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Hintergrund: Wer ist wer im Hoyzer-Skandal?

Worum geht es im Wett-Skandal um den Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer? Wer wird beschuldigt, wer ermittelt gegen wen? stern.de verschafft einen Überblick.

Der Fall Robert Hoyzer

Es ist der größte Skandal im deutschen Fußball seit 34 Jahren: Der 26 Jahre alte Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer soll bei Wettanbietern auf Spiele gewettet haben, die er selbst als Referee geleitet hat. Erinnerungen an den legendären Bundesliga-Skandal 1971 werden wach, als insgesamt 53 Spieler, mehrere Klubs, Trainer und Funktionäre in einem regelrechten Bestechungssumpf gesteckt hatten.

Wer wird beschuldigt?

Die sechs Hauptangeklagten vor dem Landgericht Berlin, Moabit: die Schiedsrichter Robert Hoyzer und Dominik Marks (30), Ex-Profi Steffen Karl (35) - und die kroatischen "Wettpaten-Brüder" Ante (29), Milan (40) und Filip (37) Sapina aus dem "Café King". Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: gewerbsmäßiger und bandenmäßiger Betrug - dafür drohen ein bis zehn Jahre Gefängnis.

Was wird ihnen vorgeworfen?

Der 26-jährige Hoyzer, sein Exkollege Dominik Marks und der ehemalige Chemnitzer Fußballprofi Steffen Karl sollen laut Anklage in der Affäre den aktiven Part auf dem Spielfeld übernommen, Ante Sapina und seine beiden Brüder Milan und Filip die Wetteinsätze getätigt haben.

Hoyzer soll unter anderem im Jahr 2004 die Begegnungen Braunschweig gegen St. Pauli, Wuppertal gegen Werder Bremen Amateure (beide Regionalliga), die Zweitligapartie Ahlen gegen Burghausen sowie das DFB-Pokalspiel Paderborn gegen den HSV so gepfiffen haben, dass sie im Ergebnis den von Ante Sapina und Komplizen platzierten Wetten entsprachen. Dafür soll er rund 60.000 Euro kassiert haben.

Marks soll an der Manipulation von drei Fußballspielen beteiligt gewesen sein. In einem weiteren Fall soll Marks über Hoyzer angeboten haben, ein Spiel zu beeinflussen. Marks saß gut einen Monat in Untersuchungshaft und wurde gegen Kaution und unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt.

Der noch in Untersuchungshaft sitzende Ante Sapina soll am 1. Mai 2004 beim Spiel Holstein Kiel gegen den Chemnitzer FC bei einem Einsatz von 26.000 Euro rund 300.000 Euro gewonnen haben. Am 3. Dezember setzte er nach Darstellung der Staatsanwaltschaft zum Spiel Karlsruher SC gegen den MSV Duisburg 240.000 Euro ein und gewann rund 870.000 Euro.

Der Name Steffen Karl war von Duisburgs Torhüter Georg Koch Anfang Februar erstmals ins Spiel gebracht worden. Koch berichtete, dass sich vor der Partie seines Ex-Vereins Energie Cottbus gegen Jahn Regensburg ein Mann mit dem Namen "Steffen Karl" bei ihm gemeldet und ihm 20.000 Euro für den Fall angeboten habe, dass er im Spiel gegen Regensburg (3:0) ein, zwei Mal den Ball ins Tor lasse. Gegen Karl besteht der dringende Tatverdacht des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs, der versuchten Verbrechensabrede sowie der versuchten Nötigung.

Wer erhebt die Vorwürfe?

Die Staatsanwaltschaft Berlin unter der Führung von Generalstaatsanwalt und Chefankläger Hansjürgen Karge.

Wer untersucht die Vorwürfe?

Nur die Staatsanwaltschaft Berlin. In dem Strafprozess spielt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) keine eigenständige Rolle. Zwar habe man bei den Ermittlungen zusammengearbeitet, im Prozess jedoch bleibe der DFB allerdings nur Zuschauer, erklärte der Berliner Gerichtssprecher Arnd Bödecker. "Die strafrechtliche Gerichtsbarkeit hat mit der Gerichtsbarkeit des Verbandes nichts zu tun. Eine Rolle als Nebenkläger steht dem Verband nicht zu. Das ist abhängig von den Delikten."

Welche Auswirkungen hat der Hoyzer-Skandal bisher?

Der DFB-Kontrollausschuss reagierte auf die Problematik mit Sportwetten mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog:

Anfangs war sogar geplant, die Schiedsrichter, wie schon bei UEFA-Spielen üblich, erst zwei Tage (vorher vier Tage) vor dem Austragungstermin eines Spieles zu bestimmen. Diese Neuregelung wurde später allerdings aus Gründen der Praktikabilität verworfen. Schiedsrichter, die neu in die Zweite Liga aufsteigen, werden über drei Jahre bei ihren Partien in der Regionalliga beobachtet. Auch die Fußball-Bundesliga-Spiele im DFB-Pokal, die bisher nicht observiert wurden, werden zukünftig mit einem Schiedsrichter-Beobachter besetzt. Dieser vierte Offizielle soll ein gestandener Erstligaschiedsrichter sein, der notfalls kurzfristig als Spielleiter einspringen kann. Zwei Schiedsrichtergespanne sollen am Spieltag getauscht werden können. Der Videobeweis soll umfassend eingeführt werden. Alle am Geschehen Beteiligten sollen einem Wettverbot unterliegen und das Frühwarnsystem "Betradar" umgehend greifen.

Da sich der deutsche Fußball vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im Zentrum der weltweiten Öffentlichkeit befindet, wird befürchtet, dass der Skandal weit reichende Folgen für das Image des größten Fußballverbandes der Welt hat.

Klaus Bellstedt mit Material von AP/DPA/Reuters / DPA / Reuters

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