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Fußball-WM 2010: DFB verkauft nicht einmal 2000 Tickets

Jetzt ist es offiziell: Für die drei Vorrundenspiele der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2010 in Südafrika wurden in der ersten Verkaufsphase sogar noch weniger Karten verkauft als bislang angenommen.

Das befürchtete Szenario von leeren Zuschauerrängen bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika droht bittere Realität zu werden. Am Dienstag musste der Deutsche Fußball- Bund (DFB) die bisher gemeldeten und ohnehin niedrigen Verkaufszahlen für die drei Gruppenspiele der Nationalmannschaft deutlich nach unten korrigieren. Statt der vom Weltverband Fifa in der vergangenen Woche vermeldeten 6750 Tickets konnte der DFB in der am 13. Januar abgelaufenen Sonderverkaufsphase nur 1916 Karten für die Partien gegen Australien, Serbien und Ghana an Fans verkaufen und liegt damit auf dem niedrigen Niveau fast aller europäischer WM-Teilnehmer.

"Das macht mich nachdenklich. Ich denke, dass da viel zusammenkommt, die Hotelpreise spielen sicherlich auch eine Rolle. Deshalb müssen wir nacharbeiten", sagte DFB-Chef Theo Zwanziger. Mit einer Medienoffensive will der Verband nun um Vertrauen für den WM-Gastgeber werben. Die Sicherheitslage in Südafrika gilt ebenso als ein Grund für das begrenzte Karteninteresse. "Wir müssen die Monate bis zur WM für Vertrauenswerbung nutzen", sagte Zwanziger. "Wir tun das nicht nur für unsere Mannschaft, sondern in erster Linie für die Südafrikaner."

Nur in England ist das nationale Kontingent ausgeschöpft

Der DFB, der zeitgleich eine positive Ticketbilanz für die Frauen-Heim-WM 2011 verkündete, war am Dienstag schnell bemüht, die schlechten Zahlen zu relativieren. "Sie sind normal und entsprechen dem Ergebnis der WM 2002 in Japan und Korea, als wir beim ersten Spiel gegen Saudi-Arabien in Sapporo insgesamt nur 540 Tickets an deutsche Fans verkauft hatten", sagte Generalsekretär Wolfgang Niersbach. In der Summe lagen die Zahlen vor acht Jahren aber etwas höher, damals wurden 2946 Karten für die Gruppenspiele gegen Saudi- Arabien, Irland und Kamerun verkauft.

Rund 21.000 Karten - zwölf Prozent der Stadionkapazitäten - standen dem weltweit größten Sportfachverband zur Verfügung. Bereits am Freitag hatte die Fifa reagiert und für diesen Ticketverkauf in allen 32 WM-Ländern ein neues Zeitfenster vom 9. Februar bis 7. April geöffnet. Nur in England war das nationale Kontingent ausgeschöpft worden. Im restlichen Europa war das Ticketinteresse ähnlich bescheiden wie in Deutschland. Und im Gastgeberland Südafrika wird wegen der nur langsam in Gang kommenden Ticket-Euphorie mittlerweile nach neuen Verkaufswegen gesucht.

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Ticketthema bleibt für die Fifa brisant

Der DFB selbst orderte für die Südafrika-Vorrunde 1400 Karten für die sogenannte Fußball-Familie, also Angehörige der Spieler oder auch Vereinstrainer, so dass insgesamt 3316 Karten vergeben sind. Die von der Fifa kommunizierte Zahl von 6750 Tickets bezog sich auf alle verkauften Karten an deutsche Fans bis hin zum möglichen Finale am 11. Juli in Johannesburg.

In den ersten beiden Verkaufsphasen, als Karten für alle 64 Spiele bestellt werden konnten, gingen immerhin 25.050 Kartenbestellungen aus Deutschland ein. In der bis zum 22. Januar laufenden dritten Phase rechnet Niersbach mit etwa 10.000 weiteren Bestellungen. "Der Ticketmarkt bleibt also in Bewegung", lautete Niersbachs optimistisches Fazit. Fifa-Berater Horst R. Schmidt hofft auf rund 10.000 deutsche WM-Touristen. Die Organisatoren kalkulieren mit 450.000 Fans aus aller Welt. Diese Zahl dürfte bei den jetzigen Buchungsquoten aus Europa aber nur schwer zu erreichen sein.

Das Ticketthema bleibt für die Fifa in jedem Fall brisant. Und sie offenbart eine vom Weltverband und seinem sich als größter Afrikafreund präsentierenden Präsidenten Joseph Blatter nicht erkannte kulturelle Problematik. Das in Europa konzipierte und bei der WM in Deutschland 2006 bewährte Vertriebssystem über das Internet funktioniert in Südafrika nicht.

Zwischenbilanz in der kommenden Woche

Der einfache Fußball-Fan am Kap kauft sich Karten nicht in einem komplizierten Online-Verfahren, sondern am Spieltag am Ticketschalter. Über diese Option denkt man bei der Fifa - die von Kartenkäufern aus Sicherheitsgründen persönliche Daten abfragt - noch nicht nach, hieß es aus der Zentrale in Zürich.

Immerhin brachte Cheforganisator Danny Jordaan die nachträgliche Einrichtung direkter Verkaufsstellen ins Spiel. Fünf Monate vor dem WM-Anpfiff sind rund 800.000 der insgesamt drei Millionen Karten verkauft, immerhin rund 70 Prozent davon in Südafrika. In der kommenden Woche wollen Fifa und WM-OK in Johannesburg öffentlich Zwischenbilanz ziehen. Frohe Kunde könnte da aus Deutschland kommen. Niersbach liegt eine Anfrage eines Unternehmens über 5000 Karten für das Spiel gegen Serbien in Port Elizabeth vor. Diese Firmenanfrage werde man "selbstverständlich vermitteln".

DPA/kbe

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