VG-Wort Pixel

Kein Regenbogen-Stadion Münchner OB findet Uefa-Absage "beschämend" – nur aus Ungarn kommt Applaus

Nach Verbot von Regenbogen-Beleuchtung: Wirklich so proud? Wie ein alter Tweet der Uefa um die Ohren fliegt
Sehen Sie im Video: Wirklich so proud? Wie ein alter Tweet der Uefa um die Ohren fliegt




Die Uefa hat es untersagt, die Münchner Arena beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn in Regenbogenfarben erstrahlen zu lassen.


Ein alter Tweet fliegt der Europäische Fußball-Union nun um die Ohren.


[Übersetzung Tweet]
"Korrigierte Version: Liebe Fans, leider sind uns LGBTQ+-Rechte doch egal. Wir haben das nur gepostet, damit es so aussieht. Deshalb schikanieren wir jetzt auch Deutschland, weil sie die Regenbogen-Farben benutzen. Das ist unser Spiel. Wir machen die Regeln und die Welt hat uns zu folgen."


Für Befremden, im aktuellen Kontext, sorgt die Antwort eines Uefa-Mitarbeiters unter dem Tweet.


[Übersetzung Tweet]
"Wer sagt, dass es nicht so ist? Wo ist der Punkt, das zu posten?"


[Übersetzung Tweet]
"… leider gibt es immer noch viele Leute, und viele in der LGBTQ-Community, die sich nicht willkommen oder inkludiert im Fußball fühlen. Wir denken, dass es wichtig ist, sie daran zu erinnern, dass sie es sind."
Twitter-User Michael Dawnkiller hat da noch einen Ratschlag für die Stadionbetreiber in München.
Mehr
Die Absage der Uefa für das Münchner Regenbogen-Stadion sorgt in Deutschland für viel Kritik. Besonders enttäuscht zeigt sich der Münchner Oberbürgermeister. Nur von einer Seite kommt lauter Beifall.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat die Entscheidung der Europäischen Fußball-Union, das Münchner EM-Stadion nicht in Regenbogenfarben erleuchten zu lassen, scharf kritisiert. "Ich finde es beschämend, dass die Uefa uns hier in München verbietet, ein Zeichen für Weltoffenheit, für Toleranz, für Respekt und für Solidarität zu den vielen Menschen der LGBT-Community abzugeben", sagte Reiter am Dienstag in München.

Zuvor hatte die Uefa einen entsprechenden Antrag des Münchner Stadtrats unter Verweis auf seine "politische und religiöse" Neutralität abgelehnt. "Angesichts des politischen Kontextes dieser Anfrage - eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen Nationalparlaments abzielt – muss die Uefa ablehnen." Hintergrund ist ein viel kritisiertes neues Gesetz in Ungarn, das "Werbung" für Homosexualität oder Geschlechtsangleichungen bei Minderjährigen verbietet.

München und andere Städte wollen Zeichen setzen

Oberbürgermeister Reiter kündigte jedoch an, dass München am Mittwoch bunt werde – wenn auch nicht die Arena selbst: "Wir werden uns nicht von der Uefa abhalten lassen, ein starkes Signal nach Ungarn zu senden", betonte Reiter. So werde der Stadtrat wohl dafür stimmen, das Rathaus mit Regenbogenfahnen zu beflaggen und auch den Olympiaturm sowie das Windrad zu erleuchten – gleich neben der Fußballarena.

Der Münchner OB kritisierte zudem den Deutschen Fußball-Bund: "Ich finde es sehr enttäuschend, dass der DFB sich nicht in der Lage sehen wollte, hier dieses Ergebnis zu beeinflussen." Stattdessen habe der DFB einen "lächerlichen Gegenvorschlag" gemacht, die Arena an einem anderen Tag bunt zu beleuchten. "Dass wir das am Christopher Street Day machen, darauf sind wir schon selbst gekommen", so Reiter.

Angesichts des Uefa-Verbots kündigten die Stadionbetreiber in Frankfurt am Main, Köln, Berlin (Olympiastadion) und Wolfsburg an, ihre Stadien am Mittwoch bei der Partie Deutschland gegen Ungarn in Regenbogenfarben erleuchten zu lassen.

Viel Kritik vonseiten der Politik

Auch aus der Politik und von Verbänden hagelte es Kritik am Regenbogen-Verbot des Fußball-Dachverbands. "Liebe UEFA, es ist nicht so, dass ich von euch viel erwartet habe. Aber ihr seid noch peinlicher als ich dachte. Schämt euch!", schrieb SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil am Dienstag bei Twitter. SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich sagte in Berlin: "Die Ablehnung ist eine Entscheidung der Gestrigen." Katarina Barley (SPD), Vize-Präsidentin des Europaparlaments, schrieb: "Vor Autokraten einzuknicken hat noch nie zu etwas Gutem geführt."

Die Grünen riefen dazu auf, Regenbogenflagge zu zeigen. "Für Toleranz. Gegen Homofeindlichkeit. Nicht nur, wenn es um Fußball geht. Lasst uns ein starkes Zeichen der Vielfalt setzen und den Regenbogen durchs Land tragen", twitterte Kanzlerkandidatin und Co-Parteivorsitzende Annalena Baerbock. Die Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, erklärte: "Menschenrechte gelten für alle Menschen, überall. Auch im Stadion. (...) Flagge können wir morgen trotzdem zeigen. Im Stadion oder eben am Balkon".

Die Linke schrieb auf ihrem Twitter-Account: "Wer bei Menschenrechten von Neutralität spricht, hat nichts verstanden." Auch der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der FDP im Bundestag, Marco Buschmann, bedauerte die Entscheidung. "Die #Regenbogenfarben stehen für Selbstbestimmung, Toleranz, Weltoffenheit, Freiheit", schrieb er.

Kritik kam auch vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD). Man finde es "befremdlich", "wie die Uefa mit Werten umgeht, die in der Gesellschaft allgemein akzeptiert werden sollten". Der Fußballbund habe "die Zeichen der Zeit nicht erkannt". Ähnlich äußerte sich der Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Bernhard Franke: "Gleichbehandlung und der Schutz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt sind universelle Werte, denen sich die Uefa selbst verpflichtet fühlt", sagte er dem Evangelischen Pressedienst. Das Verbot der Uefa sei daher "unverständlich".

Nur Ungarn begrüßt Uefa-Absage

Ungarn selbst begrüßte das Verbot der Uefa zum geplanten Anstrahlen des Münchner Stadions. "Die Führung der Uefa hat die richtige Entscheidung getroffen, indem sie sich nicht an einer politischen Provokation gegen Ungarn beteiligt", erklärte Ungarns Außenminister Peter Szijjarto am Dienstag. "Gott sei Dank haben die Führungspersönlichkeiten des Europäischen Fußballs gesunden Menschenverstand bewiesen."

Ungarn steht auch in der EU seit Jahren wegen Einschränkungen der Rechte von Minderheiten und der Medienfreiheit am Pranger. Die Europaminister befassten sich am Dienstag erneut mit der Lage im Rahmen eines Verfahrens, das theoretisch bis zum Entzug der Stimmrechte auf EU-Ebene führen kann. 

les / mit DPA und AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker