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Kommentar

FC Bayern : Die Verpflichtung von Heynckes ist eine Bankrott-Erklärung

Die Entscheidung für Jupp Heynckes ist ein nostalgischer Reflex des Bauchmenschen Uli Hoeneß, der die wahren Gründe der Bayern-Krise verdeckt - und sie mittelfristig möglicherweise verschlimmern wird.

Was war das für ein glanzvoller Abgang: beendete seine Karriere 2013 mit dem Gewinn des Triples. Als Nachfolger stand bereits Pep Guardiola fest und Heynckes, damals 68 Jahre alt, sagte auf der Abschieds-Pressekonferenz: "Es gibt viele Dinge, die ich nun machen werde. Mal wieder mit meiner Frau schön ins Restaurant gehen. Außerdem höre ich gerne Musik. Da hab ich nun auch endlich wieder Zeit für. Und auch meinem Hund kann ich nun mehr Zeit widmen. Aber erstmal werde ich mich zurückziehen und Privatmann sein."

Damit ist es jetzt vorbei: Die Bayern haben ihren Triple-Trainer reaktiviert. Heynckes wird seinen Bauernhof in an der niederländischen Grenze verlassen. Er wird sich wieder auf den Trainingsplatz stellen und die Mannschaft von der Seitenlinie aus coachen. Er wird sich mit seinen 72 Jahren enormen Belastungen aussetzen. Mutig ist der Mann.

Jupp Heynckes FC Bayern München

Jupp Heynckes in den glücklichen Tagen im Mai 2013

Bayern haben Anschluss an die Zukunft verpasst

Der Plan lautet: Heynckes soll die sportlichen Probleme, die hinterlassen hat, umgehend beheben und das angeschlagene und überalterte Team durch die Saison führen. Im Sommer wird dann ein neuer Coach für die Zukunft geholt, vielleicht ja der vielgepriesene Julian Nagelsmann.

Doch der vermeintliche Coup der Bayern-Bosse ist in Wahrheit eine -Erklärung. Die Entscheidung für Heynckes zeigt: Der Rekordmeister hat den Anschluss an die Zukunft verpasst. Es war noch nie eine gute Idee, sich von den Erfolgen der Vergangenheit leiten zu lassen, weil die Zeit nun mal fortschreitet und sich die Bedingungen ändern. Heynckes wird die grundlegenden Probleme der Mannschaft innerhalb weniger Monate kaum beheben können. Die Krise der Bayern ist ja nicht nur Ancelotti geschuldet, sondern der Tatsache, dass die Mannschaft nicht ausreichend verstärkt und verjüngt wurde. Nicht umsonst hat Robert Lewandowski dieses Problem in einem Interview angesprochen.  

Im Jahr 2011 (lang, lang ist's her) übernahm Heynckes ein intaktes Team, das auf der Höhe seiner Fähigkeiten war - und das er in zwei Jahren formen konnte. Jetzt wird er vielen Spielern aus der ruhmreichen Zeit wieder begegnen, aber unter anderen Vorzeichen: Robben und Ribéry haben ihren Zenit längst überschritten, Manuel Neuer fehlt noch lange verletzt, David Alaba ist nach langer Verletzungspause außer Form. Gleiches gilt für Jerome Boateng. Auch Thomas Müller und Javier Martinez kennt Heynckes noch. Auch sie suchen gerade nach ihrer richtigen Rolle.


Jupp Heynckes ist zu lange raus aus dem Geschäft

Heynckes ist seit vier Jahren raus aus dem Geschäft. Das ist im Fußball eine kleine Ewigkeit. Seine Rückkehr ist schon deswegen ein Risiko. Als er 2011 seine drittes Engagement an der Säbener Straße begann, hatte er gerade zwei Jahre Leverkusen trainiert und Bayer zum Vizemeister gemacht.

Zudem verzögert sich die Planung für die Zukunft. Ein Trainer wie Thomas Tuchel (oder einer aus dem Ausland) würde die Weichen für die nächsten Jahre jetzt stellen. Und jeder Spieler wüsste, dass er sich reinhängen muss, wenn er eine Rolle spielen will. Ein solcher Trainer redet bei der Kaderplanung ein Wörtchen mit. Das wird Heynckes nur bedingt tun.

Henyckes und Hoeneß kennen sich seit einer Ewigkeit, und in der Not verlässt man sich am besten auf seine Freunde. Doch ob diese Art der Vereinsführung und das gute alte "Mia san mia"-Gefühl noch genauso funktionieren wie einst, ist fraglich. Sportlich wie finanziell ziehen internationale Klubs gerade davon, die Bundesliga und der FC Bayern stehen mächtig unter Druck.

Hoeneß hat sich durchgesetzt und offensichtlich wieder voll und ganz das Zepter übernommen. Es wäre spannend zu erfahren, ob Rummenigge die Entscheidung mitträgt oder sich der Entscheidung gebeugt hat. 

Egal wie man es dreht oder wendet: Die Verpflichtung von "Don Jupp" wirkt wie aus der Zeit gefallen. Sie ist ein Ausdruck der Krise, nicht ihre Lösung.


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