicht. Eine bittere Mischung aus Verzweiflung, Trauer und Wut. Auch wenn er polarisiert, wie kaum ein Zweiter: Man müsste schon arg kaltherzig sein, um in diesem Moment nicht mit ihm zu fühlen.

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Cristiano Ronaldo nutzt seine wohl letzte Chance

Ronaldo wusste in diesem Moment, dass er wahrscheinlich keine weitere Chance mehr kriegen würde. 2004 war er bereits im EM-Finale gescheitert - gegen den Sensations-Europameister Griechenland. Auch damals weinte er bitterlich. Doch der 19-jährige Ronaldo hatte da die Karriere noch vor sich, sollte noch eine Fülle an Titeln holen: Mit Manchester United wird er drei Mal englischer Meister, dazu mehrere Pokal-Erfolge und der Champions-League-Titel. Mit Real Madrid holt er die spanische Meisterschaft und den Pokal, die Champions League sogar zwei Mal. Er wird drei Mal Weltfußballer, zwei Mal Europas Fußballer des Jahres und vier Mal Torschützenkönig der Königsklasse.

Eines aber trennt ihn von den ganz großen der Fußballgeschichte, von Spielern wie Maradonna, Beckenbauer, Pelé und Zidane: der internationale Titel mit der Nationalmannschaft. Bis jetzt! Ronaldo hat sich das letzte Puzzleteil einer Weltfußballer-Karriere erarbeitet – und das mit einem Nationalteam, das nicht zur allerersten Garde des Weltfußballs zählt - wie etwa Deutschland, Frankreich, Argentinien oder Brasilien. Es ist Portugals erster Titel überhaupt. Und Ronaldo hat ihn als Kapitän geholt. Er ist das Gesicht der Mannschaft, der Superstar, und mit drei Toren und zwei Vorlagen Topscorer seines Teams. In 20 Jahren wird man sich an diesen Europameister erinnern und man wird zuerst an ihn denken. An die portugiesische Fußballer-Generation um Cristiano Ronaldo, die überraschend die EM gewann.

Dramatik in einem schwachen Spiel

Dass er im Finale kaum mitwirken konnte, wird daran nichts ändern. Im Gegenteil. Die Geschichte um den verletzten Superstar ist das einzige, was diesem ansonsten so glanzlosen Spiel ein bisschen Dramatik bescherte. Der Mann liebt nichts so sehr, als sich zum Helden des Tages zu schießen und von den Massen gefeiert zu werden. Und ausgerechnet dieser Mann ist in einem der wichtigsten Momente seiner Karriere zu einer Nebenrolle verdammt. Kann nur anfeuern, Ansprachen in der Halbzeit halten und hoffen. Und doch schafft es Portugal tatsächlich ohne ihn. Verteidigt gut gegen zu harmlose Franzosen und setzt den entscheidenden Stoß in der 109. Minute.

An der Seitenlinie flippt ein bandagierter Ronaldo beim Siegtor völlig aus, bricht erneut in Tränen aus, während die Mannschaft in einer großen Traube ohne ihn feiert. Dann der erlösende Abpfiff. Es ist vollbracht! Für die Siegerehrung bekommt der leicht humpelnde Ronaldo seine Kapitänsbinde zurück. Das Team weiß, was er für diese Mannschaft geleistet hat, vor dem Turnier und währenddessen. Und so ist es Ronaldo, der den EM-Pokal in den Pariser Nachthimmel heben darf – und sich einreiht bei den anderen ganz Großen in der Geschichte des Fußballs.


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