Halbzeitverlängerung "Das ist Unsinn"


Vereinschefs signalisieren Zustimmung, Trainer und Spieler sind gespalten: Der Vorstoß des DFB, die Halbzeitpause aus finanziellen Erwägungen um fünf Minuten zu verlängern, stößt auf ein geteiltes Echo.

Die vom Deutschten Fußball-Bund (DFB) beim Weltverband FIFA offiziell beantragte Verlängerung der Halbzeitpause von 15 auf bis zu 20 Minuten stößt bei Bundesliga-Trainern und -Spielern auf ein geteiltes Echo. "Das ist Unsinn, aus sportlicher und medizinischer Sicht ein schlechter Vorschlag", sagte Bayern Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld: "Die Verletzungsgefahr würde ansteigen". Nationaltorhüter Oliver Kahn sieht es ebenso: "Man müsste sich dann ja wieder aufwärmen." Während auch Klaus Augenthaler (Bayer Leverkusen) und Jupp Heynckes (Schalke 04) in einer dpa-Umfrage gegen eine verlängerte Pause votieren, sind Thomas Schaaf (Werder Bremen), Klaus Toppmöller (Hamburger SV) und Jürgen Röber (VfL Wolfsburg) einer Regeländerung nicht abgeneigt.

Erhoffte Mehreinnahmen

Unter Trainern und Spielern wird die Ausdehnung der Halbzeitpause jedenfalls weit kontroverser diskutiert als unter den Vereinschefs. Diese hatten im Liga-Vorstand die Idee von Werder Bremens Marketing- Chef Manfred Müller dankbar aufgegriffen und den DFB zum Vorstoß bei der FIFA aufgefordert. Durch eine verlängerte Halbzeitpause erhoffen sich die Erstliga-Clubs pro Saison etwa sechs Millionen Euro Mehreinnahmen aus dem Verkauf von Getränken und Speisen.

Allerdings geht es nicht allein um die Wurst, sondern um weit lukrativere Einnahme-Möglichkeiten. Zustimmung findet die Initiative daher in den TV-Anstalten, da eine längere Halbzeitpause bei Live- Übertragungen mehr Werbegelder bringen würde. "Das ist für uns auf keinen Fall von Nachteil", meinte der stellvertretende ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz. Im Gegensatz zu den privaten Sendern würden die Öffentlich-Rechtlichen allerdings nur im Vorabend-Programm von einer Neuerung profitieren.

"Man sollte es lassen, wie es ist"

Nach Ansicht von Werder-Trainer Schaaf sind die finanziellen Argumente stichhaltiger als die sportlichen Bedenken. "Die fünf Minuten mehr machen keinen Unterschied. Wenn man damit wirtschaftlich etwas bewegen kann, ist das nicht so dramatisch." Auch Röber hält eine Regeländerung für denkbar, "wenn es aus werbetechnischen Gründen nötig ist".

"Wenn es wirtschaftliche Gründe gibt, muss man darüber diskutieren", räumt zwar auch Jupp Heynckes ein. Der Trainer des FC Schalke 04 will aber dennoch am Altbewährten festhalten: "Ich persönlich bin dafür, dass alles so bleibt wie es ist. Je länger eine Pause dauert, desto schlechter ist das für die Spieler." Augenthaler pflichtet dem bei: "Man sollte es lassen, wie es ist."

Trares will Pause "eher verkürzen"

Für HSV-Coach Toppmöller wäre dagegen eine längere Halbzeitpause sogar im eigenen Interesse: "Dann haben wir mehr Zeit, einiges in der Kabine zu besprechen." Für derlei Argumente hat "Fußball-Dino" Bernhard Trares vom Karlsruher SC nichts übrig. "Ich bin in 20 Jahren mit den 15 Minuten immer gut ausgekommen", sagte der heute 38- Jährige: "Länger in der Kabine rumsitzen macht träge. Ich würde die Pause eher noch verkürzen."

Bisher keine Reaktion von der FIFA

FIFA-Präsident Joseph Blatter gab bis zum Donnerstag noch keine Stellungnahme zum deutschen Gesuch ab. Der Schweizer sitzt im achtköpfigen Gremium des «International Football Association Board» (IFAB), der Regelkommission des Fußballs. Die wird am 28. und 29. Februar in London über den DFB-Antrag beraten und möglicherweise auch schon darüber abstimmen. Für eine Regeländerung wäre eine Drei- Viertel-Mehrheit nötig.

DPA DPA

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