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Fifa-Präsidentschaftswahl Fünf gegen Sepp


Vier Europäer und ein Jordanier wollen Fifa-Chef Sepp Blatter die Wiederwahl vermiesen. Wer ist das Quintett und welche Chancen hat es gegen den in die Jahre gekommenen Präsidenten?

Für seine Herausforderer hat Joseph Blatter nur noch ein müdes Lächeln übrig. Äußerst siegesgewiss spottet der Präsident des Fußball-Weltverbandes über die fehlende Courage des europäischen Ablegers: "Sie wollen mich loswerden. Die Opposition kommt, es ist schade das zu sagen, aus Nyon von der Uefa", sagte der 78-Jährige jüngst.Der europäische Dachverband und dessen Präsident Michel Platini hätte jedoch "nicht den Mut", einen Kandidaten aus den eigenen Reihen zu nominieren. Deswegen geht Blatter nach eigener Aussage auch entspannt in die Abstimmung am 29. Mai.

Zum ersten Mal seit 13 Jahren ist der Amtsinhaber nicht der einzige Kandidat. Gleich fünf Kandidaten treten gegen den in die Jahre gekommenen Fifa-Präsidenten an. Zum Ablauf der Bewerbungsfrist in der Nacht zu Freitag sind allerdings noch viele Fragen offen. Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Amtsinhaber Sepp Blatter und seine Herausforderer:

Wann steht die endgültige Kandidatenliste fest?

Zunächst untersucht die Fifa-Ethikkommission binnen zehn Tagen den Leumund der Kandidaten. Anschließend überprüft eine dreiköpfige Ad-hoc-Wahlkommission, ob der Bewerber während zweier Jahre in den letzten fünf Jahren eine aktive Rolle im Fußball gespielt hat und ob es die Unterstützung von fünf Mitgliedsverbänden gibt. Es wird erwartet, dass die endgültige Liste am 8. oder 9. Februar vorliegt.

Wer wählt den Fifa-Präsidenten?

Der Präsident wird vom Fifa-Kongress am 29. Mai in Zürich gewählt. Die 209 Mitgliedsverbände der Fifa haben dabei ungeachtet ihrer Größe oder Mitgliederzahl jeweils eine Stimme, diese sind wie folgt nach Konföderationen verteilt: Afrika (54), Europa (53), Asien (46), Nord- und Mittelamerika (35), Ozeanien (11) und Südamerika (10).

Muss Blatter überhaupt um seine Wiederwahl bangen?

Alles andere als eine fünfte Amtszeit des Schweizers wäre eine sehr große Überraschung. Blatter hat unter anderem Wahlzusagen von den Chefs der Konföderationen aus Afrika, Asien und Ozeanien, alleine dies würde schon mehr als die Hälfte der Stimmen bedeuten. Auch der amerikanische Kontinent ist tendenziell dem Blatter-Lager zuzurechnen. Die Nationalverbände sind allerdings nicht an die Empfehlung ihres jeweiligen Kontinentalverbandes gebunden.

Wird es also ein langweiliger Wahlkampf?

Das ist zumindest angesichts der breiten Opposition gegen Blatter keinesfalls zu erwarten. Am ehesten könnte der Portugiese Luis Figo mit seinem Charisma und dem Verweis auf die Vita eines Weltfußballers dem Schweizer einige schon sicher geglaubte Stimmen aus Afrika oder Südamerika entreißen. Der Niederländer Michael van Praag weiß Teile des Blatter-kritischen (West-)Europas hinter sich.

Und wie sind die Chancen der übrigen Kandidaten?

Als erster Bewerber hatte der langjährige Fifa-Funktionär Jérôme Champagne seine Kandidatur angekündigt, musste aber zuletzt noch um die notwendigen fünf Unterstützerstimmen kämpfen. Selbst wenn der Franzose diese zusammenbekommt, wäre er chancenlos. Das gleiche gilt für seinen Landsmann David Ginola. Die Kandidatur des früheren französischen Profis wird zudem von einem Wettanbieter unterstützt und ist nicht ernst zu nehmen. Für Fifa-Vize Prinz Ali Bin al Hussein hat sich eine eher unangenehme Lage ergeben: Die Anwärterschaft des Jordaniers wurde von Uefa-Präsident Michel Platini überaus begrüßt, inzwischen sind in van Praag und Figo aber zwei weitere für Europa interessante Figuren im Rennen. Selbst wenn al Hussein zugelassen wird, wäre es überraschend, wenn sich alle drei am Ende zur Wahl stellen

Wie ist die Position des Deutschen Fußball-Bundes?

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat sich zwar auch wohlwollend über die Bewerbung von al Hussein geäußert, derzeit gilt aber van Praag als deutscher Favorit. Der Niederländer erklärte, dass Niersbach ihm selbst die Unterstützung zugesagt hat und rechnet fest mit einer deutschen Stimme. Offiziell gibt es vom DFB keine Wahlzusage.

nik/DPA DPA

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