EM-Youngster "Wir wollen spielen"


Voller Selbstbewußtsein und lockerer Sprüche: Die EM-Youngster Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski bringen vor dem Jubiläumsspiel gegen Ungarn frischen Wind in den EM-Kader.

Welch herrlich frischer Wind im deutschen Trainingsquartier: Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger haben bereits in den ersten 24 Stunden nach ihrer Nominierung angedeutet, dass sie in jeder Hinsicht zu einem belebenden Element im deutschen EM-Aufgebot werden können.

Mit lockeren Sprüchen stellten die Senkrechtstarter der abgelaufenen Bundesliga-Saison bei ihrer ersten Pressekonferenz ihr Selbstvertrauen zur Schau - und dokumentierten zugleich, dass sie in Portugal den sportlichen Konkurrenzkampf mit den Etablierten nicht fürchten.

19-jähriger "Poldi" als Geheimwaffe

"Ich hoffe schon auf den ein oder anderen Kurzeinsatz", sagte Podolski, den Teamchef Rudi Völler als "Geheimwaffe" einstufte. Ein Ständchen am Frühstückstisch gab es für den Saison-Aufsteiger vom Bundesliga-Absteiger am 19. Geburtstag zwar nicht, doch dies sah der Stürmer den etablierten Kollegen nach. "Die Spieler waren alle sehr korrekt", sagte Podolski über die Aufnahme im neuen Kollegenkreis. Der ebenfalls 19-jährige Schweinsteiger vom FC Bayern München unterstrich gleichfalls seine Ambitionen: "Wir sind hier nicht nur zum Urlaub machen, sondern auch zum Fußballspielen."

Möglicher Einsatz der Youngster im Jubiläumsspiel gegen Ungarn

Dazu werden die beiden Youngster, die am Mittwoch nach dem EM- Vorrunden-Aus der Olympia-Auswahl gegen Portugal zum A-Team berufen wurden, möglicherweise schon am Sonntag gegen Ungarn Gelegenheit haben. Allerdings nicht in der Startformation, wie Völler betonte. "Ob sie zum Einsatz kommen, hängt davon ab, wie sie drauf sind und wie der Spielverlauf ist", ließ sich der Teamchef zwei Tage vor dem Anpfiff im Fritz-Walter-Stadion noch alle Optionen offen. Podolski wäre bei einer Einwechslung der drittjüngste deutsche Länderspiel- Debütant der vergangenen 50 Jahre nach Uwe Seeler und Olaf Thon.

Völler: "Selbstbewusst auftreten"

In einem "langen Gespräch" bei Kaffee und Kuchen hatte Völler die Neulinge auf die kommenden Wochen an der Algarve eingestimmt. "Ich wollte ihnen das Gefühl geben, dass es hier genauso zugeht wie im Verein, und dass sie jederzeit zu mir kommen können, wenn sie der Schuh drückt", sagte Völler. Zudem verdeutlichte er den Neulingen die Spielregeln im Umgang mit der etablierten Konkurrenz. "Es muss ein gewisser Respekt da sein. Aber sie sollen auch selbstbewusst auftreten, vor allem im Training."

An Selbstvertrauen hat es den beiden in den vergangenen Monaten nie gefehlt, sie haben in der abgelaufenen Saison viel mehr erreicht als ursprünglich erhofft.

Der rasante Aufstieg des Bastian Schweinsteiger

Schweinsteiger brachte es beim FC Bayern auf beachtliche 26 Bundesliga-Einsätze und ist damit Nummer acht der Club-Rangliste. Podolski schoss sich mit zehn Bundesliga-Toren vor allem in der zweiten Saisonhälfte ins Rampenlicht und in Völlers Blickfeld. "Vor sieben Monaten spielte ich noch vor 200 Zuschauern in der A-Jugend, jetzt bin ich mit den besten deutschen Spielern zusammen", beschrieb er seinen Atem beraubenden Aufstieg.

Dabei blieb der Fußball-Geschichtsunterricht offenbar auf der Strecke, wie der im Alter von zwei Jahren von Polen ins Rheinland ausgewanderte Torjäger offen zugibt. Auf die Frage, was er mit dem sensationellen deutschen WM-Gewinn vor 50 Jahren gegen den Sonntags- Gegner Ungarn anfangen könnte, entgegnete er mit Unschuldsmine: "Ich kann mich an das Spiel nicht mehr so richtig erinnern." Schweinsteiger war da schon ein Schritt weiter: "Das war doch das 3:2 mit dem Rahn - oder?"

Oliver Hartmann und Klaus Bergmann

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