EM-Qualifikation "Kein Rumeiern gegen San Marino"


Bundestrainer Jogi Löw will im EM-Qualifikations-Spiel gegen Fußball-Zwerg San Marino keine Experimente eingehen. Krisen-Stürmer Miro Klose wird also von Beginn an auflaufen. Mit der Presse spricht der Noch-Bremer derzeit nicht.

EM-Projektleiter Joachim Löw hält vor dem ungleichen Duell gegen San Marino seine Stars unter Verschluss, erst am Samstag in Nürnberg sollen die Fans Miroslav Klose & Co. hautnah genießen. Auch am Donnerstag zog sich der Chefcoach der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit seinem Personal zur Vorbereitung auf die EM-Qualifikations-Partie gegen die "Schießbude" San Marino hinter die Zäune des Teamquartiers und des adidas-Stadions in Herzogenaurach zurück. Kameraleute und Fotografen durften wie schon an den Vortagen lediglich das 15-minütige Aufwärmprogramm ablichten. "Seriöse Trainingsarbeit ist das Wichtigste", teilte Löw mit und überließ zwei Tage vor der Partie im Frankenstadion (19.00 Uhr/ZDF) auch die obligatorische Medienstunde seinem Assistenten Hansi Flick.

Der Co-Trainer verkündete ungewohnt offen jene Elf, die gegen den 195. der Weltrangliste beim fest einkalkulierten Sieg auf Tore- und sogar Rekordjagd gehen will. Der Leverkusener Routinier Bernd Schneider wird beim Tabellenführer der EM-Gruppe D die Rolle des verletzten Kapitäns Michael Ballack in der Mittelfeld-Schaltzentrale übernehmen. Piotr Trochowski vom Hamburger SV, der auch ein Kandidat für die Ballack-Position war, leidet an einem leichten grippalen Infekt und musste zunächst kürzer treten. Die Außenpositionen in der Abwehr-Viererkette werden wie beim jüngsten 2:1 in Tschechien von den beiden Bayern Philipp Lahm (rechts) und Marcell Jansen (links) besetzt. Rechts im Mittelfeld ist der Bremer Clemens Fritz oder Roberto Hilbert, links dessen Stuttgarter Meister-Kollege Thomas Hitzlsperger erste Wahl.

Klose entzieht sich den Fragen

Im Angriff setzt Löw voll auf seinen derzeit größten "Pflegefall" Klose. "Ich bin sicher, dass Miro sein Selbstvertrauen mit dem einen oder anderen Tor stärken wird", erklärte der Trainer, der dem WM- Torschützenkönig schon zu Wochenbeginn einen Platz in der Startelf garantiert hatte. "Seine aktuelle Situation hat nicht allein mit dem Kopf, sondern auch mit körperlichen Problemen zu tun", verwies Löw auf die vergangenen schlauchenden Monate und Jahre für Klose, bei dem in der Rückrunde auch schlechte Blutwerte festgestellt wurden. Der 28 Jahre alte Stürmer, der trotz Treuebekundungen zu Werder Bremen noch immer hartnäckig als sofortiger Zugang bei Rekordmeister Bayern München gehandelt wird, entzog sich in Herzogenaurach allen Fragen nach seinem Befinden und seiner Zukunft.

Er wolle kein Interview geben und sich "ausschließlich auf die Spiele gegen San Marino und vier Tage später gegen die Slowakei konzentrieren", ließ Klose über den Deutschen Fußball-Bund (DFB) ausrichten. Von der sportlichen Leitung wurde es "begrüßt, dass Miro lieber Tore schießen will als wieder über Wechsel-Spekulationen zu sprechen". Doch nicht nur der schwächelnde Klose, sondern auch die im Meisterschaftskampf enttäuschten Bremer Torsten Frings, Per Mertesacker und Clemens Fritz sowie der Schalker Kevin Kuranyi sollen durch die Kur auf der Pflegestation Nationalmannschaft wieder in die Spur kommen - auch schon im Hinblick auf die EM im kommenden Sommer.

"Da eiern wir nicht rum"

"Er persönlich kann stolz auf seine Leistung sein, auch wenn es mit Schalke nicht ganz zum großen Wurf gereicht hat", erklärte Löw in Richtung Kuranyi, der neben Klose gegen San Marino die zweite Angriffs-Position besetzen dürfte. "Kevin hat einen Schritt voran gemacht, er hat zuletzt bei uns drei Tore geschossen, er ist zurück in der Nationalmannschaft", ergänzte der Bundestrainer. Und auch für Fritz hatte Löw wärmende Worte parat: "Er hat sich absolut etabliert, wir möchten ihn nicht mehr missen." Dazu hat sich der Badener um die drei Bundesliga-Absteiger Jansen (Mönchengladbach), Manuel Friedrich (Mainz) und Jan Schlaudraff (Aachen) gekümmert. Mit dem Neu-Bayern Schlaudraff, in Aachen zuletzt sogar suspendiert, führte er ein intensives Vieraugen-Gespräch: "Es ging nicht so sehr um die Vergangenheit, viel mehr um die Zukunft."

Die Spieler sehen die Partie gegen die Mini-Republik San Marino, die in ihren 39 bisherigen EM-Ausscheidungsspielen 39 Niederlagen und 173 Tore kassierte, vor allem als weitere Profilierungschance. "Alle werden so herangehen, als ob wir gegen einen Top-Gegner spielen würden", verkündete der Neu-Bayer Jansen. Zudem würde dieser Gegner einfach Respekt verdienen, "die trainieren auch hart". Der 21-Jährige verwies auf viele seiner Freunde, die in der Bezirksliga oder Kreisliga kicken würden, sich aber auch voll einsetzen. Und San Marino sei ja noch ein bisschen besser, "da eiern wir nicht herum". Von einem möglichen Rekord in der deutschen Länderspiel-Geschichte wollte da auch Kollege Lahm nichts wissen: "Dass der bei 16:0 steht, höre ich heute das erste Mal. Zuerst müssen wir gewinnen, dann können wir sehen, wie das Spiel weiter läuft."

Die voraussichtliche Aufstellung der DFB-Elf:

Lehmann - Lahm, Mertesacker, Metzelder, Jansen - Frings - Fritz, Schneider, Hitzlsperger - Klose, Kuranyi

DPA/kbe


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