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Fussball: Nachhilfe für Deutschland

Mit einer Lehrstunde und einem verdienten 0:3 Sieg hat Europameister Frankreich die schwarze Serie der deutschen Nationalmannschaft gegen große Fußball-Nationen auf acht Niederlagen verlängert.

Mit einer Lehrstunde hat Europameister Frankreich die schwarze Serie der deutschen Nationalmannschaft gegen große Fußball-Nationen auf acht Niederlagen verlängert. Der Vize- Weltmeister verlor den Länderspiel-Klassiker am Samstag verdient mit 0:3 (0:1) und wurde von den 53 574 bitter enttäuschten Zuschauern in der ausverkauften Arena "AufSchalke" mit einem gellenden Pfeifkonzert verabschiedet.

Mit Holpern und Stolpern aus dem Jahr

Anstatt Selbstvertrauen für das EM-Jahr zu gewinnen, verstärkte der peinliche letzte Länderspiel-Auftritt des Jahres nach der holprigen EM-Qualifikation die Erkenntnis, dass die Mannschaft von Teamchef Rudi Völler nur als Außenseiter zur EM-Endrunde nach Portugal fahren wird. Frankreichs Stürmerstars Thierry Henry (21.) und der David Trezeguet (55./81.) sorgten mit ihren Toren für den 13. Sieg der "Grande Nation" in Folge. Am Ende wurden die deutschen Spieler, die in den neuen schwarzen Trikots dem Anlass angemessen gekleidet waren, im eigenen Haus gedemütigt.

Wille vorhanden, aber die Fähigkeiten reichten nicht

Die Gastgeber waren zwar gewillt, der Forderung ihres Teamchefs nach einer mutigen Vorstellung nachzukommen. Doch alles Engagement konnte nicht die qualitativen Unterschiede zwischen beiden Teams kaschieren. Frankreich spielte im Stil einer eingespielten Weltklasse-Mannschaft auf, ballsicher, beweglich und bestens organisiert. Zudem hatten die Gäste in Zinedine Zidane den überragenden Mann auf dem Platz. Der laufstarke und ideenreiche Mittelfeldstar von Real Madrid wirkte geradezu omnipräsent, auch weil ihm das deutsche Team viel zu viele Freiräume gewährte.

Dagegen ließ sein Gegenpart Michael Ballack nur sporadisch seine Klasse aufblitzen. Im Gegensatz zum routinierten Miteinander der Franzosen wirkten die deutschen Angriffsbemühungen hölzern, mitunter wie blinder Aktionismus. Aus dem Mittelfeld heraus gelang es selten, die Gäste unter Druck zu setzen. Allerdings präsentierte sich der Vize-Weltmeister in der ersten Halbzeit noch zweikampfstark und hielt deshalb die Partie wenigstens in der ersten Halbzeit noch offen.

Möglicherweise hätte das Duell einen ganz anderen Verlauf genommen, wenn Kevin Kuranyi in der 11. Minute nach einer schönen Einzelleistung ins Tor und nicht an die Latte getroffen hätte. Wie man Fehler des Gegners bestraft, dokumentierten zehn Minuten später die Franzosen. Über die rechte Abwehrseite, Schwachpunkt in der deutschen Elf, leiteten Robert Pires und Bixente Lizarazu den Angriff zum 1:0 ein. Die mustergültige Flanke des Bayern-Profis köpfte Henry mustergültig ein.

Die deutsche Mannschaft hatte postwendend Chancen zum Ausgleich, doch sowohl den Fernschuss von Jens Jeremies (22.) als auch den Kopfball von Frank Baumann (23.) parierte Torhüter Gregory Coupet. Der Schlussmann von Olympique Lyon, der den Vorzug gegenüber Fabien Barthez erhalten hatte, war auch bei einem Freistoß von Ballack (30.) und einem Alleingang des blassen Fredi Bobic (36.) zur Stelle.

Absturz nach der Halbzeit

Hätte das deutsche Team zur Halbzeit noch ein Unentschieden verdient gehabt, verschoben sich die Kräfteverhältnisse nach dem Seitenwechsel mehr und mehr zu Gunsten der Franzosen und ihren besseren Einzelspielern. Beim 0:2 demonstrierte erneut Henry seine Klasse, als er seinen Widersacher Christian Wörns ganz alt aussehen ließ und Sturmpartner Trezeguet so mustergültig bediente, dass der Torjäger von Juventus Turin den Ball nur noch ins leere Tor schieben musste. Neun Minuten vor Schluss setzte Trezeguet nach feinem Zidane- Pass noch eins drauf.

Obwohl die Niederlage am Ende noch höher hätte ausfallen können, gab es auch positive Aspekte. So zeigte Jens Nowotny bei seinem Comeback nach 19-monatiger Länderspiel-Pause eine insgesamt solide Leistung, wenngleich er die Löcher nicht alleine stopfen konnte. Als Gewinn entpuppte sich auch der Stuttgarter Andreas Hinkel auf der für ihn ungewohnten linken Abwehrseite. Der 21-Jährige versuchte wenigstens, durch Sololäufe die Franzosen in Verlegenheit zu bringen, stand damit aber allein auf weiter Flur.

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