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FC Bayern München: Die turbulenten Tage des Rekordmeisters: Kovac gestärkt, Hoeneß von Kritik "sehr" getroffen

Sportlich hat der FC Bayern seine Krise vorerst beendet. Das 2:1 in Bremen stärkt die Position von Trainer Kovac und nimmt Teile eines Umbruchs vorweg. Doch die Kritik an Uli Hoeneß bei der Mitgliederversammlung zeigt: Nichts ist bei den Bayern mehr sicher.

Uli Hoeneß wurde am Freitag harsch kritisiert, Trainer Niko Kovac hat wieder Oberwasser

Uli Hoeneß (l.) wurde am Freitag harsch kritisiert, Trainer Niko Kovac hat wieder Oberwasser

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Am Ende der vielleicht turbulentesten Bayern-Woche der vergangenen Jahre wurde Niko Kovac nicht gefeuert, sondern gefeiert. Am Tag nach dem 2:1 (1:1)-Sieg bei Werder Bremen besuchten die Spieler und Verantwortlichen des FC Bayern München wie jedes Jahr im Advent diverse Fanclubs des deutschen Rekordmeisters, der Trainer war am Sonntag beim "Roden Stean Inzell" im Chiemgau zu Gast. 

Noch vor einer Woche mussten Fans ebenso wie Kovac befürchten, dass dieser Termin ausfällt, weil der 47-Jährige nach nur fünf Monaten in München nicht mehr im Amt ist. Doch zwei Siege gegen Werder (Bundesliga) und Benfica (Champions League) haben die Position des umstrittenen Coaches deutlich gestärkt. "Die Mannschaft glaubt wieder an sich", sagte er nach dem vorläufigen Ende der sportlichen Krise. In Inzell wurde Kovac mit stehendem Applaus empfangen und bekam sogar den traditionell bayerischen Schuhplattler beigebracht.

Dass die Dinge auch anders laufen können, als man immer denkt, dass beim FC Bayern vieles ins Wanken geraten ist und dass alte Gewissheiten nicht mehr uneingeschränkt gelten - das hat in diesen Tagen auch Uli Hoeneß erfahren. Der Bayern-Präsident war es bislang gewohnt, dass ihm bei Mitgliederversammlungen kritiklos gehuldigt wird. Doch am Freitagabend bekam Hoeneß Pfiffe und Buhrufe zu hören.

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Uli Hoeneß

"Wir haben festgelegt, dass wir erstmal alle hart arbeiten und dass wir die Situation in dieser Saison richtig gelöst bekommen. Dann werden wir durchaus die Chance haben, diese Saison sehr gut abzuschneiden - und dann alle Kraft in die Zukunft richten", kündigt Präsident Uli Hoeneß an.

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Auch Uli Hoeneß erleichtert

Auch den Bayern-Boss hat der Sieg in Bremen sichtlich erleichtert. Auch er wurde am Sonntag bei seinem Fanclub-Treffen in Forchheim mit Beifall und Böllerschüssen empfangen. Doch die teils heftigen Vorwürfe bei der Jahreshauptversammlung ("Der FC Bayern ist keine One-Man-Show") haben Hoeneß nach eigenen Aussagen "sehr" getroffen.

Wie sehr dieser denkwürdige Abend in ihm arbeitet, war noch zwei Tage später deutlich zu spüren. "Hier war von einem ganz kleinen Teil der Mitglieder der Versuch unternommen worden, meinen tadellosen Ruf als Manager, Vorstand und jetzt Präsident zu beschädigen", sagte Hoeneß in Forchheim. "Ich muss ehrlich sagen: Ich war schockiert. Ich hoffe, dass es sich wieder ändert, sonst ist das nicht mehr mein FC Bayern."  

Seine Ausfälle gegen Medien und frühere Spieler, seine Einmischungen in das operative Geschäft und auch die Verbannung von Paul Breitner von der Ehrentribüne: Darum drehte sich die Kritik gegen Hoeneß in erster Linie. Doch der Verlauf der Jahreshauptversammlung und die sportliche Krise der vergangenen Wochen hatten natürlich auch etwas miteinander zu tun. Schließlich haben Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ihren neuen Trainer nach Meinung Vieler erst in diese kritische Situation gebracht, weil sie den großen Umbruch bei den Bayern immer wieder verschleppten und Kovac deshalb eine satte, überalterte und schwer zu führende Mannschaft an die Hand gaben.

Franck Ribery und Arjen Robben vor dem Aus?

Mit den Siegen gegen Werder und Benfica, so die Hoffnung der Bayern-Bosse, sind einige Fehlentwicklungen in den vergangenen Tagen gerade noch rechtzeitig korrigiert worden. "Ich habe das Gefühl, dass Trainer und Mannschaft jetzt schön zusammenwachsen", sagte Hoeneß am Sonntag. Nach dem Spiel ihn Bremen hatte bereits Sportdirektor Hasan Salihamidzic betont: "Das war eine gute Woche für uns. Heute haben wir wieder einen Trend eingeleitet - und da wollen wir jetzt weitermachen. Wir haben Probleme angesprochen, haben viel miteinander geredet und wir haben zusammen eine Aufbruchstimmung erzeugt."

Thomas Müller, Joshua Kimmich und Franck Ribéry vom FC Bayern München gehen mit gesenkten Köpfen vom Platz

Tatsächlich war am Wochenende in Bremen zu erkennen, in welche Richtung sich der FC Bayern entwickeln soll. Die beiden Tore schoss der 23 Jahre alte Serge Gnabry (20./50.), während die so lange für unersetzlich gehaltenen Arjen Robben und Franck Ribery im Weser-Stadion auf der Bank saßen (Robben) oder schon früh verletzt ausgewechselt werden mussten (Ribery). Am Sonntag sagte Hoeneß dann zum ersten Mal in dieser Deutlichkeit: "Franck Ribery und Arjen Robben machen sehr wahrscheinlich ihr letztes Jahr beim FC Bayern."

FCB-Legenden: Uli Hoeneß und Paul Breitner – wie eine Männerfreundschaft zerbrach
Uli Hoeneß (l.) und Paul Breitner beim EM-Finale 1972

Uli Hoeneß und Paul Breitner kennen sich also schon lange, 52 Jahre um genau zu sein. Zu Beginn ihrer Karrieren waren sie enge Freunde, wohnten sogar zusammen in einer WG im Münchner Osten. Den ersten großen Titel mit der Nationalmannschaft holen Hoeneß (l.) und Breitner (daneben) 1972 bei der Europameisterschaft.

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Dass Kovac taktisch auf ein 4-2-3-1-System umgestellt hat, gibt der Mannschaft neue Stabilität. Dass er Abwehrfehler wie vor dem 1:1 durch Yuya Osako (33.) auch öffentlich klar ansprach, stärkt seine Autorität. Aber ob das auch an Weihnachten nach schweren Spielen gegen Ajax Amsterdam, RB Leipzig und Eintracht Frankfurt noch gilt? Wer will das nach dieser turbulenten Woche noch seriös einschätzen?

Kurzfristig will der FC Bayern in der Bundesliga-Tabelle einen Neun-Punkte-Rückstand auf Borussia Dortmund aufholen. Mittelfristig kündigte Hoeneß für den nächsten Sommer einen Umbruch des Kaders mit Investitionen "im größeren Stil" an. Langfristig muss sich der größte deutsche Verein auch an der Spitze neu aufstellen. Vorstandschef Rummenigge soll seinen auslaufenden Vertrag 2019 noch einmal um zwei Jahre verlängern und dann von Oliver Kahn abgelöst werden. Das ist zumindest der Münchner Plan. Und wie die vergangenen Wochen gezeigt haben, gehen die Münchner Pläne nicht mehr alle immer auf.

ivi / DPA

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