FC Bayern München Da sind sie wieder


Vor dem Viertelfinal-Rückspiel bei Manchester United (ab 20.45 Uhr im stern.de-Liveticker) ist das neue Selbstvertrauen der Bayern regelrecht greifbar. Die Ära van Gaal könnte in Old Trafford ihren ersten Höhepunkt erreichen.
Von Thomas Becker, Manchester

Mark van Bommel ist ein prima Kerl. Dank Erfahrung und natürlicher Autorität prädestiniert zum Mannschaftskapitän, "verlängerter Arm" des Trainers auf dem Platz - und 1a-Zitateproduzent. Und so sprach der Niederländer nach dem 2:1-Sieg seines FC Bayern bei Schalke 04: "Man muss jetzt auch mal Dinge lassen. Wir dürfen nicht in die Stadt gehen und komische Klamotten kaufen, sondern müssen zu Hause bleiben und die Beine hochlegen." Jede Zeitung hat diese Sätze gebracht.

Aber ein Shoppingverbot vom Käptn? Nicht doch, war doch nur symbolisch gemeint. Selbst in München sind am Ostermontag die Läden zu, selbst Bayern-Profis müssten an diesem Tag für einen Einkaufsbummel bis zum Flughafen fahren. Van Bommel wollte ja nur sagen: Wir haben noch nichts gewonnen und sollten mal ein Päuschen einlegen. Trainer Louis van Gaal gab seinen Mannen am Montag trainingsfrei - und das, obwohl am Mittwoch das Spiel der Spiele ansteht: Champions League, Viertelfinalrückspiel gegen Manchester United (20.45 Uhr, Sat1, Sky, Liveticker auf ftd.de). Van Gaal, 1995 Champions-League-Sieger mit Ajax Amsterdam, lässt sich von so etwas nicht beeindrucken. Hätten die Bayern nicht schon das "Mia-sann-mia"-Gefühl erfunden und vorgelebt, der Holländer hätte es mit Sicherheit nachbestellt.

Mit der Partie in Manchester könnte die Ära van Gaal einen ersten Höhepunkt erreichen - gut drei Monate nachdem der Eigenwillige eine heftige Krise mit Ach und Krach und einem hauchdünnen 1:0 gegen Maccabi Haifa überstanden hatte. Gewonnen hätten die Münchner im Falle eines Erfolges gegen Manchester dann zwar immer noch nichts außer der Erkenntnis, dass man bereits tatsächlich mit den Großen mithalten kann. Vor Wochenfrist sah das noch ganz anders aus: 1:2-Niederlagen gegen Frankfurt und Stuttgart ließen nichts Gutes ahnen, und als Wayne Rooney im Hinspiel nach einer Minute mühelos ins Tor traf, schien die Bayern-Saison schon im Graben zu liegen. Es kam anders. Als der Bayern-Tross am Dienstag um 12 Uhr auf Flug LH 5018 eincheckte, war nur eins zu befürchten: Übergewicht wegen zu viel Selbstvertrauens.

Optimismus auch aus der Chefetage

Sogar die zuletzt verstummte Abteilung Attacke meldete sich nach erfolgreicher Rückeroberung der Bundesliga-Tabellenspitze wieder im gewohnten Duktus zurück. Monatelang hatte Neupräsident Uli Hoeneß geschwiegen. Nach dem süßen Sieg auf Schalke sprach der Allgewaltige dann wieder - und wie! "Schalke hat einsehen müssen, dass sie eigentlich nicht Deutscher Meister werden dürfen! Wenn man gegen zehn Mann in 49 Minuten der zweiten Halbzeit nicht eine Torchance hat, darf man nicht Deutscher Meister werden." Und heiter ging's weiter: "Die guten Mannschaften zeichnet eben aus, dass sie im Duell der Giganten zeigen, wozu sie in der Lage sind. Wenn man ehrlich ist, muss man einfach zugeben: Bayern ist mit Abstand die beste deutsche Mannschaft. Das tut mir leid für alle anderen."

Spieler der Frankfurter Eintracht und des VfB Stuttgart werden sich womöglich fragen, ob Hoeneß zuletzt auf einem anderen Planeten weilte oder nur vom hohen Ross aus schlechte Sicht hat. Egal, die Botschaft kam jedenfalls an: Wir sind wieder wer! Während die nationale Konkurrenz die Meisterschale bereits abschenkte, betrieb der Bayern-Kapitän weiterhin Vorwärtsverteidigung: "Wir sind Erster - so, wie es sich gehört", sagte van Bommel, "aber es war Pflicht. Wir wollten hier gewinnen." Das ist in Manchester, wo der FC Bayern noch nie verlor (ein Sieg, zwei Unentschieden), nicht nötig. Ein Remis genügt den Münchnern zum Einzug ins Halbfinale, wo Lyon oder Bordeaux warten - und da ist man mit den Gedanken schnell schon im Finale, wo wohl der FC Barcelona zu erwarten wäre. Und da es bislang noch keinem Klub gelang, den Champions-League-Titel zu verteidigen, wäre der Weg frei. Eigentlich.

Manchester ohne Rooney - die Bayern wieder komplett

Andererseits ist ManU immer noch - mit Chelsea - der stärkste Klub in der stärksten Liga der Welt, auch ohne den verletzten Rooney. Um dessen vielleicht doch noch möglichen Einsatz hatte sich vor der endgültigen Absage gestern ein ähnliches Ballyhoo entwickelt wie um Arjen Robben. Der schwitzte am trainingsfreien Ostermontag mit Co-Trainer Hermann Gerland und meinte danach: "Es sieht sehr gut aus." Van Gaal käme angesichts der Ausgangslage der Einsatz seines Flügelduos Ribéry/Robben gerade recht. Der im Hinspiel gelbgesperrte Bastian Schweinsteiger, an dem sich van Gaals Gabe, den richtigen Mann zum richtigen Zeitpunkt auf die richtige Position zu setzen, gut festmachen lässt, ist wieder dabei, und auch Daniel van Buyten dürfte sich von seiner Knieprellung aus dem Schalke-Spiel erholt haben.

Es sind ziemlich viele Faktoren, die für den FC Bayern sprechen. Van Gaal drückt es so aus: "Für uns ist die Meisterschaft das Wichtigste." Kurze Pause. Und weiter: "Aber es könnte noch mehr werden." Konjunktiv, immerhin.

Diesen Artikel haben wir für Sie in der Financial Times Deutschland gefunden.

FTD

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker