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Hamburger SV: Wie lange noch mit Bruno Labbadia?

In Hamburg ist Krise: Der HSV droht in der Meisterschaft selbst das Minimalziel sechster Platz zu verspielen. Der Stuhl von Trainer Bruno Labbadia wackelt gewaltig. Club und Fans klammern sich an den Strohhalm Europa League.

Am Tiefpunkt dieser Bundesliga-Saison angekommen, wirkt Bruno Labbadia genauso hilflos und müde wie sein Personal. Nach dem katastrophalen Heimauftritt beim 0:1 (0:1) gegen den auswärtsschwachen FSV Mainz 05 und dem erstmaligen Abrutschen aus den internationalen Rängen stellt sich beim Hamburger SV vor allem eine Frage: Wie lange darf Labbadia noch auf der Bank Platz nehmen? Zwar klammern sich der überforderte Übungsleiter und auch der Vorstand an den Strohhalm Europa League, doch in dieser Verfassung ist Halbfinal-Gegner FC Fulham nicht zu bezwingen. "Wir wollten, aber es haben 10 bis 15 Prozent gefehlt, warum auch immer", sagte Labbadia mit leiser Stimme, "jetzt müssen wir schnell umschalten auf Europa League".

Fragen nach einem Trainerwechsel vor Saisonende wich der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann am Sonntag aus: "Wir haben am Donnerstag ein extrem wichtiges Spiel, bei allem anderen verdrehen Sie mir sowieso das Wort im Mund." Auf die Frage, ob Labbadia noch der Richtige sei und die Mannschaft erreiche, sagte Hoffmann ausweichend: "Nach dem guten Lüttich- und dem erfolgreichen Bochum-Spiel gab es gar keinen Grund, am Trainer zu zweifeln". Nach dem Debakel gegen Mainz offenbar schon.

Zwei Gesichter


Die zwei Gesichter, die der HSV international und in der Liga- Rückrunde zeigt, sind kaum erklärbar, aber höchst gefährlich. "Das darf nicht passieren, dass wir so schlecht spielen und uns nur auf die Europa League konzentrieren", sagte der wütende Piotr Trochowski, "das dürfen wir uns nicht erlauben". Der gefrustete Nationalspieler, den Labbadia seit Wochen mit einem Startelf-Bann belegt hat und nur aufbot, weil sich in Jonathan Pitroipa (Rippenbruch) die letzte Alternative für den Flügel erledigt hatte, zeigte noch die beste Leistung auf Seiten der Norddeutschen.

"Wir tun in der Bundesliga zu wenig. Wir hatten eine ganze Woche Zeit, uns auf dieses Spiel vorzubereiten, wir sind bei Kräften, es darf keine Ausrede sein, dass wir viele Spiele hatten", redete Trochowski nach dem 51. Saisonspiel Klartext. Wie in der Vorsaison, als der Techniker gerade noch in letzter Minute mit seinem Tor gegen Dortmund das internationale Geschäft rettete, geht dem HSV auf der Zielgeraden die Luft aus. So schleicht Zé Roberto nur noch über das Spielfeld und Ruud van Nistelrooy rennt genervt in die Kabine.

Labbadia wirkt schwer angeschlagen


Und Labbadia, der schon nach dem desaströsen 0:0 gegen Hannover die Mannschaft über den grünen Klee gelobt hatte, wirkt ohne einen Sportdirektor an seiner Seite angeschlagen und ratlos. Eine Krisensitzung sollte die offensichtlichen Risse zwischen ihm und den Profis kitten, das Armutszeugnis gegen Aufsteiger Mainz sprach aber Bände. Für Verwirrung sorgte Labbadia zudem erneut mit seinen Auswechslungen: Als er David Jarolim nach 69 Minuten gegen Amateur Sören Bertram auswechselte, war das Kopfschütteln groß. Der Kapitän, einer der wenigen Befürworter des 44 Jahre alten Trainers in der Kabine, relativierte am Tag danach seine große Enttäuschung: "Ich bin nicht beleidigt. Der Trainer hat es mir erklärt, das ist abgehakt."

"Jetzt müssen wir aufpassen, dass wir nicht abrutschen", sagte Jerome Boateng, der versicherte, trotz seines Abschieds im Sommer noch ganz bei der Sache zu sein. Das beteuert auch Zé Roberto, den ein New Yorker Millionenangebot angeblich gar nicht interessiert. In der Summe gibt es im Saisonfinish an der Elbe wieder einmal zu viele Nebengeräusche und kein Aufbäumen.

Britta Körber, DPA / DPA

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