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Unterschriftsreifer Vertrag Fast-Sponsor Wirecard: Wie der FC Bayern offenbar knapp einem Image-Desaster entging

Von Boateng bis Lewandowski: Das sind die Nebengeschäfte der Bayern-Stars
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Der FC Bayern München gehört zu den wertvollsten Clubs der Welt und kann sich die Milliongehälter seiner Spieler locker leisten. Topstürmer Robert Lewandowski kassiert an der Spitze rund 20 Millionen Euro pro Jahr. Doch das ist nicht sein einziges finanzielles Standbein. Der Weltfußballer 2020 hat seine eigene Kaffeemarke „RL9“. Ein Kilo Espresso-Bohnen von Lewy kosten knapp 20 Euro. Der Stürmer ist nicht der einzige Bayernstar mit Nebenverdienst. Innenverteidiger Jérôme Boateng gilt als großer Modefan. Er hat sogar eine eigene Brillen- und Sonnenbrillen-Marke: „JB by Jerome Boateng“. Zudem probierte er sich auf dem Zeitschriften-Markt. Mit seinem eigenen Lifestyle-Magazin „BOA“ repräsentiert er seine persönliche Lebenswelt. Bayern Spieler Thomas Müller hat ein weiteres Hobby zum Beruf gemacht. Neben seinem Beruf als Fußballer, betreibt er mit seiner Frau Lisa ein Pferdegestüt und geht jetzt sogar unter die Züchter. Einen ganz besonderen „Nebenjob“ haben Joshua Kimmich und Leon Goretzka: Am Anfang der Corona-Krise gründeten sie das Projekt „We kick Corona“, mit dem sie sich persönlich um Spenden für in Not geratene soziale Einrichtungen kümmern.



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Der FC Bayern ist im vergangenen Jahr laut Medienberichten knapp an einer Image-Katastrophe vorbeigeschrammt: Demnach lag ein unterschriftsreifer Sponsoren-Vertrag mit dem Skandal-Unternehmen Wirecard vor.

Ende Mai 2020 war der Vertragsentwurf fertig. Das Papier sollte eine Partnerschaft begründen, die zum Vorteil beider Seiten gedacht war. Sieben Millionen Euro wollte der inzwischen insolvente Finanzdienstdienstleister Wirecard innerhalb von drei Jahren an den FC Bayern zahlen. Als Starttermin für den Sponsoring-Vertrag war der 1. Juli 2020 vorgesehen, so berichten es WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung".

Ziel der Partnerschaft sei es demnach gewesen, "neue Geschäftsfelder" zu entwickeln. Wirecard und der FC Bayern wollten ihre "fachliche Expertise, ihre Kontakte und ihr Know-how partnerschaftlich bündeln", um bei Fußballfans Werbung für den digitalen und mobilen Zahlungsverkehr zu machen.

Zum Glück für den FC Bayern wurde der Vertrag nicht unterschrieben

Zum großen Glück des FCBayern kam es nicht mehr zur Unterschrift des Vertrags. Im Laufe des Monats Juni 2020 wandelte sich das strahlende Erfolgsunternehmen aus Aschheim vor den Toren Münchens in eine Pleitefirma. Es stellte sich heraus heraus, dass das Unternehmen 1,9 Milliarden Euro an Luftbuchungen durchgeführt hatte und das Geld gar nicht vorhanden war. Ein mutmaßlich gewaltiges Betrugssystem brach zusammen. Der langjährige Vorstandvorsitzende Markus Braun kam in Untersuchungshaft und Vorstandsmitglied Jan Marsalek tauchte unter.

Klar ist, für den FC Bayern hätte die Partnerschaft eine schwere Rufschädigung bedeutet, wäre der Vertrag unterschrieben worden. Dabei hätten die Klub-Bosse laut NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" gewarnt sein können. Im Oktober 2019 berichtete vor allem die britische Zeitung "Financial Times" wiederholt über mutmaßliche Missstände. Bayern-Vorstand Jörg Wacker, Vorstand für Internationalisierung und Strategie, hakte offenbar wegen der Zeitungsberichte nach, seine Zweifel wurden aber wohl ausgeräumt.

Ein geplantes Abendessen im Haus von Uli Hoeneß

Am 19. Mai 2020 sollte sogar ein Abendessen im Haus von Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß stattfinden. Als Gäste seien Herbert Hainer, Bayern-Präsident sowie Aufsichtsratschef der Fußball AG des FCB, Wirecard-Vorstandschef Markus Braun und Burkhard Ley, Ex-Finanzchef und Berater in Aschheim geladen gewesen. Ob der Termin tatsächlich stattfand, ist nicht bekannt.

Was den Bayern-Verantwortlichen zu dem Zeitpunkt wohl ebenfalls nicht bewusst gewesen ist: Sie sollten offenbar ein Teil der PR-Strategie von Wirecard werden, gezielt schlechter Presse entgegenzuwirken. Neben gefakten Erfolgsmeldungen gehörten dazu auch erfolgreiche Partner, von deren Glanz Wirecard profitieren wollte. Zu den Basketballern des FC Bayern bestand bereits eine Partnerschaft mit Wirecard. Der Klub hat sich zu den Vorgängen bislang nicht geäußert.

Quellen: "Süddeutsche Zeitung", "Sportschau"

tis

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