England - Deutschland Löws B-Elf stürmt die Wembley-Arena


Trotz zahlreicher Ausfälle gelang der deutschen Nationalelf ein ganz besonderer Sieg: Kuranyi und Neuling Pander schossen ihr Team im Klassiker gegen England zum Erfolg. Und das trotz frühem Gegentor.

Joachim Löws letztes Aufgebot hat seine Reifeprüfung mit Bravour bestanden und die deutsche Erfolgsserie in England verlängert. Obwohl durch die Ausfälle von elf Stammspielern geschwächt gewann die Fußball-Nationalmannschaft am Mittwoch im Londoner Wembley-Stadion das Prestigeduell mit 2:1 (2:1) und feierte einen verheißungsvollen Start in die Europameisterschaftssaison. Kevin Kuranyi (26.) und Debütant Christian Pander (40.) machten in der 30. Auflage des Klassikers den zwölften deutschen Sieg perfekt, nachdem Frank Lampard (9.) die "Three Lions" in Führung gebracht hatte.

"Es ist klasse, wenn man hier gewinnen kann. Gegen England zu gewinnen ist immer etwas ganz Besonderes. In den ersten 15 Minuten hatte die Mannschaft zu wenig Mut, ist aber dann überraschend gut ins Spiel gekommen", lobte der Bundestrainer seine Spieler. Trotz der überzeugenden Vorstellung hofft der Bundestrainer darauf, im nächsten EM-Qualifikationsspiel am 8. September in Wales wenigstens einige der angeschlagenen EM-Kandidaten - darunter Ballack, Klose, Schweinsteiger und Podolski - wieder einsetzen zu können.

"Es ist immer schön, in England zu gewinnen. Wir waren die letzten, die hier gewonnen haben und sind jetzt wieder die ersten. Und das mit dieser Mannschaft", sagte Torhüter Jens Lehmann voller Genugtuung. Torschütze Pander sprach von einem "unglaublichen Gefühl. Vor dieser Kulisse ist es besonders schön".

Die guten Wünsche von Jürgen Klinsmann, der bis kurz vor Spielbeginn mit seinem Nachfolger Löw an der Spielerbank gesprochen hatte, brachten der deutschen Mannschaft Glück: Letztmals ging vor 32 Jahren ein Spiel auf englischem Boden verloren. Nach dem 1:0-Sieg im letzten Spiel im alten Wembley-Stadion 2001 gelang nun auch im neuen Fußball-Tempel auf Anhieb ein Erfolg.

Personalnot zwang Löw zu Kompromissen

Vor 86.133 Zuschauern streifte der WM-Dritte seine Unsicherheit rasch ab und fand trotz der ungewohnten Besetzung zu Sicherheit und Spielverständnis. Wegen eines Staus auf der Anfahrt waren Bernd Schneider und Co. erst mit Verspätung in der Arena angekommen, wo sich die englischen Fans mit einem Spruchband "Danke für 2006" für die deutsche Gastfreundschaft während der Weltmeisterschaft vor einem Jahr revanchierten.

Die Personalnot zwang Löw, von seinem gewohnten taktischen System abzurücken und auf ein 4-4-1-1 zu setzen. In Pander schickte er wie erwartet seinen 14. Länderspiel-Neuling ins Rennen. Der Schalker startete nervös, doch dann nahm er sein Herz in die Hand und erzielte ein sensationelles Premierentor. Für eine echte Überraschung sorgte der Bundestrainer mit dem Einsatz des etatmäßigen Außenverteidigers Philipp Lahm in der zentralen Rolle vor der Abwehr. Auf der Position des verletzt fehlenden Torsten Frings, die er seit der Jugend nicht mehr innegehabt hatte, mühte sich der Lahm nach Kräften, konnte den Bremer aber nicht immer vollwertig ersetzen. In der 75. Minute verhinderte der Münchner per Kopf auf der Linie den Ausgleich.

Als Fehlgriff erwies sich der erste Länderspiel-Einsatz von David Odonkor seit dem 15. November 2006. Der Ex-Dortmunder klebte nur an der Außenlinie und vernachlässigte seine Defensivaufgaben. Dadurch wurde Routinier Schneider immer wieder gezwungen, nach hinten zu arbeiten. Nach 54 Minuten wurde Odonkor durch Roberto Hilbert ersetzt. Thomas Hitzlsperger und Piotr Trochowski verrichteten im Mittelfeld viel Laufarbeit. Kuranyi als einzige Spitze hatte lange Zeit einen schweren Stand gegen die englische Innenverteidigung, doch im entscheidenden Moment war der Schalker zur Stelle und traf.

Anfangs schwache Elf kassiert frühes Gegentor

Die notgedrungen erstmals in dieser Formation spielende deutsche Elf wurde kalt erwischt. In der 9. Minute düpierte Micah Richards auf dem rechten Flügel Pander und legte ab auf Lampard, der Jens Lehmann dann mit einem knallharten Schuss in die kurze Torecke überwand. Doch Mitte der ersten Halbzeit gab das deutsche Team seine respektvolle Haltung auf und kam dank der tatkräftigen Unterstützung von Paul Robinson etwas überraschend zum Ausgleich. Der im Nationalteam nicht unumstrittene Tottenham-Keeper klatschte eine tückische Hereingabe von Schneider genau vor die Füße von Kuranyi, der zum 1:1 abstaubte.

In der nun an Klasse gewinnenden Partie suchten die Gäste weiter ihre Chance. Nach einer Ballstafette über vier Stationen fasste sich Pander ein Herz und jagte den Ball aus fast 30 Metern genau in den Winkel. Doch die Engländer, bei denen Regisseur David Beckham nach seiner Knöchelverletzung noch gehandicapt wirkte, kamen schnell zurück. Lehmann, der schon zuvor per Fußabwehr gegen Lampard (33.) gerettet hatte, parierte den Kopfball von Michael Owen (41.).

Mit Auswechslungen versuchte Englands in der Kritik stehender Trainer Steve McClaren nach Wiederbeginn das Blatt zu wenden. Vor allem Peter Crouch und Kieron Dyer machten nun im Angriff mächtig Wirbel. In der 65. Minute parierte Lehmann gegen Dyer, Sekunden später zielte der Angreifer von West Ham United nach Beckham-Zuspiel knapp am deutschen Tor vorbei. Nach dem 1:1 zum Auftakt gegen Brasilien sind die Engländer im neuen Stadion weiter sieglos.

DPA DPA

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